MEDIUM:
Die DVD kommt in einem schönen Papp-Booklet daher, gut gestaltet und mit viel Zusatzinformationen. Bild und Ton ist für die Aufnahmebedingungen und die Qualität einer DVD angemessen.
DAS WERK:
Schlingensief sagt selbst über die Aufführung: "Ich giesse eine soziale Plastik aus meiner Krankheit". Im Stile einer Oper mit mehreren Akten und Musik mit Anleihen bei Wagner, aber auch Schubert, und Chorgesängen wird man schnell in das Geschehen um u.a. Tod und Todessehnsucht mit reingenommen. Es ist tatsächlich eine Selbstdarstellung aber Schlingensief dirigiert das ganze hauptsächlich von aussen. In den Texten und Szenen ist klar seine Handschrift zu spüren. Der Komponist Arno Waschk mischt die genannte Musik mit verzerrten Geisterbahn- und Dschungelklängen, ein grossartiges "Ave Maria" findet in dieser Sample Opera buffa genauso Platz wie Roy Orbisons "In Dreams" oder liturgischer Chorgesang der Uni Wien.
Schlingensief tritt selbst auch auf, nur kurz, aber mit Wucht und noch deutlich geschwächt, die Stimme hadert mit der geforderten Lautstärke. Das ganze ist nicht im geringsten Sinne um Mitleid buhlend und zeigt die Stärke aus der erstmaligen Überwindung der schweren Krankheit. Leider hat diese am Ende gesiegt und einen der grössten deutschen zeitgenössischen deutschen Künstler viel zu früh dahingerafft. Wir trauern nachhaltig um Christoph Schlingensief.