Was lese ich oben auf dieser Seite, der Film dauert nur 2:36 Stunden? Gegen Ende des sehr, sehr langen Abends hatte ich noch geglaubt, es sei einer dieser *Vier*-Stunden-Kracher gewesen, ein
Lagaan - Es war einmal in Indien oder "Mera Nam Joker".
So langgezogen erschien mir das Ganze.
"U Me Aur Hum" (2008) kommt nie in Fluss, es rumpelt von einer Szene zur nächsten, die Dialoge schleppen sich lustlos von Statement zu Statement (mit besonders unrealistisch nachsynchronisiertem Hindi-Ton), zwischendurch ranzige Witze oder zehnminütige Monologe über Moral; dazu kullert eine Träne. Die wenigen Lieder bereiten mit Ausnahme eines milden Salsas keine Freude. Im zweiten, dem Krankheits-Teil wird kräftig auf die Tränendrüse gedrückt; mich ließ das Geschehen aber kalt. Zahlreiche Spezialeffekte, rasende Kameras, Split Screens, hektische Schnitte, extreme Blickwinkel und dergleichen wirken da wie kaschierte Ideenlosigkeit; das uninspirierte Stil-Gewürfel ergibt jedenfalls kein unterhaltsames Bollywoodspektakel.
Und dann die Hauptdarsteller: Ob als Alter oder Junger, der einstige Action-Held Ajay Devgan gibt den verständnisvoll Netten so ölig - und mit so viel anbiedernden Nahaufnahmen -, dass man es kaum aushält. Und Kajol, meine verehrte Kajol, sie fällt im ersten Teil komplett aus, wirkt nur verkrampft und blass. Hemmt es die Ausdruckskraft, wenn der Spiel-Partner auch Ehemann, Regisseur und Produzent ist? Hier fehlt jegliche Spannung und Anziehung zwischen den angeblichen Turteltauben. Im zweiten Teil agiert Kajol abwechslungsreicher, zeigt Panik und Versunkenheit, doch nur selten gibt es die intensiven Kajol-Momente, das umwerfende Lächeln früherer Filme von
Baazigar (1993) bis
Fanaa (2 DVDs) (2006). In den meisten anderen Filmen wird sie auch besser angezogen.
Auf der Bonus-DVD (ich hatte nicht die von Amazon vertriebene Ausgabe) loben sich die Akteure gegenseitig noch mehr als sonst üblich. In ihren Interviewausschnitten wirkt die lebhafte Kajol weit interessanter als im Film. Man sieht den offenbar ersten Einsatz eines Film-Helikopters in Indien: ein drahtlos ferngesteuerter Mini-Hubschrauber, aus dem Cockpit schaut eine 35-Millimeter-Kamera; so entstanden also die Luftaufnahmen vom Kreuzfahrtschiff. Man sieht, wie Kajol und ihre zu dem Zeitpunkt vierjährige Tochter Nyasa das Gerät bestaunen.
Ich kann nicht beurteilen, wie stimmig die Alzheimererkrankung wiedergegeben wird. Das Ende ist gewiss nicht realistisch. Immerhin aber laufen zum herbeigesehnten Schluss ein paar erzählerische Fäden gefällig zusammen. Ebenfalls auf der Plus-Seite stehen gelegentlich schöne Bilder, auch wenn ein Karan Johar so viel mehr daraus gemacht hätte: etwa wenn Kajol und Devgan allein auf dem großen Schiff tanzen und im Hintergrund rauscht das ewig blaue Meer. Insgesamt verdient "U Me Aur Hum" damit 1,2 Sterne.