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Medea und ihre Kinder
 
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Medea und ihre Kinder [Taschenbuch]

Ljudmila Ulitzkaja
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Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: Bastei Lübbe; Auflage: 7 (1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3404920015
  • ISBN-13: 978-3404920013
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,6 x 2,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 325.883 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Licht im Dunkel

Ljudmila Ulitzkajas Roman «Medea und ihre Kinder»

Wo sind sie geblieben, die Reservate der Glückseligkeit im real existierenden Schrecken des Sowjetreichs? Die 1943 geborene Moskauerin Ljudmila Ulitzkaja wagt in ihrem Erstlingsroman «Medea und ihre Kinder» eine Antwort. Und ein Wagnis ist es allemal, auf das schwarze Gemälde der russischen Gegenwartsliteratur einen hellen Farbfleck aufzutupfen. Düster präsentiert sich das Bild, und wer gegen den main stream anschreibt, setzt sich schnell dem Vorwurf der Naivität aus. Besonders gut lässt sich die Flucht vor den grossen Themen etwa an Viktoria Tokarjewas stromlinienförmiger Prosa beobachten. Während die entfesselte Phantasie der Soz-Art-Schriftsteller (Jerofejew, Sorokin) in blutigen Horrororgien schwelgt und die Frauenliteratur den angestauten Frustrationen lautstark Luft macht (Petruschewskaja, Tolstaja), plätschert die leichte Muse der neuen Unterhaltungsliteratur zwischen Liebesrausch und Konsumglück daher.

Ljudmila Ulitzkaja gelingt in «Medea und ihre Kinder» das Kunststück, einer hausbackenen Onkel-Tom-Romantik auszuweichen und eine mythische Gegenwelt zu konstruieren, die nicht den Gesetzen der Idylle folgt. Die Autorin siedelt die Handlung ihres Romans auf der Krim an, im abgelegenen Haus der griechischstämmigen Medea Mendez. Jedes Jahr trifft sich hier die weitverzweigte Familie, die über ganz Russland verstreut ist. Anders als der Titel des Romans verheisst, geht es Medeas Kindern aber nicht an den Kragen: Medea bleibt selbst kinderlos, sie spielt jedoch für ihren Clan die Rolle einer Urmutter. Ljudmila Ulitzkaja entwirft damit einen Widerpart zur antiken Tragödie, die als Intertext eingespielt wird: Zwar geht auch Medeas Ehemann fremd (pikanterweise mit seiner Schwägerin), die betrogene Medea entwickelt sich aber nicht zur rasenden Furie, sondern zur weise und verständig Schweigenden. Rückwärts gerichtetes Handeln würde den Zusammenhalt der Familie zerstören und in die Katastrophe führen, vorausschauende Zuversicht bildet hingegen das Ferment einer Geborgenheit, die Medea auch ihrer Nichte – der Frucht des Ehebruchs – zuteil werden lässt.

Ljudmila Ulitzkajas grosses Verdienst besteht darin, dass sie alle Klischees, die in der harmoniebedürftigen russischen Seele herumgeistern, subtil und erfolgreich ausschaltet: Nationalismus hat in ihrem Buch keinen Ort (die russifizierte Griechin Medea heiratet einen Juden, ihre Verwandten wohnen in Litauen und Usbekistan), es finden sich keine Invektiven gegen die eine oder andere Gesellschaftsordnung (Besitzverhältnisse spielen eine untergeordnete Rolle), auch religiöse Heilslehren bleiben dem Geist der Erzählung fremd (die Kirche ist ebenso weit entfernt wie ein Sippenangehöriger, der als Mönch auf Athos lebt). Solch ideologische Enthaltsamkeit mag aus einem westlichen Blickwinkel kaum als Leistung verbucht werden; man sollte in dieser Hinsicht jedoch einen russischen Massstab an Ulitzkajas Roman anlegen. Etablierte Erzähler wie Tschingis Ajtmatow oder Wladimir Wojnowitsch haben in den letzten Jahren versucht, die postsowjetische Misere in literarische Parabeln zu fassen – und sind dabei in die Fangnetze des Doktrinarismus gestolpert. Dieses Straucheln ist um so bedenklicher, als jedem russischen Autor Gogols und Tolstois gescheitertes Spätwerk als Menetekel vor Augen sehen sollte. Mit erhobenem Zeigefinger schreibt es sich nicht gut. Ljudmila Ulitzkaja aber tritt mit ihrem Roman den Tatbeweis an, dass die russische Gegenwartsliteratur trotz allen Unkenrufen das Erzählen nicht verlernt hat.

Ulrich M. Schmid -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Medea Mendez, über siebzig, verwitwet und kinderlos ist Mittelpunkt einer weitverzweigten Sippe. Ihr Haus auf der Krim wird alljährlich zum Treffpunkt zahlreicher Familienmitglieder, die von überall her angereist kommen, um dem Alltag zu entfliehen. Medea ist weise genug, um auf die wilden Abenteuer ihrer Nichten und Neffen mit Nachsicht zu reagieren. Als sich die Nichten Nika und Mascha in denselben Mann verlieben, fühlt sich Medea an die Wunden des eigenen Lebens erinnert. Die Moskauer Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja erzählt eine kurzweilige Sommergeschichte. Es gelingt ihr, eine Brücke zu schlagen zwischen den großen Ereignissen des Jahrhunderts und den einfachen Dingen, die das Dasein der "kleinen Leute" bestimmen.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
schöne Lektüre 5. März 2005
Format:Taschenbuch
Eine leichte Sommergeschichte, die ich mit großem Vergnügen gelesen habe. Mich hat nur gestört, dass alle neben ihren für mich teilweise sowieso schon ungewohnten Vornamen auch alle noch Kosenamen hatten und ich zwischendurch den Überblick über Medeas Sippe völlig verloren hatte.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Maria Conlan VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
sehr viele Namen, viele Personen, viele Lebensläufe. Ein Puzzle von Lebensgeschichten, manchmal wurde es mir einfach zu viel bei der Lektüre, dann gab es wieder Erzähl"perlen" zwischendurch, die einfach ein Genuß sind und auch dafür entschädigen, dass manches zu ausführlich dargestellt ist, wo mir scheint, die Autorin hat den roten Faden verloren. Vielleicht fehlt mir auch - trotz aller Einzelheiten - eine plastische Schilderung der Personen: Sie werden nicht wirklich "greifbar", trotz vieler Einzelheiten entsteht nicht ein Bild vor meinem Auge bei der Lektüre und das ist schade.
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von isy3 TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Laut Klappentext soll dieser Familienroman ein Erzählwunder sein - es ist auch streckenweise spannend geschrieben und vermittelt einen schönen Eindruck des Lebens auf der Krim unter der sowjetischen Herrschaft. Aber die einzelnen Handlungsstränge sind meiner Ansicht nach durch die Person Medea und ihr Haus, in dem die Familien ihren Urlaub verbringen, nicht stark genug verknüpft, um den Roman wirklich zusammenhalten zu können. Das Ganze wirkt auf mich eher wie eine lose Sammlung von Erzählungen. Immer wieder verlor ich bei Medeas Familie die Übersicht und fragte mich öfter, worauf die Autorin eigentlich letzten Endes hinauswill.
Ich muß dabei immer an die humorvolle Ausführung über die Macht der Hormone denken, die der niederländische Sachbuchautor Midas Dekkers geschrieben hat, und schon verliert für mich das tragische Schicksal mancher unglücklich Verliebter erheblich an Glanz und Originalität. So ging es mir jedenfalls mit der Mascha in diesem Buch. Aber vielleicht bin ich doch schon alt und mäkelig geworden...
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