Die ersten 100 Seiten von „Ruinen der Macht" erzählen die übliche Geschichte: Da das HPG-Netz zusammengebrochen ist, kommt es auf irgendeinem Hinterweltlerplaneten zu Unruhen. In diesem Buch ist es übrigens Mirach, die Geschichte spielt also - wer hätte es gedacht - wiedereinmal in der Präfektur IV der Republik. Gleiche Orte, gleiche Namen - ich sage nur Aaron Sandoval und Kal Radick. Nicht nur die Antagonisten, sondern auch „die Guten" sind nach dem allseits bekannten und anscheinend so beliebten Strickmuster aufgebaut: Die beiden Söhne eines Adligen, die schon seit Kindertagen Mechpiloten werden wollen aber sich zuvor die Militär-Karriereleiter emporarbeiten müssen.
Wer jetzt denkt, das wenigstens die Handlung etwas Neues bietet, um die große „Dark-Age-Geschichte" voranzubringen, der irrt. Alles dreht sich hier ausschließlich um Mirach! Zwar tritt eine Figur am Ende des Buches auf, die auch über den planetaren Tellerrand hinausblicken kann, dem Leser wird jedoch nicht ein Wort verraten!
Die zweiten 100 Seiten dieses Romans erzählen die Geschichte dann aber zumindest in einer Weise, daß man trotz mangelnden Ideenreichtums in der Handlung von eigenermaßen akzeptabler Unterhaltung reden kann. Teilweise scheint Robert E. Vardeman aber tüchtig Anleihen aus den guten alten Battletech-Romanen gezogen zu haben: So hat die „Schurkin" des Buches, die Medienministerin Elora Rimonowa, die mit Nachrichtenmanipulation, Intrigenspiel und Attentätern die Macht anstrebt und anscheinend auch am Flugzeugabsturz der Mutter der beiden „Prinzen" des Planeten beteiligt war, verblüffende Ähnlichkeit mit Katherine Steiner-Davion und ihren Methoden. Bei der Hauptfigur des Buches, dem jüngeren der beiden Brüder, zwingt sich dann auch einfach der Vergleich mit Victor in jungen Jahren auf.
Erst der letzte Teil des Buches vermag dann wirklich zu begeistern. Endlich einmal ein paar Ereignisse, die man nicht schon mindestens zwei Kapitel früher vorhersehen konnte! Wenn der Konflikt auf Mirach sich schließlich zur finalen Katastrophe hin zuspitzt, kann „Ruinen der Macht" durchaus mit seinen beiden Vorgänger-Romanen mithalten.
Mein Fazit:
„Ruinen der Macht" ist zwar eine dieser Lückenfüller-Geschichten, bei der am Roten Faden der Romanübergreifenden Handlung nicht ein Stück getan wird, kann aber, nach einer gewissen Warmlaufzeit, durch das altbewährte Gesamtkonzept der Battletech-Serie ein oder zwei Lesenächte lang akzeptable Unterhaltung bieten. Dennoch rate ich Lesern von „Geisterkrieg" und „Der Kampf beginnt" von diesem Buch ab, da es handlungstechnisch nichts enthält, was über diese beiden Romane hinausgeht. Nur unerschütterliche Fans der Serie und Neueinsteiger werden hier auf ihre Kosten kommen. Hoffentlich wird der nächste Teil der Dark-Age-Reihe besser!
Drei Sterne für einen durch und durch durchschnittlichen Mech-Roman.