Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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110 von 168 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gegen den Strom der Sozialromantik, 14. Oktober 2008
Friedrich Merz war immer ein streibarer und polarisierender Politiker. Dieses Buch passt zu ihm und es passt in diese Zeit. Wie er selbst bei der Veröffentlichung gesagt hat, gibt es keinen besseren Zeitpunkt als den jetzigen, den der Finanzkrise und Börsenturbulenzen. Merz stellt eindrucksvoll dar, dass nicht der Markt die Wurzel des Übels ist, sondern das Instrument um Fehlentwicklungen zu korrigieren. Gerade die Finanzkrisen der letzten zehn/fünfzehn Jahre haben gezeigt, dass ihre Ursache in einer falschen Politik der Regulierung liegt. Regulierung, das schreibt auch Merz, muss sein. Die Anreize waren jedoch so gesetzt, dass dem eigennutzorientierten Spekulantentum einiger weniger in die Hände gespielt wurde. Deshalb die Marktwirtschaft in Frage zu stellen, würde jedoch geradewegs in eine Sozialwirtschaft a la DDR führen. Davor warnt Merz zu Recht. Der Sozialismus klingt zwar gut, zerstört aber den Wohlstand, was leider die Bezieher kleiner Einkommen am härtesten trifft. Deshalb plädiert Merz für mehr Freiheit, was konsequent verbunden sein muss mit einer Verknüpfung von Handeln und Haftung der verantwortlichen Akteure und einer Regulierung, die die Leistungsbereiten, d. h. vor allem den Mittelstand schützt.
Dass Herr Merz dieses Buch zu diesem Zeitpunkt veröffentlicht tut dem interessierten Leser, egal ob Befürworter oder Gegner freier Märkte gut, weil es eines der wenigen Gegenstücke ist zur sehr konformen Kapitalismuskritik der Medien und so den Horizont dessen erweitert, der sich mit MArktwirtschaft und Geldmärkten interessiert auseinandersetzen möchte.
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41 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!", 1. Februar 2009
"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!"
Dieser Ausspruch von Michail Gorbatschow vom 6.Oktober 1989 trifft auch knapp zwanzig Jahre später für Friedrich Merz und sein pünktlich zum Beginn der Frankfurter Buchmesse (15.10.2008) erschienenes Buch: "Mehr Kapitalismus wagen: Wege zu einer gerechten Gesellschaft" zu.
Friedrich Merz legt in diesem Buch ein klares Bekenntnis ab für die: "Freiheit des Marktes", und von "mündigen Bürgern" für die der Kapitalismus gleichsam die demokratische Freiheit beinhaltet, Produkte und Dienstleistungen frei nach ihren Präferenzen kaufen (auswählen) zu können. Er schreibt von den "verantwortungsvollen Managern" die in einer globalen Weltwirtschaft verantwortungsvoll handeln, wenn sie Produktionsstandorte ins (billigere) Ausland verlagern und Arbeitsplätze in Deutschland abbauen, weil sie dadurch die noch vorhandenen Arbeitsplätze sichern helfen. Friedrich Merz schreibt von der gebotenen Pflicht zur "Zurückhaltung des Staates" der sich aus der Wirtschaft raushalten soll, weil er ohne hin keine Ahnung hat und mit seiner Einmischung lediglich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft durch zu hohe Sozialleistungen, Steuersätze und gesetzliche Regularien vermindert. Das ganze gipfelt dann quasi in dem rezitierten Mantra:
"Der Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung!" und die: "Marktwirtschaft ist aus sich selbst heraus sozial!"
Desweiteren finden in diesem Buch auch die so oft gescholtenen "bösen Heuschrecken" ihre Gnade: "Hedgefonds korrigieren durch ihre Aktivitäten falsche Preisbildungen am Markt und tragen so zur Risikobegrenzung an den Finanzmärkten bei."
Beurteilung:
Dieses Buch erschien praktisch genau vier Wochen nach dem die damalige US-Investmentbank "Lehman Brothers Inc." den Insolvenzantrag stellen musste (15.09.2008). Was danach geschah ist bekannt: Das gesamte internationale Finanzsystem stand kurz vor dem Kollaps und die internationalen Notenbanken versuchen seit dem (vermutlich vergebens) mit zig Milliarden das System zu retten. Es lässt sich ohne Übertreibung feststellen: Dieses Buch erschien aus Sicht des Piper Verlags zur absoluten Unzeit.
