In die Geschichtsbücher mag er nur als der Widersacher Konstantins des Großen eingegangen sein, der an der Milvischen Brücke sein Leben ließ, doch die auf diesen Moment verkürzte Darstellung Maxentius tut dem Kaisersohn, Usurpator und letzten in Rom residierenden Kaiser Unrecht. Mit Hartmut Leppin, der für den vorliegenden Bildband die erste deutschsprachige Monografie des Kaisers verfasst hat, ist allerdings ein höchst fähiger Biograf angetreten, Maxentius doch einmal ins rechte Licht zu rücken. War doch Maxentius wie zunächst auch Konstantin ein Usurpator, der sich anschickte die von Diokletian begründete Tetrarchie zu sprengen und doch nur nach alten römischen Brauch die Nachfolge seines Vaters als Augustus anzutreten. Doch Maxentius verfügte nie über das mächtige Heer eines Konstantin und als er sich anschickte seinem Vater, den Ex-Augustus Maximian, nachzufolgen konnte er daher auch nicht seine Anerkennung durch die anderen Tetrarchen erzwingen. Dennoch gelang es ihm sechs Jahre als Usurpator zu überleben und der Stadt Rom, die sich schon länger nicht mehr rühmen konnte als Kaiserresidenz zu fungieren, mit seinem Bauprogramm etwas neuen Glanz zu verschaffen. Neben Augustus und Traians sind es gar schon Maxentius Bauwerke welche durch ihre Zahl das Stadtbild prägen und die Jahrtausende überdauern sollten.
Für den vorliegenden Band aus der Reihe "Zaberns Bildbände zur Archäologie" haben sich mit dem auf die Spätantike spezialisierten Althistoriker Hartmut Leppin und der gar auf die maxentischen Bauten spezialisierten Archäologin Hauke Ziemssen zwei veritable Experten gefunden, die Kaiser Maxentius ein gerechtere Würdigung als nur als "Widersacher Konstantins" angedeihen lassen können. Entsprechend gestaltet sich auch die Arbeitsteilung zwischen Ziemssen und Leppin als durchschaubar, während Leppin von S. 11 bis 34 die Biografie des Kaisers beisteuert, übernimmt Ziemssen die Aufgabe von S. 35 bis 122 die Aufarbeitung der archäologischen Hinterlassenschaften Maxentius, wie seine Bauten oder das durch Münzen und architektonische Kunstwerke hinterlassene Herrscherbild.
Als Maxentius am 28. Oktober 312 ausgerechnet am 6. Jahrestag seiner Kaiserausrufung in Rom im Zuge der Schlacht an der Milvischen Brücke in den Tiber fiel und ertrank endete eine außergewöhnliche Karriere, die der Konstantins des Großen ja nicht unähnlich war. Am Ende konnte der Usurpator der wohl versuchte mit dem Sohn Constantius I. gleichzuziehen der Stadt Rom sogar mehr seinen Stempel aufdrücken als der Reichseiniger und von der christlichen Geschichtsschreibung zum Großen erhobene. Als Diokletian seine Tetrarchie schuf hatte er damit eine Stabilisierung des Reiches im Sinn, sollten doch von nun zwei Augusti mit zwei Caesaren und ihren jeweiligen Amtsbereichen das Imperium regieren. Doch so bewundernswert diese Neuverteilung der Mächte aus heutiger Sicht scheinen mag, sie hatte eine Schwäche, die sich schließlich Konstantin und auch Maxentius zu Nutze machen sollten, die Söhne der Herrscher waren nämlich von der Nachfolge ausgeschlossen. Ein durch Heirat und Verwandtschaft bestens in das tetrarchische Herrschaftssystem integrierter Maxentius sollte also niemals die Chance bekommen dem von den Römern und in der Armee andererseits noch in höchsten Ehren gehaltenen dynastischen Prinzip Folge zu leisten, war sein Vater Maximian doch schon Augustus gewesen.
Als der Augustus Constantius in Britannien verstarb und das dort stehende Heer dessen Sohn Konstantin zum neuen Augustus ausrief war jedoch ein Präzedenzfall geschaffen, der die fein justierte Tetrarchie erschüttern sollte. Um eine Meuterei des Heeres zu verhindern sah man sich gezwungen Konstantins Teilhabe an der Tetrarchie hinzunehmen, allerdings zum Preis einer Degradierung zum Caesar. In einer Zeit da die Caesaren und Augusti jedoch in weit von Rom entfernten Amtssprengeln residierten war die einstige Hauptstadt des Reichs verweist. Diokletian hatte gar damit begonnen einen Abbau alter Privilegien in Angriff zu nehmen und überlegt die Prätorianergarde aus der Stadt abzuziehen. Entsprechend erbittert sollte sich der immer noch glanzvolleren früheren Zeiten anhängende Stadtadel erweisen. Genug um mit den Prätorianern schließlich Maxentius zum Augustus zu erheben, als dieser in Rom seine Chance gekommen sah, ebenso wie Konstantin sein Geburtsrecht einzufordern. Nur diesmal weigerten sich die bereits ausgelasteten Tetrarchen einen Usurpator in ihre Riege aufzunehmen und so sollte Severus ausrücken, sich des sprichwörtlich fünften Rads am Wagen zu entledigen. Scheinbar hatte der Augustus allerdings nicht damit gerechnet dass sich in seinem Heer noch viele Legionäre befinden sollten die einst unter Maxentius Vater Maximian gedient hatten und dessen dynastisch legitimierten Anspruch anerkennen wollten, indem sie Severus ihre Gefolgschaft verweigerten. Nachdem auch noch besagter Maximian nach Rom zurückgekehrt war, um seinen Sohn vorgeblich zu unterstützen sah sich Severus gezwungen sich nach Ravenna zurückzuziehen, wo ihn daraufhin auch bald der tot fand.
