Ist Ana María Maya das Modell der "Maya Desnuda" Goyas oder nicht? Jostein Gaarder schafft es, trotz der Micky Maus-Falle bei Sophies Welt, auch dieses Mal den Leser nach der alles auflösenden Antwort lechzen zu lassen. Aber in dem Moment, wo der Joker mit seinen klingelnden Glöckchen wieder auftaucht, muss man sich Fragen, ob Gaarder nicht inzwischen die Ideen ausgegangen sind: Er greift hier auf das "Kartengeheimnis" zurück und lässt José auch noch die ganze Story von dem gestrandeten Bäckermeister nacherzählen...John Spooke alias der Autor mag im Nachwort noch so sehr bedauern, nach Sevilla gefahren zu sein- die erdachte und die wirkliche Geschichte von Ana und José verwirren den Leser am Ende. Das darf schon sein, aber das Happy End und die plötzliche Umdeutung Anas Schwächeanfalls in die ersten Anzeichen einer Schwangerschaft 'kommen sehr gewollt rüber. Alles, auch der Touristenknipsende "Zwerg" wird am Schluss bagatellisiert- die Gaarder-Masche: Der Autor ist der Schöpfer und kann mit den Figuren machen was er will, ist inzwischen ausgereizt. Man wünscht sich am Ende fast um der besseren Geschichte willen, dass Ana gestorben wäre- so gut sie auch Flamenco tanzen mag! Das Manifest ist ebenfalls eine neue Variante des "Jokerspiels"... Etwas Positives muss man dem Buch dennoch lassen: Die Personen sind liebevoll gezeichnet, auch die Nebenpersonen wie Mario, Laura und Bill- (die plötzliche Entdeckung, dass Bill ihr Vater ist, erschien mir interessanter, als Veras neue Schwangerschaft...) Und die Spaziergänge durch Salamanca und Madrid versetzen besonders jene, die schon einmal dort waren, tatsächlich in diese Orte hinein- auch der Bildungsaspekt kommt mal wieder nicht zu kurz! Bei allem Respekt für den Kampf gegen ein allzu anthropozentrisches Weltbild: Irgendwann nervt es, vom Menschen in der hundertsten Variation als "Nachfahre der Amphibien", "Primat", "Vertebrat" etc. zu lesen...der Mann hat ja Recht, aber auch dieser moralische Fingerzeig wird meiner Meinung nach etwas überstrapaziert.