Das Buch zielt nicht unbedingt, wie es eine andere Rezensentin schreibt, nur auf Psychologen und Juristen als Zielgruppe ab. Diese stellen jedoch den Großteil der in der Praxis tätigen Mediatoren dar, und staatliche anerkannte Zusatzausbildungen zum Mediator richten sich zumindest vorrangig an diese. Daran wird offensichtlich mit der Untertitelgebung angeschlosssen. Auch den Einwand mit der weiblichen Sprachform kann ich nicht nachvollziehen. Dieser behindert m.E. meist erheblich die Leseflüssigkeit und leistet keinen nennenswerten Beitrag zur faktischen (nicht nur sprachgebrauchsmäßigen) Geschlechtergleichstellung. Frau Prof.Dr.Elisabeth Kals hatte als Autorin offensichtlich eine ähnliche Ansicht.
Das Buch gibt einen detaillierten Überblich über die verschiedenen Phasen des Mediationsprozesses. Diese werden ausführlich dargestellt, Vorgehensweisen und Begründungen für die Schritte werden gegeben. Schön ist auch die Einordnung der Mediation in die verschiedenen Formen der Konfliktbearbeitung, sowie die praxisorientierte Darstellung verschiedener Konflikttypen.
Montada & Kals stellen zudem wesentliche psychologische Erkenntnisse aus verschiendensten für das Thema bedeutsamen Bereichen verständlich dar,ohne dabei in unverständlichen Fachjargon abzudriften, und machen sie für die Mediation nutzbar, so z.B. typische Wahrnehmungsverzerrungen und Urteilsfehler.
Was das Buch von anderen abhebt ist, dass es einen hervorragenden Überblick und ein gutes Verständnis für die Psychologie der Gerechtigkeit liefert, die weit mehr ist und oft anders abläuft, als dies normative Zugänge zu Gerechtigkeit (d.h. solche, die sich damit beschäftigen, was in bestimmten Situationen oder allgemein als "gerecht" anzusehen sein *soll(te)*.) vermuten lassen. Auch leistet es einen guten Beitrag zur Aufmerksamkeit dafür, wo man Klienten Eigennutz unterstellen kann und wo man sie "greifen kann" an ihrer Gerechtigkeitsmotivation.
Das Buch beinhaltet gute eigene Kapitel zur Psychologie der Gerechtigkeit, zu Kreativität und Kreativitätstechniken, zu mediationsrelevanten Emotionen, deren Identifizierung und Nutzbarmachung im Mediationsprozess sowie Steuerungsmöglichkeiten hinderlicher Emotionen, zu Konfliktformen und zu Merkmalen erfolgreicher Mediation und Mediatoren.
Insgesamt bietet es einen hervorragenden, sehr fundierten und gut strukturierten Einstieg in das Thema Mediation.