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(Massen)Medien, Menschen und Kultur, Kennzeichen einer angespannten Moderne, 25. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Medien der Gesellschaft - Gesellschaft der Medien (Theorie und Methode) (Broschiert)
So oder auch anders läßt es sich beschreiben, wenn kritisch nachgefragt wird, wer hier wen lenkt, wer hier wem nutzt und welche Spielregeln die soziale Praxis bestimmen. Die Anlehnung an Luhmann?sche Dialektik ist unverkennbar, doch bietet dieser sozialwissenschaftliche Sammelband weit mehr als eine Fortschreibung systemtheoretisch orientierter Thesen. Die Aufsätze setzen sich in sehr unterschiedlicher Weise mit dem Medien- und Gesellschaftsbegriff, respektive mit Medien- und Gesellschaftstheorien auseinander und stellen so den Leser, anstatt ihn einfach anzuweisen, vor die verantwortungsvolle Aufgabe, selbst zu begreifen.
Grundlage für diese Veröffentlichung war eine Tagung an der Bauhaus Universität Weimar im Sommer 2005, an der renommierte Soziologen und Medienwissenschaftler ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte zur Diskussion gestellt haben. Herausgekommen ist eine Publikation, die relevante und aktuelle Themen moderner Gesellschaft anschaulich verdichtet und äußerst reflektiert darstellt.
Gegliedert ist der Sammelband in drei Schwerpunktbereiche, die jeweils miteinander in Verbindung zu setzen sind. Medien, Gesellschaft und Kultur stehen in einer komplementären Dialektik, weshalb jeder Rubrik je 4 Aufsätze gewidmet sind, die in unterschiedlicher Weise und mit teilweise hybriden Übergängen (massen-)medialen Einfluß auf Gesellschaft und Kultur zu veranschaulichen versuchen.
Ausgehend von den Funktionalitäten unterschiedlicher Medien und deren systematischer Reproduktion bis hin zu massenhafter Verbreitung wird im ersten Abschnitt eine Typisierung verschiedener Medien diskutiert bzw. sozialtheoretisch verortet. Dazu schreiben Joachim Fischer, Hartmut Winkler, Joachim Renn und Andreas Reckwitz. Die Perspektive der Gesellschaftstheorie dreht den Spieß um, bezieht also die Medien auf gesellschaftliche Funktionen und prüft, welchen Einfluß die Gesellschaft auf die Gestaltung medialer Umwelt nimmt und welche Regeln die unterschiedlichen Handlungsfelder bestimmen: dazu Andreas Göbel, Lutz Ellrich, Matthias Kohring und Andreas Ziemann. Kulturtheoretische Analysen setzen dann Medien und Gesellschaft in Verbindung und stellen so Wechselwirkungen und Effekte dar, so am allgemeinen Beispiel des Fernsehens oder konkret während und nach der Flutwellenkatastrophe in Südostasien 2004: namentlich Lorenz Engell, Jo Reichertz, Harald Wenzel/Tobias Scholz und Ulrich Wenzel.
Insgesamt überzeugt dieser Sammelband durch die Zusammenstellung in sich schlüssiger und sehr interessanter Aufsätze. Es liegt dabei in dem kritischen Verständnis des Lesers, welchen Aspekten er besonders zu folgen geneigt ist. Angebote gibt es reichlich.
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