Es bedarf nur einer kurzen Online-Recherche um zu erkennen, dass die Jungs von Sigur Ros von ihren Fans geradezu prophetisch verehrt werden. Daher wage ich kaum zu sagen, dass ich über den Trailer zum Computerspiel 'Dead Space' zum ersten Mal mit dieser Band in Kontakt gekommen bin. Ich habe mir auf einen Schlag drei Alben gekauft, von denen 'Med sud i eyrum vid spilum endalaust' mit Sicherheit das Eingängigste ist ' eingefleischte Fans mögen das als Nachteil empfinden, ich finde das gut.
Wenn man die Frage, ob es sich hierbei um Post-Rock, Art-Alternative oder ' böses Wort ' Weltmusik handelt, einmal beiseite lässt, eröffnet sich dem Hörer hier die Seele der Musik. Es war mir während des Hörens dieser Platte (und den anderen) vollkommen unmöglich, irgendetwas nebenbei zu machen. Ein Buch lesen? Keine Chance. Sich unterhalten? Erst recht nicht. Das Zimmer aufräumen? Nicht mal das. Man sitzt einfach da und wundert sich, weswegen man gerade lächelt (beim optimistisch treibenden 'Inne mer syuqur vitteysingur') oder plötzlich Tränen in den Augen hat (beim sich von melancholischer Kammermusik zu epischem Orchestralwerk steigernden 'Ara batur'). Die Verwendung der isländischen Sprache addiert zudem einen sehr intensiven Hauch Mystik, weil man immer glaubt, nur ganz kurz vom Verstehen einer Ursprache entfernt zu sein. Durch den charakteristischen Falsett-Gesang von Jonsi Birgisson versteht man aber selbst beim offensichtlich englischen 'All alright' kein Wort.
Wer nach den guten, aber eingängigen musikalischen Trends der letzten Jahre wieder einmal erleben möchte, wie zentral Musik den Seelenzustand beeinflusst, dem seien Sigur Ros absolut ans Herz gelegt. Die vorliegende CD ist hierbei der perfekte Einstieg in eine Musikwelt, bei der fast jeder Song unwillkürlich eine Reihe von Bildern im Kopf entstehen lässt ' gute Lautsprecher mit freundlichen Nachbarn oder ein guter Kopfhörer vorausgesetzt.
Ein beeindruckendes Werk. Strong buy.