Max Schilling ist ein kleiner Taschendieb. Dass er trotzdem das Herz auf dem rechten Fleck hat, ist nicht weiter verwunderlich, denn Max Schilling wird von Heinz Rühmann gespielt. Gleich am Anfang sehen wir ihn im Variete sitzen, wo der "König der Taschendiebe" seine Tricks vorführt. Das Endresultat ist, dass Max dem König die Brieftasche klaut.
Er bekommt aus seinen Gaunerkreisen das Angebot, bei einem ganz großen Ding mitzumachen, was er ablehnt. Sein Schwager Fred indessen steigt ein und wird neben einem weiteren Bekannten von Max ermordet. Nun ist es an Max, den Täter zu entlarven.
"Max der Taschendieb" gehört merkwürdigerweise nicht zu den bekanntesten Filmen von Heinz Rühmann und wird auch in Rühmanns Biografien kaum erwähnt. Vielleicht weil die Geschichte an sich recht bieder ist. Immerhin führt Max trotz seines "Berufes" mit seiner Frau Pauline (Elfie Pertramer) eine vorbildliche Ehe mit zwei Kindern, dem pubertären Egon (Frithjof Vierock) und dem Nesthäkchen Brigitte (Helga Anders), die z. B. - ganz Kind - den Papa einmal bittet, die Schule schwänzen zu dürfen. Egon hingegen philosophiert über Sartre, was Max mal zur Bemerkung verleitet: "Der kann mich am A.... lecken, der Sater." Also ganz normale Alltagsprobleme einer Durchschnittsfamilie wie auch die Szene, als Max im letzten Moment kommt, um Pauline den Friseur zu bezahlen (nachdem er vorher eine Hochzeitsgesellschaft ausgenommen hat).
Wären da nicht die zwei Morde (die nicht gezeigt werden), wäre es ein Film für die ganze Familie und so erfolgte halt die Altersfreigabe ab 16. Heute ist er ab 6, aber der Film wurde 1962 gedreht und da galten etwas andere Moralvorstellungen. Typisch die Szene, als Max Egon einen Brief übergibt, indem er schreibt, dass er den Mörder suchen will, aber Egon einschärft, den Brief erst zu einer bestimmten Uhrzeit zu öffnen. Später treffen sie sich wieder und Egon kriegt erst mal zwei hinter die Löffel, weil er den Brief zu früh geöffnet hat, aber dann wird er sofort von seinem Vater umarmt, weil er Angst um ihn gehabt hat.
Typisch für die damalige Zeit war auch die Darstellung des Mörders Charly Gibbons (Benno Sterzenbach), eines Amerikaners (man kann das hier schon verraten, weil es früh klar wird), der Kaugummiamerikanisch spricht - mit gerade soviel englischen Worten, dass es auch der Durchschnittsbürger versteht - und ständig eine Riesenzigarre pafft.
Es werden also reichlich Klischees geboten, auch dass Max am Schluss ehrlich wird. Dass man den Film trotzdem genießen kann, liegt an seiner angenehmen und warmherzigen Grundstimmung und den hervorragenden Schauspielern, bei denen man neben Rühmann noch Hans Clarin als Looser Fred hervorheben muss. Clarin hat viel Theater gespielt und stand erst am Anfang einer nationalen Karriere. Seine markantesten "Rollen" waren komischerweise Synchronstimmen, seinerzeit die des Kookies bei der damals beliebten, aber heute eher unbekannten amerikanischen Kriminalserie "77 Sunset Strip" und später die des Pumuckls.
Rühmann selbst hat sicher mit dem "Schwejk" und dem "Hauptmann von Köpenick" wichtigere Rollen gespielt, doch er überzeugt auch hier als der kleine, gewitzte Mann, der den Großen ein Bein stellt. Gegen Ende will ihn Kommissar Friedrich (Arno Assmann) - die beiden kennen sich schon lange - dazu bringen, die Belohnung zur Ergreifung des Mörders anzunehmen, doch Max lehnt mit der Begründung ab, dass dann in der Zeitung die Schlagzeile "Taschendieb fängt Mörder" stehen würde. Er würde ja mit den schrägen Blicken seiner Nachbarn fertig werden usw, "aber die Kinder in der Schule würden meine Brigitte anspucken. Das kann ich nicht zulassen."
Wie Rühmann das bringt, konnte damals wirklich nur er.