Über die Streiche von Max und Moritz viele Worte zu verlieren, ist müßig; im deutschsprachigen Raum gibt es wohl kaum jemanden, der diese wunderbaren Illustrationen nicht kennt. Sie sind mit Hilfe des Holzstichs hergestellt worden, der nicht so feine Strichführung zuließ, weshalb die Konturen auch so stark betont sind. Die Kolorierung wurde per Hand vorgenommen und war sehr zurückhaltend. Erst Anfang des 20. Jhdts. ermöglichten neue Techniken die starke Farbigkeit, die wir heutigen Leser gewöhnt sind. In der Kindle-Ausgabe entfällt diese natürlich völlig, was m.E. aber überhaupt kein Verlust ist, da die Figuren so typisiert und expressiv sind, eben Karikaturen im besten Sinne, dass sie keine Verstärkung durch Farben benötigen.
In dieser Kindle-Ausgabe kommen sie perfekt zum Ausdruck.
Und über die Texte, die zum Teil zu geflügelten Worten wurden (Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich. usw.), die Busch zu den vorher angefertigten Zeichnungen dichtete, ist sicher schon alles gesagt. Die feine Ironie, mit der er die Geschädigten und die z.T. völlig überzogenen Reaktionen betrachtet (z.B. der Witwe Bolte, die den Tod ihrer Hühner wohl als schlimmer empfindet als damals den Tod ihres Mannes), sind entlarvend. Und man hat den Eindruck, dass er eigentlich Spaß an den Streichen der beiden Lausbuben hat, die aber 20 Jahre nach dem Erscheinen des Struwwelpeter, in dem alles bierernst gemeint ist, natürlich bestraft werden müssen. Aber diese Strafe ist so surreal, zermalen zu Körnern und von Enten von dieser Erde getilgt, dass man sie nicht als grausam bezeichen kann, mehr als Riesenspaß!
Dafür, dass uns Amazon diesen Schatz kostenlos in der ausgezeichneten Qualität überlässt, sage ich meinen herzlichen Dank.