... welches eine so mittelmäßige Bewertung in meinen Augen etwas zu Unrecht bekommen hat. Beinahe ärgere ich mich, dass ich es deswegen nicht schon viel früher gekauft habe. Aus diesem Grund will ich im Rahmen dieser Rezension mehr eine ausführliche Gegendarstellung einnehmen und diverse Kritikpunkte aufgreifen.
Zunächst zur Ästhetik:
Die Photos in dem Buch zeigen im Gegensatz zu seinem Vorgänger erstmals die Brotaufstriche selbst! Sie sind sehr ansprechend, etwas moderner und mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Es wird auf Farbkontraste und -familien gesetzt, wo es angebracht ist. Die Bilder zeugen von der Farbenprächtigkeit der Aufstriche, welche lt. den Autorinnen übrigens nicht im geringsten nachgebessert oder geschönt wurden.
Die großzügigen Bilder lockern das Buch zudem auf angenehme Weise auf, und wecken vor allem die Lust, die Rezepte baldmöglichst ausprobieren zu können. Sie machen Appetit, und gerade das ist doch sehr wichtig daran. Ich bin zugegebenermaßen kein Freund von kargen und zusammengestauchten Layouts... Ein wenig Raum darf schon sein, denn es zeugt bereits im Buch von Genuss und Freude am Essen.
Die Farbeinteilung ist überaus praktisch ausgefallen: Es wurden lediglich die Überschriften und Seitenzahlen farbig gesetzt. So weiß der Benutzer sogleich, in welchem Kapitel er sich überhaupt befindet. Keine Sorge, das ist kein bunter Zettelkasten, sondern schön dezent gehalten. Weniger ist hier oftmals mehr!
Ein alphabetisches Rezepteverzeichnis ist hier absolut nicht notwendig. Denn die Rezepte sind bereits durchs ganze Buch hindurch alphabetisch geordnet!
Zu den Rezepten selbst will ich anmerken:
Generell ist ja jedes Rezept eine Abwandlung von Zutaten... Doch: Gerade die geschickten und feinen Kombinationen machen stets von neuem den Reiz aus. Zudem hat vermutlich nicht jeder die Zeit und die Muße, den halben Tag lang in der Küche zu stehen und ewig selbst herum zu experimentieren. Da muss es schnell gehen! Die Aufstriche müssen erprobt, gelingsicher und vor allem lecker sein. Und das sind sie - In diesem Buch absolut!
Ilse Gutjahr und Erika Richter haben ganze Arbeit geleistet, ihre Rezeptesammlung zu erweitern, ohne dass es langweilig wird. Sie haben viele neue wundervolle Kreationen und ebenso leichtere sowie interessantere Variationen gefunden. Während der Vorgänger 'Streicheleinheiten' die Basis bildet und man dort eher klassische Aufstriche findet, darf man sich hier auf zartere Nuancen sowie auf sehr raffinierte Sachen freuen.
Die Liste reicht von marokkanischem Auberginenaufstrich, bis hin zu Hokkaido-Aufstrich, Pinien-Tomate, Rosenkohlaufstrich, Sesampaste, sowie Blaubeeraufstrich mit Kokosnuss, Himbeerbutter, Dattelcreme, usw...
Es ist kein Manko, wenn ein Buch über Brotaufstriche ein paar sehr bewährte Brot- & Brötchenrezepte nebst Sauerteiganleitung beinhaltet. Ich sehe es als sinnvolle Ergänzung. Ebenso die Basics: Neben Varianten in der Herstellung von Gemüsebrühen (getrocknet, flüssig, eingelegt...) findet man auch Meerrettichwürze, Harissa und lernt, wie man Oliven, Knoblauch und Tomaten einlegt.
Zudem kann ich die Aufregung wegen ein paar einzelnen Zutaten nicht nachvollziehen: getrocknete "vollwertige" Tomaten wird man sowieso nirgends finden können - es gibt sie schlicht nicht! Man sollte das vielleicht nicht so engstirnig sehen, sonst müsste man sich Kakao oder andere Zutaten konsequenterweise ebenso verkneifen - und dies ist kann sicher nicht im Sinne der Vollwertkost sein, so wie sie Dr. Bruker bekannt gemacht hat.
Fazit:
Das Buch ist auf jeden Fall eine Bereicherung für die Tafel! Für Neueinsteiger zeigt es, wie genussvoll und vielfältig die Vollwertkost sein kann, und selbst die "alten Hasen" kommen auf ihre Kosten...
Als kleines Schmankerl haben Gutjahr/Richter übrigens noch ein wahnsinns-Backrezept in der Hinterhand: Die Knabberstangen sind ja sowas von lecker - allein dafür lohnt der Kauf des Buches schon!