Ich liebe die Romane von Dean Koontz und die Reihe um Odd Thomas sowieso, oder besser gesagt, ich habe sie geliebt. Nachdem ich "Die Anbetung" und "Seelenlos" regelrecht verschlungen und für genial befunden habe ("Die Anbetung" wegen dem fantastischen Ende aber noch mehr), war ich vom dritten Roman, "Schattennacht", ziemlich enttäuscht, da er sich im Sand verlief, nicht viel passiert ist und ich Charaktere vermisst habe, die hervorstechen. Von Klasse zu Durchschnitt, das war ein herber Schlag und ich hoffte auf Besserung.
Eines kann ich sagen, der vierte Roman um Odd Thomas - "Meer der Finsternis" - ist gelungen, auch wenn er etwas anders ist, als die Vorgänger. Wir haben hier wieder den liebenswerten Charakter Odd Thomas, der in Magic Beach arbeitet und direkt mal wieder in einem Schlamassel landet. Die Geschichte an sich ist unglaubwürdiger als bisher schon, Odd Thomas wird zu einem Bruce Willis (oder Matt Damon, den erwähnt er des Öfteren) und muss sich durch die Bösewichte kämpfen. Was mir hieran gut gefallen hat ist die Tatsache, dass er die genannten Schauspieler bzw. deren Charaktere in Filmen wie "Stirb Langsam" oder "Die Bourne Verschwörung" aufs Korn nimmt. Er hat Blessuren, ist erschöpft und muss sogar auf die Toilette, was man in Hollywood-Filmen nicht zu Gesicht bekommt. Die harten Kerle haben keine Bedürfnisse und haben ein unsichtbares Schutzschild, Odd Thomas aber nicht. Das sagt er zumindest, sorgt damit für ein paar Schmunzler und hat sogar recht.
Neu eingeführte Charaktere... Sagen wir so, es gibt ein paar, aber die sind entweder nichtssagend, böse oder dumm. Annamaria, so heißt die schwangere Frau, die Odd kennenlernt, kommt unsympathisch rüber, obwohl sie bestimmt als Sympathieträger dienen soll. Mal sehen, was da noch so alles passiert in den angekündigten Romanen, ich hoffe aber stark, dass Odd Thomas in seine Heimatstadt Pico Mundo zurückkehrt und alte Charaktere wieder auftauchen, vielleicht findet die Reihe dann zu alter Qualität zurück. Auch Bodachs, die Schattenwesen, die auftauchen, wenn etwas böses geschieht, sollten nicht mehr fehlen. Wieso sie hier nicht auftauchen, wird erklärt, das ist okay, aber bitte nicht noch einmal, mit diesen Wesen kann man ordentlich Spannung erzeugen (wie in "Die Anbetung").
Wie dem auch sei, "Meer der Finsternis" ist am besten zu vergleichen mit "Seelenlos", ständig passiert was, Odd Thomas kommt nie zur Ruhe. Wobei hier noch mal eins drauf gesetzt wird, es wird krasser und auch brutaler. Das passt nicht wirklich zu diesem Charakter, aber wie er das alles rechtfertig, ist wieder einmal klasse von Dean Koontz beschrieben.
Am Schreibstil ist wie immer nichts zu bemängeln, auch wenn es wieder mal ein paar Wiederholungen gibt wie mit Odds verstorbener Freundin. Es ist alles brutaler, es kommt nie Langeweile auf. Die Geschichte an sich ist wie die Nebencharaktere ausbaufähig, weshalb der Roman sehr kurzweilig ist. Tolle Unterhaltung, aber immer noch hinter den ersten Romanen.