Mr. Jerry Lee Lewis - der Mann, der schon von den frühen Jahren an Rock 'n' Roll - Geschichte mitgeprägt und mitgeschrieben hat - will sich offenbar nicht totkriegen lassen und veröffentlichte mit "Mean Old Man" eine Scheibe voller Eigeninterpretationen bereits bestehender Klassiker, wie etwa "Dead Flowers" (Rolling Stones), "Roll Over Beethoven" (Chuck Berry) und Co!
Nun, es ist ja auch sein gutes Recht. Und in Anbetracht der Tatsache, dass es eine echte Legende ist, die sich dieser Klassiker annimmt, könnte man - trotz hoher Erwartungen - großzügig über die eine oder andere Schwäche hinwegsehen...
Dennoch ist "Mean Old Man" letztendlich enttäuschend. Sehr kritisch gesprochen: Ein alter Mann (welch Ironie, wenn man auf den Titel der CD blickt) macht alte (aber natürlich wirklich gute) Musik noch älter. Meines Erachtens hat durch hiesige Interpretationen jedes Stück, dessen sich Mr. Jerry Lee Lewis hier bedient hat, seinen Reiz verloren. Das zuvor angesprochene "Dead Flowers" beispielsweise ist so schleppend und auch rhythmisch "countrylastig" vorgetragen, dass alles, was ich an diesem Song mag, praktisch nicht mehr vorhanden ist, selbst wenn Mr. Jagger beim Refrain im Hintergrund mitgrölen darf...
Selbes gilt auch z.B. für das oft so wunderhübsch dargebotene "Sweet Virginia" (ebenfalls ein Stones-Juwel), das - trotz Keith Richards Unterstützung - nie jene Schönheit entfalten kann, wie sie die Nummer sonst so oft innehat...
Am besten kommen meiner Meinung nach noch die echten Rock 'n' Roll - Stücke weg, wie etwa "Rockin' My Life Away" (ausgerechnet Slash & Kid Rock retten die Nummer!) oder auch "Roll Over Beethoven", das wenigstens passabel klingt, wennauch hier die "Frische", die Chuck Berry's Version in sich trägt deutlich fehlt...
Das gelungenste Stück der Platte ist - wie ich finde - der Eröffnungstrack, Kris Kristofferson's "Mean Old Man", das halt irgendwie auch zu Mr. Lewis passt und letztendlich wirklich authentisch klingt. (Vielleicht hätte er grundsätzlich ausschließlich auf Countryklassiker setzen sollen?!)
Ich möchte Mr. Jerry Lee Lewis ja nicht einmal vorwerfen, dass er nicht mehr der Jüngste ist. Älter werden wir schließlich alle! Die Frage ist nur WIE man altert. Mit seiner Stimme könnte er wohl wesentlich mehr machen als einen enttäuschenden Abklatsch alter Klassiker... Auch das Auftreten sämtlicher Gastmusiker und -sänger wertet die Platte nicht wirklich auf (mit Ausnahme vom bereits angesprochenen "Rockin' My Life Away" - dabei mag ich Slash und Kid Rock gar nicht so besonders!).
Obwohl der Vergleich höchst unangebracht sein mag, wage ich zu behaupten, dass ein Bob Dylan die Stücke mindestens ebenso gut hingekriegt hätte - obwohl dessen musikalischen Wurzeln doch ein Stück weit von Mr. Lewis liegen dürften...
Wie auch immer - alles in allem ist "Mean Old Man" - dem Titel entsprechend - wirklich Altmännermusik geworden - und das ist wirklich, wirklich schade! Mich wundert's offengestanden ja ein wenig, dass sich so viele "edle" Gastmusiker für dieses Projekt hergegeben haben. Es fällt mir schwer zu glauben, dass etwa ein Keith Richards mit den Versionen von "Sweet Virginia" oder "Dead Flowers" glücklich ist...
Naja. Vielleicht sollte man das Ganze ja auch eher als Dienst an einem guten, alten Freund betrachten.
Nichts für ungut, aber diese Scheibe würde ich - ganz ehrlich - NICHT weiterempfehlen! Nicht einmal eingefleischten Fans!
2 Sterne für die paar wenigen gelungenen Versionen (die da, um sie nochmals hervorzuheben, wären):
- MEAN OLD MAN
- ROCKIN' MY LIFE AWAY
- ROLL OVER BEETHOVEN (Ringo Starr auf den Drums!)
...das war's dann aber auch schon!