"Meet the Rizzos", der im Original schlicht nach dem Ort betitelt ist, an dem er spielt, City Island, ist der vierte Spielfilm von Regisseur Raymond De Felitta, von dem ich persönlich noch nix gehört oder gesehen habe, der aber schon mit recht populären Darstellern zusammengearbeitet hat (Peter Gallagher, Peter Falk, Olympia Dukakis, Elizabeth Perkins). Auch in "Meet the Rizzos" versammeln sich allseits bekannte Mimen wie Andy Garcia ("Ocean's Eleven"), Julianna Margulies ("Good Wife"), Emily Mortimer ("Transsiberian") und Alan Arkin ("Little Miss Sunshine") in einer teilweise etwas bemühten, aber größtenteils charmanten und witzigen Dramödie, um dieses unselige Wort mal zu bemühen.
City Island ist ein kleines Fischerdorf, das zum Bezirk Bronx, New York, gehört und ca. 4.500 Einwohner beherbergt. Zu diesen gehört auch die Familie Rizzo, deren hervorstechendstes Merkmal es zu sein scheint, Geheimnisse voreinander zu haben. Papa Vince (Andy Garcia) raucht heimlich und besucht einen Schauspielkurs, den er seiner Frau aber als Pokerrunde mit Freunden verkauft, da er Angst hat, sie könne ihn auslachen. Joyce raucht ebenfalls heimlich und befürchtet, ihr Mann könnte eine Affäre haben, weil die Beiden sich nur noch streiten oder anöden. Tochter Vivian (Dominik García-Lorido, "The Lost City") wurde wegen Marihuana-Besitzes für ein Semester vom College suspendiert und versucht nun, sich das Geld, was ihr vorher durch das Stipendium zur Verfügung stand, in einem Striplokal zu verdienen. Sohnemann Vince Jr. (Ezra Miller, "Royal Pains") hegt ein geheimes Faible für dicke Frauen, denen er gerne beim Essen zusehen oder sie füttern würde. Und nun kommt Vince Sen. auch noch mit einem Gefangenen aus dem Knast, in dem er als Gefängniswärter arbeitet, nach Hause. Dieser darf unter Vinces Aufsicht seine letzten 30 Tage Strafe außerhalb des Gefängnisses verbüßen. Nur die Kleinigkeit, dass Tony (Steven Strait, " 10.000 BC") Vinces Sohn aus einer früheren Beziehung ist, verschweigt Vince sowohl Tony als auch seiner Familie. Und als er dann noch in seinem Schauspielkurs die leicht schräge Molly (Emily Mortimer) kennenlernt, nimmt das Chaos unaufhaltsam seinen Lauf...
Daten: Ton in deutsch und englisch in DD 5.1, Untertitel in deutsch. Extras: Audiokommentar von Andy Garcia und Raymond De Felitta, deleted Scenes, deutscher und englischer Trailer des Films, "Dinner with the Rizzos" und eine Trailershow mit 5 Filmchen.
Der Film birgt Einiges an schrägem Potenzial und weiß dieses auch gut zu nutzen. Für die ganzen 104 Minuten reichen die Kreativität und das Tempo des Films zwar nicht, dennoch fühlt man sich gut unterhalten und kann oft genug schmunzeln über diese komischen Rizzos, die sich das Leben viel schwerer machen, als es eigentlich sein müsste. Und wie so oft ist es ein Fremder, der die Familienordnung ordentlich durcheinanderwirbelt und für Aufregung sorgt. Denn erst als Tony die Bildfläche betritt, beginnen die Dinge aus dem Ruder zu laufen. Vince ist zunehmend überfordert mit der Wahrung seiner ganzen Geheimnisse und den ewigen Streitereien mit Frau Joyce, schafft es aber dennoch nicht, mal ein wenig Ordnung in sein Leben zu bringen. Im Gegenteil, spätestens mit dem Versuch, seinen erstgeborenen Sohn unauffällig in seine Familie zu integrieren, ohne dieser oder Tony zu sagen, wer er wirklich ist, verursacht Vince nur noch mehr Probleme. Denn aus Frust über Vinces vermeintliche Affäre beginnt Joyce ein unziemliches Auge auf ihren Stiefsohn zu werfen. Durch ein paar komische Zufälle und offene Worte erfährt Tony in kurzer Zeit viel mehr über jedes einzelne Familienmitglied, als die ganze Familie selbst voneinander weiß. Was natürlich auch wieder Probleme mit sich bringt.
Es ist größtenteils amüsant, den Rizzos dabei zuzusehen, wie sie sich in immer mehr Lügen und Missverständnisse verstricken und argwöhnisch umeinander herumschleichen. An manchen Stellen jedoch übertreibt es De Felitta mit der Redseligkeit seiner Protagonisten und lässt diese quantitativ ziemlich viel, qualitativ aber ziemlich wenig absondern. Einiges wirkt darüber hinaus doch recht konstruiert oder aufgebauscht, man merkt dem ebenfalls fürs Drehbuch verantwortlichen Regisseur an, dass er noch nicht so versiert ist, wie er gerne wäre. Letztendlich sind das aber nur kleine Mängel, die nicht wirklich ins Gewicht fallen.
Zu verdanken ist dies den souveränen Darstellerleistungen. Andy Garcia als überforderter, streitsüchtiger und chaotischer Vince, der seinem tristen Job als Gefängniswärter per Schauspielunterricht entfliehen will, meistert diesen Balanceakt wunderbar. Julianna Margulies, die ewige "ER"-Krankenschwester, ist eine attraktive Mittvierzigerin, die durch burschikosen Charme besticht. Die Kinder bleiben darstellerisch etwas im Hintergrund, können aber spätestens bei den immer wiederkehrenden Familienstreitgesprächen punkten. Und der verlorene Sohn Tony wird durch Steven Strait als passende Mischung aus Kleinkriminellem und Good Guy mit schwerer Kindheit gegeben. Und auch Alan Arkin und Emily Mortimer in weiteren Nebenrollen können ihren Charakteren darstellerisch Farbe verleihen.
Abgerundet wird das Rizzo-Chaosteam durch sonnige Inselbilder von City Island, dem großen Haus der Rizzos direkt am Meer und einigen Impressionen eines sommerlichen New Yorks und einem überwiegend dazu passenden Soundtrack.
Somit ist "Meet the Rizzos" ein kleiner, charmanter Film, der zwar einige Längen und teilweise etwas wirre oder zu konstruierte Dialogsequenzen beherbergt, aber in der Summe kurzweilig, humorvoll und anrührend daherkommt. Es macht Spaß, die Rizzos ein Stück ihres Weges zu begleiten und teilzuhaben an ihrem chaotischen, emotional überladenen und herzigen Lebensstil. Somit gerne vier von fünf Lügen und Geheimnissen, die über kurz oder lang eh ans Tageslicht kommen.