Das ist endlich. Nach drei Jahren wieder ein Studioalbum von Placebo. Nach dem Sammelalbum "Once more with feeling", auf dem ja "nur" zwei neue Lieder zu hören waren, liegt jetzt also seit März 2006 ein Album mit 13 frischgebackenen Titeln vor.
Was kann ich sagen, wo ich die Platte jetzt mehr als ein Dutzend Male gehört habe?
Erfreulicherweise ist sie wirklich sehr gelungen. Herr Molko klimpert wieder sichtlich gerne auf seiner Gitarre. Nach dem doch eher elektronischen Experiment "Black market music" und dem manchmal poppigen "Sleeping with ghosts" sind Placebo hiermit ein Stück zurück zu ihren Wurzeln "Placebo" und dem unbestrittenen Meisterwerk "With you I'm nothing", einem der besten Alber -vielleicht sogar DEM- der 90er Jahre des letzten Jahrtausends geganen.
Doch was macht dieses Album aus? Nun, die Themen sind reifer geworden. Das ist es, was ich an Placebo schätze: sie haben niemals aufgehört, sich mit ihren Ursprüngen auseinanderzusetzen. Die Texte handeln von Einsamkeit, zu viel Sex und zerstörten Kindesträumen. Und trotzdem ist die Band niemals depressiv, weder in Bezug auf ihre Musik noch auf ihre Texte. Eher melancholisch: sie laden ein in Ort des Träumens, fernab vom lauten und hektischem Alltag. Eine kleine Oase der Unschuld.
Der Opener "Meds" [mit der wunderbaren Stimme der Allison Mosshart: wann eine Dame je erotischer Luft eingesogen als diese vor ihrem betörend schönen "Baby, did you forget to take your meds?] ist schnell und schön. Erinnert mich stark an "Bulletproof cupid", nur mit Text und Gesang.
Die nächsten vier Lieder von "Infra-red" bis "Follow the cops" haben mir auch sehr gut gefallen. Schöne Melodiepassagen und tiefgehende.
Jetzt kommt der Teil des Werkes, der mir nicht so gut gefallen hat: "Post blue", "Because I want You" und "Blind" klingen mir teilweise zu hölzern [vielleicht muß ich das Album einfach noch ein paar Mal mehr hören, um die Qualität dieser Lieder zu entdecken] und etwas plump. Schade, sie hemmen der Hörgenuß des Albums wirklich.
Zu Ende hin geben Placebo noch einmal Gas: "Pierrot the clown", "One of a kind" und "In the cold light of morning" runden das Album schön ab. "Broken promise" mit Michael Stipe von R.E.M. hat zwar viel Potenzial, aber auch vieles davon verschenkt. Schade.
Insgesamt also fünf Sterne, weil Placebo es einfach immer wieder schaffen, aus ihrem Fundus neue Pakete zu schnüren, die sich dennoch niemals aufs haar gleichen: immer entdecke ich etwas Neues, oft erst nach mehrmaligen Hören aus.
Das ist das Großartige an dieser Band: sie werden einfach nicht alt und knöcherig!