Ich habe dieses Buch und auch das Vorgänger-Lexikon sehr genossen. Weshalb? Meine Großmutter war Allgemeinärztin und hat mich in meiner Kindheit mit zahllosen medizinischen Weisheiten traktiert. Zieh dir Hausschuhe an, sonst holst du dir auf dem kalten Boden noch eine Lungenentzündung", war zum Beispiel so ein Standardsatz. Außerdem durfte ich während des Essens nicht trinken, das ist ungesund", hat meine Großmutter dann jedes Mal in einem Ton gesagt, der keine Widerrede zuließ. Weitere Klassiker aus medizinischem Oma-Mund: Lies' nicht auf der Toilette, sonst bleibst du zu lange sitzen und kriegst Krampfadern." Außerdem befürchtete meine Großmutter ständig, dass ich etwas tun könne, was irgendwie unhygienisch" sein könnte und ermahnte mich regelmäßig, nicht bei schlechtem Licht zu lesen, da das meine Augen schade.
Wahrscheinlich war meine Großmutter dennoch eine gute Ärztin, obwohl sie in ihrer eigenen Familie viele dieser medizinischen Legenden verbreitete - noch dazu alles Legenden, die ich von vielen anderen Menschen immer wieder gehört habe. Deshalb bin ich Herrn Bartens sehr dankbar für diese beide Lexika der Medizinirrtümer. Zum einen dafür, dass er unterhaltsam und fundiert die vielen alltäglichen Legenden (z.B. Kaffee entzieht dem Körper Wasser und die übrigen s.o.) widerlegt (im übrigen oft mit Quellenangabe). Zum anderen steckt in beiden Büchern eine Menge tiefergehendes Wissen, das sich wohl unter dem Schlagwort evidenzbasierte Medizin" zusammenfassen lässt - auch das launig geschrieben und mit Quellen versehen. Und dass man natürlich nicht wirklich in Gras beißt, wenn man stirbt - OK, sowieso klar und vielleicht nicht der beste Scherz in diesem Buch, aber angesichts der Fülle, die sich hier sonst bietet absolut verzeihbar.