Wir hatten mit unserem alten Navi (Medion 4420) ein kleines Problem, aber nach allem, was wir hier an Bewertungen von Navis aller Preisklassen und Marken Haarsträubendes gelesen hatten, hatten wir von einem Neukauf eigentlich absehen wollen, und der Medion Support half auch effizient das Problem zu beheben.
Ein halbes Jahr später wurde es bei einem Einbruch ins Auto geklaut. Zuerst verstanden wir nicht, warum man wegen eines 5 Jahre alten Navis eine Fensterscheibe einschlägt. Aber jetzt müssen wir uns derart mit dem Nachfolgemodell herumärgern, dass wir auch schon Gelüste verspüren, ein Auto aufzubrechen, in dem wir zufällig unser altes Modell entdecken würden.
Das E4460 kann vieles, hat Bluetooth und einen MP3-Player, alles Sachen, die wir gar nicht nutzen. Dafür ist das Kartenmaterial bereits beim Kauf veraltet und es liegt kein Gutschein für ein Update bei, wenn man es nicht bei ALDI kauft. Man kann auch die Ansage wechseln und sich wahlweise von einem Mafioso, einem Polizisten oder einem Sportreporter mit anfangs witzigen, dann aber nervenden, weil immer gleichen Sprüchen, die überdies die Durchgabe der wichtigen Ansageteile aufhalten, durchs Verkehrsgewühl leiten lassen. Die früher angenehme deutsche Standardstimme wurde leider gegen eine Zickenstimme ausgewechselt. Die ist so betont teenagerfrisch, dass sie einem morgens auf den nüchternen Magen schlägt. Ich lasse also die wesentlich angenehmere französische Stimme laufen und habe bei der Aussprache der Straßennamen wenigstens viel zu lachen. Nur hat die Grammatik dieser Sprache die Angewohnheit, dass die Richtung, in die man fahren soll, erst ganz am Schluss des Satzes steht. Wenn man dann endlich erfährt, wo man sich einordnen soll, ist es meistens schon zu spät dazu.
Zum Navigieren hat das Gerät oft völlig andere Ansichten als ich. Häufig soll ich längere und zeitaufwendigere Umwege fahren, und wenn ich auf meinem Weg, den ich besser kenne, bestehe, reagiert es erst mal unglaublich stur und will mich mindestens 2 - 3 Minuten lang zum Umkehren bewegen, bevor es den neuen Weg berechnet und dann ist - o Wunder - der neue Weg 5 km kürzer und die Ankunftszeit liegt ein ganzes Stück früher. Fazit: Fahrten zu unbekannten Adressen (mache ich berufshalber ziemlich häufig) lege ich vorher mit allen Alternativen mithilfe der Karte fest, damit ich auch bei solchen Gelegenheiten meinem vertrottelten Navi zeigen kann, wo es langgeht.
Am Freitag um ca. 18 Uhr (!) wollte es mich von der A3 aus unbedingt von Frankfurt-Süd nach Bad Vilbel quer durch ganz Frankfurt leiten, weil es auf der A 661 Richtung Bad Homburg angeblich Verkehrsstörungen gab. Ich blieb aber bei meiner geplanten Strecke übers Offenbacher Kreuz und wurde unterwegs noch zwei Mal zu einer alternativen Strecke aufgefordert, obwohl ich freie Fahrt hatte und sich auf der Abbiegerspur zur empfohlenen Ausweichstrecke der Verkehr weit zurückstaute! Die Verkehrsstörung auf der 661 entpuppte sich dann als ein kurzes Gedränge auf ca. 500 m, wo der Verkehr sich mal etwas langsamer vorwärts bewegte. Also dafür brauche ich nun wirklich kein Navi! Beim alten gab es diese Eulenspiegeleien nie. Ist das nun das vielgespriesene "Clever Routes", oder ist auf TMC kein Verlass mehr?
Auf einer kurvigen Strecke in einem Mittelgebirge erhielt ich in direkter Reihenfolge an die zehnmal die Anweisung umkehren - der Straße folgen - umkehren - der Straße folgen - umkehren - der Straße folgen usw. Das erheitert zunächst, nervt aber dann.
Überhaupt scheint sich das E4460 für einen Alleinunterhalter zu halten, es wird fortwährend gequasselt. Ich will nicht vor jeder Autobahnausfahrt hören, dass ich mich links halten soll, weil ich hier noch nicht die Autobahn verlasse!
Fast jeden Richtungswechsel sagt die Quasselstrippe dreimal an, aber trotzdem manche Abbieger gar nicht oder erst zwei Meter vor der Kreuzung. Übrigens passiert es häufig (in der deutschen Version viel häufiger als in der französischen), dass die Stimme mitten in einer Ansage stecken bleibt und erst nach zwei bis drei Sekunden weiterspricht. Das soll wohl Spannung erzeugen?
Man neigt dazu, die Stimme ganz abzuschalten und sich nur noch am Bild zu orientieren, was aber nicht zur Verkehrssicherheit beiträgt, weil man dann viel häufiger, weil auch prophylaktisch aufs Display schauen muss.
Vor ein paar Tagen hat sich das Ding überhaupt nicht mehr anschalten lassen. Ich wollte es schon erbost zurücksenden, da meinte mein Mann, ich solle es mal mit dem Resetknopf versuchen. Das ging dann. So was nervt aber auch. Wenn man die Gebrauchsanleitung nicht auswendig kann, ist das Navi in einem solchen Fall für die aktuelle Fahrt nicht brauchbar. Man kann schließlich nicht wie Gert Fröbe die Gebrauchsanweisung fürs Flugzeug beim Fliegen studieren.
Was mir auch nicht gefällt: Man kann den Ton nicht mehr an der Hardware lauter und leiser stellen, was ohne Hinschauen möglich war, sondern muss auf dem Bildschirm herumtippen und dazu hingucken. Wenn man also auf der Autobahn feststellt, dass die Stimme auf Plärrniveau hochgedreht werden muss, damit sie den Dieselmotor toppt, darf man das korrekterweise eigentlich nur tun, wenn man zuvor einen Parkplatz ansteuert. Und wenn sie wieder runtergedreht werden muss, weil man sich nur noch in einer langsam kriechenden Schlange bewegt, darf man das korrekterweise auch nur ... lassen wir das!
Statt ständig neue Gags auszutüfteln sollten die Entwickler sich lieber mal wieder darauf besinnen, dass der Kunde erwartet, dass das Gerät ihn in allererster Linie an Staus vorbei auf dem kürzesten, schnellsten oder vernünftigsten Weg zur angegebenen Adresse leitet. Oder anders gesagt: Medion sollte mal wieder die Entwickler bestimmen lassen, was Qualität ist, und nicht die Marketingfritzen, die nur auf die Gags schauen.