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am 29. März 2013
Martin Walsers alter ego Meßmer ist entfernt verwandt mit Brechts Herrn Keuner, Kafkas (Joseph) K., dem Wittgenstein des Tractatus, Valérys Monsieur Teste, Nietzsches Zarathustra und älteren Aphoristikern wie Goethe und Schiller in ihrer gemeinsamen Weimarer Zeit. Aber es gibt große Unterschiede. Keuner arbeitet an der Gesellschaft, K am Schicksal, Wittgenstein an der Logik, Teste an der Seele, Zarathustra an der Moral – Meßmer arbeitet dagegen (nur) am Wort. Er bringt seine Wörter nicht auf den Begriff, sondern nur zum Klingeln. Er denkt nicht, er redet. Noch etwas: Keuner, K, Teste, Zarathustra und sogar Goethe und Schiller im Musenalmanach laden ein zum Nachdenken. Meßmers Wortgeklingel lädt ein zum Nachmachen, zur Karikatur. Denn Meßmers Koketterien sind keine Minima Moralia, sie sind Minima Trivialia (sic!), nicht Kunst, sondern Kunstgewerbe, also nach sehr einfachem Muster gestrickt. Man nehme etwa ein Adjektiv wie „leer“, bilde seine Gegenteil „voll“ und formuliere einen Satz wie „Die leeren Wände reden mit vollem Mund.“ (16) Ebenso: „Am Anfang ist jeder ein reicher Bettler, am Ende ein armer Fürst.“ (38) Der Satz „Die Leere dröhnt“ (17) ist ähnlich gebastelt, wie auch „Ich bin ein blühendes Grab“ (39) und „Ich liebe das Beliebige. Es nährt meinen Hass.“ (*) „Ich bin leicht von schwerer Erfahrung.“ (40) „Die Bomben des Guten.“ (20), und vieles andere.

Nur wenig komplexer sind künstlich arrangierte Gegensätze, die Meßmer dann zu gewollten Paradoxien zusammenzwingt: „Die groteske Beschränktheit des Möglichen. Die Unglaubwürdigkeit des Wirklichen.“ (78) „Ich versuche das Leben und suche den Tod.“ (*) „Die Bäume lachen zum Himmel. Die Blumen weinen. Ich auch.“ (*)

Verstreut gibt es Kitsch mit ungewolltem Humor. „Das Wasser spielt mit Mondschein, mit den Bäumen spielt der Wind, ich spiele mit mir.“ (38) [Vergleiche hierzu den letzten Satz aus „Ein liebender Mann“: „Als er aufwachte, hat er sein Teil in der Hand, und das war steif.“] Und Gymnasiastenprosa: „Einzig bin ich nicht, aber allein.“ (88) Und kalauernde Anleihen, z.B. an Wittgenstein: „Die Welt ist alles, was verpfuscht ist.“ (14) Sowie „Es gibt nichts Verborgenes.“ (31) Und „Was ich denke, kann ich nicht sagen. Und etwas sagen, was ich nicht denke, kann ich auch nicht.“ (18) [Vergleiche aus Wittgensteins Tractatus: „Die Welt ist alles, was der Fall ist.“ Und „Das Rätsel gibt es nicht.“ Und „Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen.“]

Es gibt noch vieles zu entdecken, meist jammernde Preziosen über Lebensekel und Lachen, über Kotzen, Gott und Tod, und immer wieder über Wörter: „Wuchert, Wörter, über jede Wunde.“ (92) „Die Wörter kommen aus mir, ohne mich gefragt zu haben.“ (83) „Himmelwärts ziehen die Wörter aus dem Mund der Verlierer ...“ (38) „Wörter klingeln vor sich hin. Gebimmel, ohne Musik.“ (*)

Ganz selten, wenn einmal kein „ich“ oder „mein“ vorkommt, gelingt etwas, wie hier auf Seite 41:

„In Idyllen sich bergen,
haselnussfromm sein,
knien zwischen Sträuchern,
eine Schulter in der Sonne,
die Ohren voller Vogelsang.
Wie es nicht ist, soll es sein.
Das denken zu können ist
zum Jubeln.“

Das ist ein guter Meßmer Moment aus Walsers Sudelbüchern. Aber das ist zu wenig.

