"Was ich zu gestehen hätte, gesteht man nicht."
Dieser hier als Oxymoron oder als Pardoxon zu verstehenden Aphorismus Martin Walsers (1927-) im Zusammenhang seines persönlichsten Buches gibt die Ambivalenz preis, in der der Autor sich bewegt. Würde er wissen, was das Leichteste wäre, würde er es tun. Vielmehr erklimmt er die 4. Stufe der Autobiographie, die Entblößung und Verbergung vereint. Sätze aus weinendem Marmor (ein Nietzsche Wort), klar und präzise und voller Möglichkeiten. Man liest wie der Besucher, der nicht willkommen war und schließt nachdenklich, wie der Besuchte weinend allein zurückblieb. Schmerzlich und doch tröstliche Erkenntnisse zeigen einen Walser, wie er offener nie war; vielleicht sind seine
Balladen noch auf dieser Stufe. Schmerz, Ende des Lebens, Religion in den Facetten der Erzählung und der Selbsttäuschung begegnen dem Leser. Eine Offenlegung, scheinbar fern dem Autor des Unberührbaren und doch berührt er mit den Texten, den Gedanken, den Einsichten, den Vermittlungen. Er ist wie der feste Boden, der den festen Stand verhindert und alles erscheint wie ein Blatt auf dem Wasser, welches festen Stand verheißt. (aus den Balladen). Poesie in Prosa, Poesie der Einsamkeit, wie die Gesellschaft der Berge - hoch und weit weg. Und was immer ihm fehlt als das noch zu Erreichende ist bei gesundem Nachdenken jenes, was ihn ausstattet. Und wenn Walser schreibt, dass es nur Splitter gibt, "die man nicht zusammensetzen darf zu einem Bild", dann erinnert dieses an jenen berühmten Satz: "Diese Scherben hab ich gestrandet, meine Trümmer zu stützen" aus
"Das wüste Land" von T.S. Eliot.
Meßmers Gedanken leben im Paradoxon, sie sind das Unberührte und doch das Gespürte. Sie weichen den Bedeutungen aus oder biegen sie so, dass sie erträglich werden. Meßmer = Walser will Abstand, nicht berührt werden und doch berührt er den Leser durch die Tiefe seiner Gedanken. Ein wahres Werk.
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