Selbst ohne starkes Heer war es Maxentius gelungen einen der Tetrarchen zurückzuschlagen, sodass sich der dienstälteste der Tetrarchen, Galerius, selbst dazu aufraffen musste gegen Rom zu ziehen. Und wieder gelang es Maxentius mit einem Verweis auf seine dynastische Legitimation, den guten Ruf des Vaters bei den Truppen und der unwiderstehlichen Verlockung durch enorme Donative den Abfall großer Truppenteile von Galerius zu bewirken. Stützen konnte sich Maxentius derweil nur Italien und die Provinz Africa, doch trotz zweier Waffengänge gegen ihn war Maxentius immer noch um Anerkennung seiner Augustus-Würde bemüht, war er doch sogar Galerius Schwiegersohn. Von den Tetrarchen, auch Konstantin, dem er seine Schwester Fausta zur Frau anbot, bekam er allerdings nur die kalte Schulter vorgezeigt und auch sein Vater Maximian schien kein verlässlicher Verbündeter zu sein, der wenig durchschaubare eigene Ambitionen verfolgte, die ihn sogar dazu trieben sich zweimal neuerlich zum Augustus ausrufen zu lassen. Sein Geschick oder auch Glück als Herrscher konnte Maxentius sogar beweisen als er mit einem bescheidenen Prätorianeraufgebaut einen Aufstand in Africa niederschlagen ließ. Die wachsende Macht der neuen Caesares innerhalb der Tetrarchie die sogar deren Beförderung zu vollwertigen Augusti nach sich zog, sollte jedoch auch das Ende Maxentius besiegeln, denn als mit Galerius 311 der letzte Verfechter der alten tetrarchischen Ordnung verstarb waren bereits deutliche Sturmwolken am Himmel erkennbar, früher oder später würden die Augusti übereinander herfallen und damit auch Maxentius Regentschaft ein Ende setzen.
Hartmut Leppin gelingt es Maxentius als eine faszinierende Persönlichkeit vorzustellen, die er auch zutiefst menschlich zu erfassen versteht. Leppin verweigert sich einer Verunglimpfung Maxentius als Tyrannen und stellt dessen Griff nach der Augustus-Würde als aus der Tradition und Psychologie der Spätantike heraus verständliches dar. Selbst als Kaisersohn, meint Leppin, dürfte die Frage ob er Maximian nicht nachfolgen könne den jungen Maxentius bereits geprägt haben. In dieser Deutung steht Maxentius wie auch Konstantin für eine Ära und Leppin geht sogar noch weiter, um die Macht der dynastischen Legitimität zu illustrieren spielt er auch auf seine Biografie Theodosius des Großen an, hatte doch dieser seine Karriere zunächst als Stütze Kaiser Valens begonnen und seine eigenen Söhne Honorius und Arcadius aus dem politischen Machtkampf heraus gehalten, solange die valentinische Dynastie noch in Amt und Würden war. Anders als Konstantin konnte Maxentius jedoch nie mit genügend militärischer Macht aufwarten, um die Anerkennung seiner dynastischen Ansprüche durchzusetzen, ein fatales Manko seit dem Aufstieg der Soldatenkaiser.
- Resümee -
Nach dem 28. Oktober 312 schrieb einmal der Sieger die Geschichte, doch Maxentius war nicht der Tyrann den eine übereifrige christliche Historiografie aus ihm gemacht hat, um Konstantin den Großen umso strahlender erscheinen zu lassen, indem man Gegner herabwürdigte. Zwar hat Maxentius nie eine christliche Konfession angenommen, doch durchaus Duldsamkeit wenn auch nicht gezielte Förderung gegenüber den römischen Christengemeinden bewiesen. Während Hauke Ziemssens Anteil an diesem Werk sich auf die sehr vielseitigen archäologischen Hinterlassenschaften konzentriert ist der Dreh- und Angelpunkt doch die Biografie Maxentius Hartmut Leppins und diese ist hervorragend gelungen. Sie liest sich (zumindest für mich) gar so, dass man beginnt mit dem Usurpator mitzufiebern und Leppin rattert nicht einfach Fakten herunter, sondern versucht auch die Geschehnisse zu interpretieren, teils sogar von Maxentius Standpunkt aus verständlich zu machen.