Anmerkungen zu Obigem:

(n) bezeichnet die Seitenzahl in „Meßmers Momente“.
(*) bezeichnet eine Meßmer Imitation.
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am 19. März 2013
"Jedem sind die Grenzen des anderen deutlicher als seine eigenen."
(Martin Walser)

Nach Meßmers Gedanken und Meßmers Reisen geht Martin Walser (1927-) erneut in diesem dritten Band seinem Alter-Ego nach. Am 24.März wird der Schriftsteller 86 Jahre alt. "Jeder weiß, wie alt du bist. Nur du nicht." So ist es. Dieser Walser lebt in der Welt der Schwere, die passiert, ohne zu wollen; in der Welt der Möglichkeiten, um der Wirklichkeit als Attentat zu entfliehen. "Die Welt ist alles, was verpfuscht ist." So denkt dieser Meßmer, Denken der Schwere als Methode. Denken an Wünsche, die in der Wucht der Unerfüllbarkeit eine Aufforderung enthalten, den Wünschenden zu zertreten. Hoffnungen sollen nicht mehr täuschen, nirgends mehr sein können, heißt bei sich angekommen zu sein.

So versinkt Walsers Meßmer in sich, dorthin, wo er sich noch traut, an den Schopf zu denken, an dem er sich aus dem Sumpf ziehen kann. Aber auch muss er feststellen, dass der Mensch unwichtiger ist, als er glaubt. Das Leben ist wie eine Fessel, sich nicht zu bewegen sichert zu, dass die Fesseln nicht schneiden.

Meßmers Momente leben vom Paradoxon, sie sind das Unberührte und doch das Gespürte. Sie weichen den Bedeutungen aus oder biegen sie so, dass sie erträglich werden. Meßmer = Walser will Abstand, nicht berührt werden und doch berührt er den Leser durch die Tiefe seiner Gedanken. Der Leser wird merken, warum er sich nicht in Ruhe lassen kann. "Schrei für mich, Text, ich muss schweigen."
~~
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am 1. September 2014
Viele kurze "Momente", die Spielraum lassen, zum Teil beinahe wie Haikus. "Jedem böse, der dich nicht retten kann." (M. Walser - aus dem Buch) lässt einem ganz kurz den Atem stocken, aber dann... Wieder-Erkenntnis und fast so etwas wie Erleichterung, weil Erlaubnis! Tut das gut, dem eigenen Wolf direkt in die Augen zu blicken... Denn "Wenn, wer Zähne hat, seine Wut spazieren führen muss als Lamm." (M. Walser - aus dem Buch)
Herr Walser spricht aus, was manch einer wohl nicht einmal zu denken wagt, und befreit sich und damit auch uns als Leser von der ewigen Anleitung zum positiven Denken, und das ist überaus erfrischend!
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am 19. Juni 2013
... Und etwas sagen, was ich nicht denke, kann ich auch nicht.

„Meßmers Momente“ sind eine melancholisch geprägte Gedankensammlung. Es geht in Walsers Aphorismen um Gott und die Welt, die innere wie die äußere. Der Autor spielt gekonnt mit Worten, kreiert eigenwillige Wortbilder. Die Texte sind gefällig, widersprüchlich, banal, düster; manche Zeile hakt, verhakt. Walser gestattet uns einen tiefen Blick in eine alternde, endliche Seele.
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am 25. August 2013
Kommt einem vor, als hätte Walser einem in den Kopf geguckt - ein fantastischer Lesegenuss.
Jeden Satz kann man schmecken und fühlt sich in eigenen Gedanken und Unzulänglichkeiten oft ertappt -
es lebe Walsers Ausdruckskraft - Balsam für die Wunden, die man sich im holperigen Lebenslauf zwangsläufig zuzieht.
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