The Who, 1964 gegründet, spielten am Anfang ihrer Karriere oft R&B-Klassiker nach, bis Pete Townshend, der Gitarrist seine Songschreiberqualitäten entdeckte. Mit seinen Mitstreitern Roger Daltry (Vocals) und John Entwistle hatte er bereits in der von Daltry gegründeten Schülerband The Detours gespielt.
Zu dieser Zeit waren sie musikalisch eigentlich nichts Besonderes, lediglich ihre vor Kraft strotzenden Konzerte machten sie bekannt.Mit Keith Moon, der den Drummer Doug Sandom ersetzte, entwickelte sie dann einen eigenen Stil, zu dem Moon nicht unwesentlich beitrug. Er benutzte die Drums weniger zum Takthalten, sondern machte daraus ein Soloinstrument. Wer Moon einmal live gesehen hat, wird ihn nie wieder vergessen.
Ihre aggressive Show mündete anfangs in der totalen Destruktion ihrer Instrumente, so dass sie mehr als einmal kurz vor der Pleite standen. Mit ihrer ersten Single "I Can't Explain" befreiten sie sich vom Rhythm N' Blues und schoben " Anyway, Anyhow, Anywhere" nach, bei dem sie erstmals die Fuzzbox einsetzten, was eines ihrer Markenzeichen wurde. Mit "My Generation" schufen sie einen All-Time-Klassiker der Rockmusik. Die Zeile "Hope I Die Before I Get Old" ging in den Standardwortschatz des Rocks über. Bemerkenswert an "My Generation" war dann noch, dass das Gitarrensolo vom Bassisten Entwistle kam.
Seltsamerweise wirkten The Who auf Platte wesentlich zahmer, ihre Konzerte dagegen waren laut und brutal. Nachdem Townshend schon 1966 die Minirockoper "A Quick One" schrieb, brachte er mit "Tommy" die Band sogar in Opernhäuser. Ob "Tommy" die erste Rockoper war, ist umstritten, schließlich hatten The Pretty Things mit "S. F. Sorrow" vorher schon ähnliches gemacht, wenn auch nicht so konsequent.
An dieser Stelle mache ich nun mal einen Punkt, weil auf dieser Platte hier Songs drauf sind, die bis eben zur Zeit von "Tommy" aufgenommen wurden und ich für Kenner sowieso nichts Neues erzähle. Ich habe sie mal als LP besessen und sie war mein Einstieg in die Musik der Who, waren hier doch alle Hits bis dahin vertreten.
Wer also die Who kennenlernen möchte, für die ist "Meaty, Beaty, Big & Bouncy" ein guter Einstieg. Man muss da nicht gleich mit der 4CD-Kompilation "Thirty Years Of Maximum R&B" loslegen.
Wer schon lange Fan der Who ist und diese Kompilation hier nicht kennt, dem wird hier noch eine kleine Überraschung geboten. "I'm A Boy" wird hier in einer abgeänderten Version gespielt, die eine Minute länger ist und bei dem der Mix vollkommen anders ist. Diese Version gibt es auf keiner anderen CD und ist fast besser als das Original. Wieso das nie irgendwo anders aufgetaucht ist, ist mir ein Rätsel.