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Dieses Vexierspiel aus Liebeswunsch und radikaler Abstoßung, aus Enge und Weite, Beklemmung und Freiheitsdrang, das letztlich -- und mit absolut logischer Konsequenz -- in der Katastrophe mündet, inszeniert die in ihrer französischen Heimat Paris überaus bekannte 40-jährige Dramatikerin Véronique Olmi am Rand des grauen Meeres als eine Art psychologisches Kammerspiel, in dem die gesamte Umgebung als feindlich erscheint und in dessen Strudel die Protagonisten unweigerlich versinken müssen. So kann man eigentlich nur froh sein, dass Olmis Roman derart schmal geblieben ist. Dies ist keineswegs als Kritik gemeint, im Gegenteil: Denn so beängstigend intensiv, wie das kleine Bändchen der Autorin daherkommt, wäre mehr der Lektüre kaum zu ertragen. In dieser Länge aber ist Meeresrand das fulminante Prosawerk einer großartigen Dramatikerin geworden, das man unumwunden empfehlen kann. --Stefan Kellerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Um die seelische Zerrüttüng der Frau zu umschreiben, überlädt die Autrorin den Roman zu sehr mit Metaphern. Besonders überstrapaziert ist der viel zu oft erwähnte Regen. "Der Regen war mir zwischen Kleidung und Haut geronnen, damit ich ihn nie vergaß", heißt es, "vielleicht würden Spuren zurückbleiben wie von einer Krankheit." Besonders überzeugend beschreibt Véronique Olmi das beklemmende Erlebnis einer Panikattacke. Doch eine solch hervorragende Beschreibung eines innerseelischen Zustandes wiederholt sich nicht.
Trotzdem empfehlenswert, weil wir viel über das Krankheitsbild einer schweren Depression erfahren
Aber in diesem Roman geht es nicht um alltägliche Probleme einer Mutter. Es geht um eine Kindsmörderin. Allein der Begriff dürfte bei einigen Lesern Gänsehaut und wohliges Gruseln auslösen. Doch seien Sie gewarnt, dieses Buch ist knallhart. Madame Olmi schildert das Psychogram der Kindsmörderin nicht aus einer abgehobenen Position, sondern befindet sich im Kopf. Wir erfahren alles, in allen Details, auch dass, was wir nicht wissen wollen. Nur eins erfahren wir nicht, das Motiv. Aber Madame Olmi schildert uns das gesamte soziale Umfeld solcherart, dass kein Zweifel darin besteht, dass die so häufig gehörte Formel "das Milieu war Schuld" hier auch nicht greift.
Am Ende des Romans bleibt der Hörer erschüttert und seinen eigenen Ängsten überlassen in seiner Wohnung zurück und ist genötigt, altüberkommene Vorstellung ganz neu zu überdenken - und dies selbst auch für Personen, die bisher kinderlos sind.
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