Margot Käßmann überdenkt in dem nun bereits in der 5. Auflage vorliegenden Taschenbuch die Situation der Menschen in der Bundesrepublik Deutschland des Jahres 2006. Die zwei bis drei Seiten umfassenden, insgesamt 63 Kapitel spiegeln die Themen wider, die Frau Käßmann ein Jahr lang als »Samstagskolumne ... einer deutschen Tageszeitung« behandelt hat; teilweise leicht erweitert, 'aufgefüllt'. Aufhänger sind dabei kirchliche Rituale, Feste oder Feiertage. Reflektiert wird von der Bischöfin, die sie damals noch war, auf der Basis eines klar theologischen Standpunkts. So wurden von ihr auch oftmals erläuternde biblische Zitate ans Ende ihrer Texte angefügt.
Das Themenspektrum ist weit gefächert; es geht um Gott und die kapitalistische, konsumfixierte Welt, um (damals) aktuelle, aufrüttelnde Ereignisse und fundamentale Fragen unseres Zusammenlebens. Frau Käßmann vertritt eine eindeutige Position, gespeist aus ihrem Glauben. Sie propagiert Gewaltlosigkeit und Nächstenliebe, fußend auf Luthers Interpretationen der Bibel.
Margot Käßmann gibt kurze Antworten auf komplexe Fragen. Das ist sicherlich der augenfälligste Nachteil der Kolumnensammlung. Denn für eine tiefere Analyse oder ausführliche Diskussion sind die einzelnen Kapitel viel zu knapp gefasst. Die Texte sind immer einfach und verständlich, als morgendliche Gedankenanregung oder alltägliche Orientierungsmarke deshalb gut geeignet. Weniger jedoch als Lesebuch, da es zwischen den Kapiteln keinen konkreten inhaltlichen Zusammenhang gibt.