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Im Gegenteil, nach der Lektüre von Meyers Ausführungen über Mediokrität und Infantilisierung, über parasitäre Publizität und die Theatralisierung der Politik, begreift man, warum bestimmte Politiker ihre eigene mediale Inszenierung mit allen Kräften und Mitteln betreiben, zu Dauergästen in Talkshows avancieren, als Kandidaten an Wettsendungen teilnehmen und sich sogar von Big Brother in den Container sperren lassen. Die Medien sind aber nicht nur der Resonanzraum für die Beförderung persönlicher Karrieren und die unendliche Fortsetzung des Wahlkampfes. Viel einschneidender ist nach Meyer der Ersatz einer sachorientierten durch eine durch und durch medienorientierte Politik, deren Entscheidungen sich nicht mehr nach dem Bedarf an Klärung und Auseinandersetzung richten, sondern mediengerecht aufbereitet und notfalls korrigiert werden.
Das Prinzip der Bürgerbeteiligung bleibt dabei ebenso auf der Strecke (wenn man mal von den Rundfunkgebühren absieht) wie die ursprüngliche Funktion der Parteien in der Demokratie. In der Mediokratie zählen statt Parteien nur noch Personen, Parteiprogramme werden durch Inszenierungen ersetzt, und was dem Zuschauer als heftige Auseinandersetzung aufgetischt wird, entpuppt sich als kalkulierte Scheindebatte. Wahrlich trübe Aussichten, wie Meyer zugibt, besonders weil der Einfluss des Mediensystems auf die politische Kultur weit größer ist als umgekehrt, doch kein Grund, in Zynismus oder Politikmüdigkeit zu verfallen. Meyers Buch schließt daher mit einem Ausblick auf die Chancen der Mediendemokratie, die sich vor der Herrschaft der Medien und mediokrer Politik mit der Aufwertung der Angemessenheit als Richtwert politischer Inszenierungen zur Wehr setzt. Bis diese Überzeugung sich allerdings auch bei den Christiansen-Gästen durchgesetzt hat, gehört dieses Buch neben jeden Fernseher. --Peter Schneck
Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 01.10.2001
Der Rezensent Richard Meng findet den Titel des Buches 'Mediokratie' klug gewählt. Er versinnbildliche bereits die Tendenz dieses Buches, insofern es die "Hauptschurken" bei den Medien ausmache. Der Autor springe in seiner Absicht aber immer ein wenig zwischen "vernichtendem Befund und einem Rest an Zweckoptimismus", der an einen Qualitätsmaßstab jenseits von Auflagenzahlen und Einschaltquoten glaube. Die wesentliche Diagnose, die das Buch stelle, sei die, dass die 'politische Öffentlichkeit tatsächlich zum Spiegelkabinett werde, in dem sich beide Politik und Medien, immer nur selber wiedererkennen und dabei die wirkliche Welt aus den Augen verlieren', so zitiert Meng den Autor. Resümierend befindet Meng aber, dass der Autor den "altbekannten Selbsttrost kritischer Journalisten" wiederhole, man könne nicht am Publikumsinteresse vorbei produzieren.
© Perlentaucher Medien GmbH
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Informativ und hochaktuell,
Rezension bezieht sich auf: Mediokratie. Die Kolonisierung der Politik durch die Medien. (Broschiert)
T. Meyer beschäftigt sich in seinem Buch "Mediokratie" mit der zunehmenden Beeinflussung der Politik durch die Medien und die möglichen und realen Folgen für unsere Demokratie. Der Autor erläutert zunächst die Grundstrukturen und -begriffe, die das politische Handeln ausmachen, z.B. die Bedeutung der Kommunikation in der Demokratie und die Funktion der Parteien oder intermediärer Organisationen. Darüber hinaus wird aber auch der Faktor Zeit erwähnt, der in der Abfolge politischer Entscheidungsfindung ein wesentliches Moment darstellt. So benötigt die Aufarbeitung komplexer Themen (z.B. die Zukunft der Rentenversicherung) einen u.U. langdauernden diskursiven Prozeß, bevor eine abschließende Beurteilung stattfinden kann. Dieser politischen Zeit steht die mediale Produktionszeit gegenüber. Hier hat Schnelligkeit die erste Priorität, und an einem jahrelangen Beobachten irgendwelcher politischen Prozesse besteht kein Interesse. Themen sind dann medienwirksam, wenn sie keine wesentlichen Vorkenntnisse voraussetzen, einen kurzen Zeitraum andauern, bekannte Personen sowie deren Erfolge oder Misserfolge betreffen und unterhaltsam an den Rezipienten gebracht werden können. Um sich Gehör zu verschaffen, übernimmt die Politik diese Regeln, in dem sie Politiker inszeniert und sich selbst theatralisiert, wofür Meyer mehrere Beispiele aus dem politischen Alltag benennt. Folgen dieser Selbst-Mediatisierung sind beispielsweise eine Entwicklung von Sach- zu Personenentscheidung sowie eine Marginalisierung der Parteien, was schlussendlich in einer Degradierung der repräsentativen Demokratie mündet.Meyer sieht jedoch keine Veranlassung zu einer generellen Medienkritik, er zeigt vielmehr Möglichkeiten auf, wie die Gesetze der Medien und der Politik in gegenseitigem Respekt nebeneinander bestehen können ("Angemessenheit"), um z.B. Sendungen zu produzieren, die trotz Inszenierung thematischen und inhaltlichen Tiefgang besitzen. Meyer lässt an dieser Stelle nicht unerwähnt, dass auch eine Verantwortung durch den Konsumenten der Medien, also uns alle, besteht, die Qualität der Berichterstattung zu verbessern. Meyer hat mit der "Mediokratie" ein ebenso informtaives wie wichtiges und hochaktuelles (Wahljahr 2002) Buch geschrieben, das auch für den in soziologischer oder politikwissenschaftlicher Semantik nicht Beheimateten gut zu lesen ist. Fazit: Empfehlenswert ! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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