Aus der Amazon.de-Redaktion
Auch wenn die Band aus London um Sänger Brian Moloko inzwischen längst zu den festen Größen im Musikbusiness zählt, klingt auch Album Nr. 5 nicht ein Prozent weniger inspiriert und mitreißend als die vier Vorgänger.
Placebo setzt auch bei Meds, entgegen diverser Ankündigungen, diesmal einen stärker elektronisch geprägten Ansatz zu verfolgen, auf bewährte Klangelemente, ohne sich jedoch dabei permanent selbst zu wiederholen. Das Trio hat in den letzten zehn Jahren ein besonderes Gespür für hymnische Rocksongs entwickelt. Und auch auf Meds, das die Band 2005 innerhalb von vier Monaten mit Hilfe des französischen Produzenten Dimitri Tikovoi einspielte, reihen Stefan Olsdal, Steve Hewitt und Brian Moloko wieder einen großartigen Song an den anderen, angefangen bei dem euphorischen "Infra-Red" über das nicht weniger zwingend inszenierte "Drag" bis hin zu leicht unterkühlten Balladen wie "In The Cold Light Of Morning". Es ist nicht nur die kreative Konstanz, mit der Placebo seit mehr als einem Jahrzehnt zu Werke geht, die beeindruckt, sondern auch ihr schier unglaubliches Gespür für Stimmungen, die dieses Album zu einem besonderen Erlebnis macht. Und auch diesmal enttäuscht Placebo, nicht zuletzt wegen der Unterstützung von Michael Stipe, bei "Broken Promise" und The Kills Sängerin VV alias Alison Mosshart ("Meds"), nicht im gerinsten. Was wohl auch ein Verdienst von Dimitri Tikovoi ist, der die Band immer wieder neu forderte und es irgendwie schaffte, das sich die drei Herren wieder an die frühen Tage ihrer Band erinnerten. Ein klassisches Retroprodukt ist Meds trotzdem nicht geworden. Placebo wissen sehr genau, wo sie die Grenze ziehen müssen, um nicht des Selbstplagiats bezichtigt zu werden. Vorbei die Zeiten, als die Band auf Sleeping With Ghosts mit allerlei Loops und Elektronik-Sounds experimentierte. Trotz des eher konservativen Ansatzes, im Mittelpunkt stehen über weiten Strecken Gitarre, Bass und Schlagzeug, tritt das Trio nicht auf der Stelle. Und das ist das eigentlich verwunderliche an dieser Platte. --Norbert Schiegl
stern
Passt dieser Band-Name? Ein Placebo ist laut Duden ein Scheinmedikament, das einem echten in Aussehen und Geschmack gleicht, ohne dessen Wirkung zu enthalten. Die britische Band um Sänger Brian Molko gleicht nun nichts und niemandem so richtig. "Meds" klingt nach elektronischem Rock mit Einflüssen von Punk, Glam und Indie-Pop. Hilft uns das weiter? Nö. Aber die Musik hilft. Etwa bei leichten Depressionen, die sich unter Placebo-Einfluss mühelos in schwere verwandeln. Krachende Gitarren und Molkos auf reine Verzweiflung getrimmte, oft verzerrte Stimme machen Angst und Bange. Nach mehrfacher Einnahme verwandelt sich der seltsame Wirkstoff jedoch auf wundervolle Weise: Trauer, Hoffnung und Zärtlichkeit schimmern nun durch manche Songs, plötzlich wirkt dieses Placebo stimmungsaufhellend, euphorisierend und beruhigend. Ein Präparat ohne Wirkung? Im Gegenteil! Passt also der Band-Name? Durchaus: Die Übersetzung des lateinischen Begriffs Placebo lautet "Ich werde gefallen". Das tun die Briten ohne Zweifel. Bloß wirkt dieses Placebo nicht sofort -- und nicht bei jedem.
-- Tobias Schmitz
Eigentlich wollte das Londoner Trio verstärkt auf elektronische Klänge setzen. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Unter der Regie von Dimitri Tikovoi orientieren sich Brian Molko & Co. am ungeschliffenen, rauen Gitarrenrock ihres 96er Debüts. Entstanden sind 13 Songs, die starke Einflüsse von Alternative-Helden wie Sonic Youth oder Pixies aufweisen und zwischen getragenem Midtempo und purem Noise pendeln. Placebo mögen seit zehn Jahren und fünf Alben im Geschäft sein, aber sie geben Gas wie am ersten Tag. Wenn sie in Infra-Red" oder Because I want it" rocken, dann zu großen, hymnischen Melodien. Geht es in Post Blue" und Song to say goodbye" mal ruhiger zur Sache, dann voller Drama und Pathos. Wobei Placebo immer über ihre Lieblingsthemen singen: Alkohol, Drogen und Sex. Bei Meds" und Broken Promise" erhalten sie prominente Unterstützung von VV (The Kills) und Michael Stipe (R.E.M.). Das Eektronische beschränkt sich auf sphärische Intros - zum Glück! (ma)