In diesem Zusammenhang fällt mir ein sehr interessantes Buch aus meiner Studienzeit ein: "The Political Power of Economic Ideas: Keynesianism Across Nations" (Princeton 1989) von Peter Hall. Es handelt von der sich entfaltenden politischen Macht ökonomischer Theorien und der Wandlung ökonomischer Leitgedanken im historischen Verlauf. Im Jahre 1971 sagte der damalige US Präsident: Richard Nixon noch: "We are all Keynesians now" zehn Jahre später leitete aber sein ebenfalls republikanischer Nachfolger Ronald Reagan die politische Hinwendung zur "Angebotsökonomie" ein, deren geistige Väter die "Chicagoer Schule" darunter auch Milton Friedman waren. Unter dem Begriff "Angebotsökonomie" versteht man im Wesentlichen, das Unternehmen (Anbieter) auf der Grundlage ihrer Gewinn- bzw. Renditeerwartungen über Investitionen und damit auch über die Schaffung von Arbeitsplätzen entscheiden. Um dies zu erreichen sind im Wesentlichen folgende politische Maßnahmen notwendig: Bürokratieabbau, Senkung des Lohnniveaus, Verringerung der staatlichen Transfährleistungen, vereinfachtes Steuersystem (zum Beispiel Herrn Merz: "Bierdeckelsteuererklärung"), Sicherung des Wettbewerbs, sowie eine Orientierung der Geldmengenentwicklung am Wirtschaftspotenzial (lockere Geldpolitik der Notenbanken). Letztlich zielt alles was Friedrich Merz in diesem Buch schreibt genau auf die Fortführung dieser "Angebotsökonomie" ab (man bezeichnet es heute allerdings eher als "Neoliberalismus"). Aber genau diese wirtschaftspolitische Doktrin hat genau diese verheerende Wirtschaftskatastrophe verursacht in der sich die gesamte Welt heute befindet. Angebotsökonomie führt grundsätzlich immer zu einer "Verschuldungskrise". Alle Präsidenten seit Ronald Reagan haben diese Verschuldung in den USA stetig gesteigert und diese Verschuldung wurde im Laufe der letzten zwanzig Jahre über den gesamten Globus ausgeweitet. Das Buch von Friedrich Merz "Mehr Kapitalismus wagen..." kommt somit genau zu einer Zeitenwende in der jene ökonomischen Anschauungen wie sie Herr Merz vertritt sich als vollkommen diskreditiert offenbaren. Wie bereits gesagt: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!".
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Mehr soziale Marktwirtschaft!, 25. August 2009
Sozialismus hin, Kapitalismus her, Friedrich Merz und Ludwig Erhard, der Inbegriff der sozialen Marktwirtschaft würden sich wahrscheinlich nicht sehr gut verstehen.
Denn vor dem Hintergrund der gescheiterten Weimarer Republik und angesichts der Trümmer und sonstiger Hinterlassenschaften des Nationalsozialismus wendet sich Ludwig Erhard sprichwörtlich entschieden gegen einen liberalen Nachtwächterstaat: "Ein moderner und verantwortungsbewußter Staat kann es sich einfach nicht leisten, noch einmal in die Rolle des Nachtwächters zurückversetzt zu werden. Diese falsch verstandene Freiheit ist es ja gerade gewesen, die die Freiheit sowie eine segensreiche freiheitliche Ordnung zu Grabe gebracht hat."
Für Erhard sind daher Marktwirtschaft, Kapitalismus, Wettbewerb und Wirtschaftswachstum keine originären Ziele, sondern lediglich Mittel zum Zweck:
"So wollte ich jeden Zweifel beseitigt wissen, daß ich die Verwirklichung einer Wirtschaftsverfassung anstrebe, die immer weitere und breitere Schichten unseres Volkes zu Wohlstand zu führen vermag. Am Ausgangspunkt stand der Wunsch, über eine breitgeschichtete Massenkaufkraft die alte konservative soziale Struktur endgültig zu überwinden. Diese überkommene Hierarchie war auf der einen Seite durch eine dünne Oberschicht, welche sich jeden Konsum leisten konnte, wie andererseits durch eine quantitativ sehr breite Unterschicht mit unzureichender Kaufkraft gekennzeichnet."
"Maßstab und Richter über Gut und Böse der Wirtschaftspolitik sind" für den Ökonomen und Wirtschaftspolitiker Ludwig Erhard im Gegensatz zu Friedrich Merz "nicht Dogmen oder Gruppenstandpunkte, sondern ist ausschließlich der Mensch, der Verbraucher, das Volk."
Vergleicht man dies mit der heutigen Realität, dann ist von dieser Zielsetzung zweifelsohne nicht mehr viel übrig geblieben, denn wir haben heute in Deutschland einerseits wieder eine dünne Oberschicht, die sich jeden Luxus leisten kann und andererseits eine immer größer werdende Schicht mit unzureichender Kaufkraft.
Das Leitmotiv von Herrn Merz lautet offensichtlich: Armut für viele und Reichtum für wenige und nicht Wohlstand für alle.
Wer für die Zukunft mehr Kapitalismus fordert, der sollte erklären, warum vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten die Reichen und Superreichen in Deutschland trotz sozialstaatlicher "Umverteilung" noch reicher, das Prekariat immer zahlreicher und die Mittelschicht zum Zahlmeister der Nation geworden ist. Oder ist der Autor der Meinung, dass jemand mit einem Privatvermögen von rund 17 Milliarden Euro immer noch nicht reich genug ist? Das entspricht immerhin dem Gegenwert von 30.000 bis 35.000 Einfamilienhäusern. Dann hätte der Autor aber auch den Mut haben sollen, dies in seinem Buch klar und deutlich zu formulieren.
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