René Descartes hat wie kein anderer Philosoph seit Aristoteles das Denken des Abendlandes geprägt. Seine Cartesische Philosophie symbolisiert den Übergang von der mittelalterlichen Mystik zum neuzeitlichen Rationalismus. Bis in unserer Tage werden seine Gedanken der Trennung von Geist und Materie, von Subjekt und Objekt diskutiert. Viel ist über ihn geschrieben worden und so gibt es nur wenige Denker, die sich seinem Einfluss entziehen konnten.
Sein Hauptwerk ‚Meditationen über die erste Philosophie' ist nach eigenem Bekunden die Suche nach Beweisen auf die entscheidenden Fragen der Metaphysik: die Existenz Gottes und der Verbleib der menschlichen Seele. Descartes unterscheidet zwei Methoden: die analytische und die synthetische. Erstere geht von den Ursachen - a priori - aus und schließt auf die Wirkungen während letztere den Weg von den Wirkungen - a posteriori - zurück zu den Ursachen sucht. Um zu a priori Urteilen zu gelangen, muss man mit den traditionellen Vorstellungen - besser gesagt Vorurteilen - brechen und über die Meditation zu den inneren, subjektiven Quellen der Erkenntnis vorstoßen. Descartes führt uns in sechs Meditationen zu seiner Erkenntnis.
Meditation 1: „Woran man zweifeln kann".
In der ersten Medikation führt uns Descartes vor Augen, wie leicht der Mensch Opfer von Sinnestäuschungen werden kann: „ Schon vor Jahren bemerkte ich, wie viel Falsches ich von Jugend auf als wahr hingenommen habe und wie zweifelhaft alles sei, was ich später darauf gründete." Als Quelle der Täuschungen erkennt er die reinen Sinneswahrnehmungen: „Alles nämlich, was ich bis heute als ganz wahr gelten ließ, empfing ich unmittelbar oder mittelbar von den Sinnen; diese aber habe ich bisweilen auf Täuschungen ertappt, und es ist eine Klugheitsregel, niemals denen volles Vertrauen zu schenken, die uns auch nur ein einziges Mal getäuscht haben." Aus diesem Grunde entschließt sich Descartes, zunächst alles anzuzweifeln. Alles? Nein nicht alles, denn der Vergleich mit den Farben der Malerei und dem Dreieck der Geometrie weist darauf hin, dass „Einfacheres und Allgemeineres wirklich sein müsse."
Meditation 2: „Über die Natur des menschlichen Geistes..."
Trotz aller Zweifel ist sich Descartes eines ganz gewiss: „Ich bin, Ich existiere". Doch wer ist dieses Ich fragt er weiter. Wem kann er noch vertrauen? Sein Körper könnte das Ergebnis einer Sinnestäuschung sein. Allein das Denken, das Bewusstsein ist wahrhaft und wirklich, „es allein kann von mir nicht abgetrennt werden". Und weiter folgert er: „Ich weiß jetzt, dass die Körper nicht eigentlich von den Sinnen oder von der Einbildungskraft, sondern von dem Verstand allein wahrgenommen werden..." Der Verstand tritt seinen Siegeszug an und wird ihn bis zum heutigen Tag verteidigen.
Meditation 3: „Über das Dasein Gottes"
Für Descartes ist offenkundig, dass „weder etwas aus dem Nichts entstehen kann noch ein Vollkommeneres aus einem weniger Vollkommenen". Da er sich seiner Unvollkommenheit und Sinnestäuschung bewusst ist, muss folglich etwas existieren, das die Ursache von allem ist. Diese Ursache, die ewige, unveränderliche, allweise und allmächtige Substanz kann nur Gott selbst sein: „So ergibt sich aus dem oben Gesagten, dass Gott notwendig existiere... Die Vorstellung, die ich von Gott habe, ist damit die wahrste, klarste und deutlichste aller meiner Vorstellungen". Descartes zieht den Schluss, dass eine solche Vorstellung ebenso wie die Vorstellung des Ich nur angeboren sein kann.
Meditation 4: „Über das Wahre und Falsche"
Descartes stellt die Regel auf, dass alles, was sein Verstand klar und deutlich wahrnimmt, wahr ist. Irrtümer entstehen nur aus dem Unterschied zwischen dem Erkenntnisvermögen im Subjekt und der Wahlmöglichkeit untern verschiedenen Alternativen bzw. der Freiheit des Willens: „...ein eigentlicher Irrtum kann im Verstand nach diesem genauen Sinn gar nicht vorkommen."
Meditation 5: „Vom Wesen der materiellen Dinge..."
In der ersten und dritten Meditation gelangt Descartes zu dem Schluss, dass allgemeine, unveränderliche Vorstellungen existieren, die „nicht von mir erdichtet, nicht von meinem Geist abhängig" sind. Daraus folgt natürlich nicht zwingend die Existenz des Gedachten, da unserem Verstand keine Grenzen gesetzt sind.
Meditation 6: „Vom Dasein der materiellen Dinge..."
Wodurch unterscheiden sich Körper und Geist? Der Körper ist ein „ausgedehntes, nicht denkendes Ding" konstatiert Descartes, „seiner Natur nach stets teilbar". Demgegenüber ist der Geist unteilbar und besitzt keine Ausdehnung.
Am Ziel angekommen gelangt Descartes zu der Einsicht: „Ich darf zwar jetzt nicht alles, was ich offenbar von den Sinnen übernommen habe aufs Geratewohl hinnehmen; ebenso aber darf ich es durchweg in Zweifel ziehen." Als Prüfstein der Wahrheit gilt ihm der Verstand und das Gedächtnis. Mit ihrer Hilfe überführt er Irrtümer und Täuschungen und kann so gewappnet zum Kampf antreten: „Täusche mich, wer es vermag!"