Lang ists her, dass Gitarrist Dino Cazares nach vier Alben, von denen mindestens die mittleren beiden, "Demanufacture" und "Obsolete", das Antlitz des 90er Metals nachhaltig geprägt hatten, wegen persönlicher Konflikte aus Fear Factory ausstieg.
Sänger Bell wollte nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten.
Eine einige Zeit später folgende überraschende Neuformation der Band mit dem ehemaligen Bassisten Wolbers an der Gitarre brachte das etwas ideenlose aber sehr gute "Archetype" hervor, wonach die Band mit dem Folgealbum "Transgression" in ein wahres kreatives Loch stürzte.
Es folgte eine Reihe von Querelen, im Zuge derer sich Drummer Herrera und Gitarrist Wolbers von der Band abwandten und ihr geschriebenes Songmaterial mit zu ihrer neuen Band Arkaea nahmen.
Ebenso gesellte sich nun auf einmal der ehemals verhasste Cazares wieder zu Bell. Zusammen mit Byron Stroud (Schon seit "Archetype" am Bass) und "Human Drum Machine" Gene Hoglan von SYL versuchten sie nun ihrerseits einen Neustart.
Das Ergebnis dieser Strapping Young Factory-Formation liegt nun mit "Mechanize" vor und soll der Band nach ein Bindeglied zwischen "Demanufacture" und "Obsolete" darstellen.
Vollmundig, vollmundig. Ich bin unter Garantie nicht der einzige, der angesichts dieser Ansage zweifelnd mit der Augenbraue zucken musste.
Doch bereits der Opener "Mechanize" peitscht einem nach einer kurzen düsteren Industrial-Kulisse ein dickes "We're back!" in Form einer brachialen Riffwalze ins zweifelnde Gesicht.
Ohne Refrainhook, nur mit kurzer Gesangseinlage im hinteren Drittel kotzt Bell über Cazares' tonnenschweres Stakkato düstere Zukunftsvisionen hervor.
Mit einem Hauch Meshuggah in der basstiefen Gegend groovt und metzelt sich Cazares mechanisch technisch durch seine synkopierten Riffs, dass es eine Freude ist.
Stroud unterstützt gewohnt hochklassig. Hoglan gibt dem Riffhammer mit stoischer Ruhe und abartiger Präzision (wie von ihm auch nicht anders zu erwarten) eine walzendes Double Bass-Getriebe, zwar stets am Riff orientiert aber auch mit interessanten Detailvariationen und Rhythmuswechseln.
Unterstützt werden die Instrumente von diversen Industrial-Samples, die noch immer gewaltige Endzeit-Kulissen aufspannen und doch recht akzentuiert eingesetzte werden, so dass das Riffspektakel deutlich im Vordergrund steht.
Bell röhrt, kotzt, schreit und singt sich dazu die Seele aus dem Leib.
Und die entfesselte vierköpfige Maschine hat so einiges zerstörerisches im Lagerraum. Da gibt es gleich mehrere Songs, die ganz ohne großartigen Popappeal auskommen, wie "Mechanize"; 90s Thrash-Feeling in "Oxidizer"; eine Melodic Death Metal-Kante in "Fear Campaign", die so auch von Cazares' Projekt Divine Heresy stammen könnte.
Songwerk wie "Controlled Demolition" weckt mit seinem an das Mainriff von "New Breed" erinnernden Riff einen wohligen Nostalgieschauer während sich ein "Designing The Enemy" mit seinem sanft polyrhythmischen Gebolze ganz klar in der aktuellen Landschaft verortet. "Christploitation" überrascht mit einer epischen Klaviermelodie, "Final Exit" schließt mit seinem sich immer weiter steigernden Aufbau und Klargesangorientierung an die klassischen Fear Factory-Closer an und ist noch dazu ein mörderischer Ohrwurm.
Das alles wird in klarer und druckvoller Produktion präsentiert, die trotz ihrer latenten Kälte zu keinem Moment distanziert anmutet.
"Mechanize" ist letztendlich etwas brachialer als "Obsolete", orientiert sich am Sound von "Demanufacture" ohne ganz dessen ausladende Endzeit-Opulenz zu erreichen. Mal blitzt etwas "Digimortal"-Hitorientierung durch, doch ohne dabei auch nur einen Funken Aggressivität aufzugeben. Dann und wann scheinen auflockernde neue Einflüsse durchs Liedwerk.
Es ist unbarmherzig direkt, mit einem wohlig nostalgischen Flair ausgestattet und doch auf der Höhe der Zeit.
"Mechanize" positioniert sich damit zwar nicht auf dem Niveau von "Demanufacture" und "Obsolete", doch Fear Factory schaffen es mit dem kurzen aber verdammt intensiven apokalyptischen Wirbelstrum dennoch, wieder an ihre Anfangswerke anzuknüpfen.
Wer keine Revolution oder große Innovationen erwartet, bekommt mit diesem Album alles, was Fear Factory ausmacht.
Bleibt mir nur noch eines zu sagen: "Welcome back!"