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Kunstpädagogik mit Neuen Medien, 26. Mai 2003
Rezension bezieht sich auf: Medienbildung in der Kunstpädagogik: Zu einer Didaktik der Komplementarität und Revalidierung (Taschenbuch)
Zwar gab es in den letzten Jahren eine Fülle medienpädagogischer Veröffentlichungen, aber stimmige kunstdidaktische Konzepte für den schulischen Kunstunterricht, die Theorie und Praxis überzeugend aufeinander beziehen, sind rar.
Das nun vorliegende Buch zum Thema ist überschaubar gegliedert: (1) Zunächst werden Schneisen geschlagen, um grundlegende Begriffe aus medientheoretischer Sicht zu klären und aufeinander zu beziehen; hierzu gehören: Kommunikation, Bild, Wahrnehmung, Informationsverarbeitung, Computer und Digitalisierung. (2) Hierauf schließen sich Darstellungen und Erörterungen zu den „medientheoretischen Implikationen einer mediatisierten Lebenswelt“ (S. 25) an. Virtuos wechselt der Autor zwischen Bezügen zur Kunst – wie Dürer oder zeitgenössischer Medienkunst – , Bezügen zu kulturindustriellen Produkten – etwa Musikvideo-Clips – und alltäglichen Wahrnehmungsphänomenen – beispielsweise der Virtualisierung, Diskontinuität und Fragmentierung. Diese Ausführungen sind weder kulturpessimistisch noch –optimistisch, sondern markieren die Bezugsfelder einer Kunstpädagogik auf der Höhe der Zeit. (3) Da sich der Gegenstandsbereich der Kunstpädagogik in den letzten zehn Jahren erweiterte, recherchiert Kirschenmann nicht nur in der medienpädagogisch orientierten Mediennutzungsforschung, sondern er führte selbst auch zwei empirische Erhebungen an Schulen durch. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zu medialen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern bilden ganz pragmatisch die „Basis des Möglichen“ als Voraussetzung für kunstpädagogische Konzepte. (4) In einem folgenden Schritt wendet sich Kirschenmann, Professor für Kunstpädagogik an der Akademie der Bildenden Künste München und Kunstlehrer mit zwanzigjähriger Berufspraxis, der Kunstpädagogik zu. Er diskutiert bisherige Modelle und stellt (Medien-) Kunstwerke vor, bei deren Rezeption Wahrnehmung und Erkenntnis zusammenfließen. Mehrdeutigkeiten, Widersprüche und Ironie sind häufig Merkmale dieser Kunst. Solche Charakteristika erhöhen die Wahrscheinlichkeit ästhetischer Erfahrungen und sinnlicher Erkenntnisse bei Heranwachsenden im Kunstunterricht. Mittels in Wort und Bild geschilderter Kunstunterrichtseinheiten aus den Sekundarstufen I und II eröffnen sich eine Vielzahl von erprobten Anregungen für die alltägliche Unterrichtspraxis, die sich häufig durch die Interdisziplinarität und die Öffnung von Schule auszeichnen. Im Mittelpunkt stehen vom Autor entwickelte und so genannte „irritationsästhetische“ Didaktikansätze, mit denen Medienbildung in der Kunstpädagogik zur Selbstbildung führt.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass nun endlich eine Monografie vorliegt, in der es überzeugend gelingt, Kunstpädagogik und aktuelle Medienkunst mit der zugehörigen Kunst- und Medientheorie zu verknüpfen. Und zugleich bietet das Buch eine Fülle anschaulich geschilderter und professionell reflektierter Projekte zum Einsatz der digitalen Medien im Kunstunterricht.
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