1909 ließ sich Max Liebermann ein Sommerhaus am Wannsee bauen, das er stolz sein "Schloß am See" nannte. Das fast 7.000 qm große Areal gestaltete er gemeinsam mit dem Direktor der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark. Hier fand Liebermann die nötige Ruhe von dem Betrieb der Großstadt und die entscheidenden Motive für sein Spätwerk. In mehr als 200 Gemälde verewigte er die grüne Idylle mitten in Berlin.
Der 1995 gegründeten Max-Liebermann-Gesellschaft ist es zu verdanken, dass der Garten heute wieder in alter Pracht erblüht. Neben dem Garten ist auch wieder das restaurierte Sommerhaus, das der Künstler im Sommer 1910 mit seiner Familie bezog, für den Besucher zugänglich. Hier kann man sich in einer Dokumentationsausstellung über den Künstler und die wechselvolle Geschichte des Gartens informieren.
In Kooperation mit der Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin e. V. entstand auch der Kunstkalender "Max Liebermann - Die Stille des Gartens 2012" aus dem Kunstverlag Weingarten. Die zwölf Monatsblätter zeigen Liebermanns "Paradiesgarten", der für den Künstler ab 1914 mehr und mehr zum Gegenstand seiner Kunst wurde.
Die Gemälde sind das impressionistische Spätwerk eines Künstlers, der sich aus dem Rampenlicht zurückgezogen hatte. Im Mittelpunkt stehen immer wieder Blumenrabatten, der Nutz- oder Heckengarten sowei das Gärtnerhäuschen des "Klein-Versailles", wie Liebermann seinen Garten liebevoll nannte. Beliebtes Motiv ist auch die berühmte Birkenallee mit der sich zum Wannsee hin erstreckenden großen Rasenfläche.
Die impressionistischen und farbenfrohen Gemälde zeigen Liebermann auf dem Höhepunkt seiner Auseinandersetzung mit der Natur. Es überwiegen die verschiedensten Grüntöne, immer wieder unterbrochen vom Rot der Blumen, dem Ocker der Hausfassaden oder dem Weiß der Birkenstämme. Es sind wunderbare Stimmungsbilder, die den Betrachter in den Bann ziehen.
Der großformatige Kunstkalender (56 × 46 cm) ist ein großartiger Wandschmuck. Der cremefarbige Kalenderfond mit dem dezenten und daher optisch kaum störenden Kalendarium (dreisprachig) bringt die etwas dunkleren Gemäldereproduktionen eindrucksvoll zur Geltung. Auf dem 13. Blatt sind alle Bilder noch einmal anschaulich erklärt.
Fazit: Ein außergewöhnlicher Kalender, nicht nur für Kunst- und Gartenfreunde. Manches der dekorativen Monatsblätter wird nach Ablauf des Jahres sicher weiter Verwendung finden.
Manfred Orlick