"Was wir über Politik wissen, haben wir fast ausschließlich aus den Massenmedien erfahren. Blättert man in Zeitungen, stößt man von der ersten bis zur letzten Seite auf Aussagen von Politikern und Politikerinnen. Auch in den Zeitschriften und Illustrierten sind sie präsent. Im abendlichen Fernsehen verstärken sie unseren Eindruck, dass sie Tag und Nacht unterwegs sein müssen. Sie eröffnen Veranstaltungen, sie halten Festreden und machen Pressekonferenzen. Wir wissen, was sie gerne essen, welche Hobbys sie haben und vieles andere.
In der Regel kennen wir unsere Politiker und Politikerinnen nicht persönlich, wir sind deshalb auf Informationen in den Massenmedien angewiesen. Wir gehen davon aus, dass der Eindruck, den uns die Massenmedien über unsere Politiker und Politikerinnen vermitteln, der Realität entspricht. Ist das wirklich so?"
- Die Herausgeber Clemens Hüffel, Fritz Plasser und Dietmar Ecker im Vorwort (Seite 7)
Band 2 der vom Holzhausen Verlag herausgegeben Reihe "1x1 der Politik" versucht dieser Frage auf den Grund zu gehen und wird dabei zu einem durchaus vorzeigbaren Büchlein über österreichische Medien und ihr Verhältnis zur Innenpolitik. Mit Publikationen wie dieser kann der Ära Gusenbauer, welche vor allem mit der künftigen Verlängerung der Legislaturperioden auf 5 Jahren und Wählen mit 16 gerade im Bereich der Demokratie sehr viel bewegt hat, doch noch etwas gutes abgewonnen werden. "Entscheidend bist Du" nennt sich die initiierte Demokratie-Kampagne, welche vor allem Jungwähler wieder für die Demokratie begeistern soll und welche von den Publikationen der Reihe "1x1 der Politik" ideal ergänzt wird.
Vier Punkte nennt die Autorin Patricia Käfer, welche Medien neben Unterhaltung vor allem zur politischen Orientierung bieten sollen (S. 17):
- Ein Forum, einen Marktplatz begründen: Medien müssen "Öffentlichkeit herstellen - das tun sie schon alleine damit, dass sie Informationen veröffentlichen. Öffentlichkeit ist die Sphäre, in der sich Privatleute zum Publikum "versammeln" und ihre Meinungen unter möglichst großer Beteiligung austauschen können;
- Sprachrohr sein: Alle demokratisch akzeptablen Parteien, Verbände und Interessengruppen müssen sich in den Medien artikulieren können;
- die Schule unterstützen: Die Medien sollen "sich am politischen Prozess beteiligende Staatsbürger" heranbilden - oder, weniger hochtrabend formuliert, Jugendliche für Zeitgeschehen und politische Vorgänge interessieren;
- Wachhund sein: Das Kritisieren und Kontrollieren von (politischen) Machtträgern muss - als zentrales Kennzeichen einer Demokratie - in den Medien möglich sein.
Wie wenig diese vier Ideale und so manch andere, der im Buch angeführten, von der Realität der österreichischen Presselandschaft erfüllt werden, sei dahingestellt. Es ist leider nicht unbedingt Aufgabe des Buchs Kritik an der Ist-Situation zu üben, sondern möglichst diplomatisch einen Überblick zu bieten. Wirkliche politische Bildung muss man sich schlussendlich selbst erwerben, das ehemals Staatsbürgerkunde genannte Unterrichtsfach darf zumindest laut Lehrplan nur eine Art Gebrauchsanweisung oder Beipackzettel für die parlamentarische Demokratie liefern, in der wir leben.
Aber gerade "Medien und Politik" schafft es durch einige doch sehr interessante Einsichten und vor allem statistischen Material der Media-Analyse 2007 sich einen sehr repräsentativen Charakter zu verschaffen. Das Bändchen eignet sich durchaus auch als Nachschlagewerk und trotz der Teenager-Zielgruppe, welche durch einen sehr simplen Schreibstil erreicht werden soll, könnte das Werk für viele ältere Personen interessant sein, erlaubt es doch einen grundsätzlichen Einblick in die österreichische Medienlandschaft.
Fazit:
Eine empfehlenswerte, wenn auch leicht überteuerte und für eine jugendliche Zielgruppe gedachte Einführung in die österreichische Medienlandschaft und ihr Verhältnis zur Politik.