"Wa la ghaliba illa-Llah."
(Wahlspruch der Nasriden)
Im Januar 1492 verlässt der von den 2christlichen Königen" Ferdinand und Isabella besiegte, letzte maurische Herrscher aus der Dynastie der Nasriden, Abû Abd Allâh Muhammas XII, spanisch genannt Boabdil, Granada, um in sein marokkanisches Exil zu gehen. Damit endet die Zeit des maurischen Al-Andalus, die im Jahre 711 mit den Eroberungen des omajjdischen Heerführers Al-Tarki begonnen hatte. Bis in die Gegenwart ist das arabische Erbe der iberischen Halbinsel nicht nur in einem linguistischen Vermächtnis, das von der spanischen auch in andere europäische Sprachen gelangte, präsent geblieben, sondern auch in den erhaltenen Bauwerken aus einer beinahe 8. Jahrhunderte währenden Zeit kultureller Durchdringung....
...in der sich zwischen Christen. Moslems und Juden trotz aller Gegensätze gemeinsame Lebensformen entwickeln konnten, die zur Basis hoher kultureller Leistungen wurden.
In der maurisch-andalusischen, spanisch-islamischen Kunst vereinigten sich Elemente verschiedenster Herkunft zu einem neuen, eigenständigen Stil. Die Beschreibung der zu einem großen Teil zum Weltkulturerbe der UNESCO gehörenden Bauwerke erfolgt im Rahmen einer chronologisch aufgebauten historischen und architekturhistorischen Darstellung, die nach einer Einleitung in fünf Kapitel gegliedert ist. Während das erste Kapitel (710 -' 912) Ereignisse und Architektur vom Ende des Westgotenreiches über die Konsolidierung des Omajjaden-Emirats bis hin zum Bau der Hauptmoschee von Córdoba zum Gegenstand hat, befasst sich das nachfolgende Kapitel mit der Zeit von 912 - 1031, als sich das nunmehr zum Kalifat erhobene Al-Andalus im Zenit seiner Blüte befand. Der Zeit der Taiga-Königreiche (1031 - 1091) mit ihren Palästen und Festungen in Saragossa und Balaguer etc. folgt das Kapitel über die Almoraviden und Almohaden (1091 -' 1248). Diese aus der Sahara und dem Hohen Atlas stammenden wilden Berberstämme, verliehen Andalusien neben einem neuen, radikalen Bekenntnis vor allem auch maghrebinische Elemente in Architektur und Kunsthandwerk, die sogar in den Norden der christlichen Reconquista-Staaten ausstrahlten. Mit dem Nasriden-Sultanat von Granada widmet sich das letzte Kapitel (1237- 1492) schließlich der Architektur und dem Baudekor des wohl populärsten Bauwerkes des letzten maurischen Herrschaftsbereiches auf der iberischen Halbinsel, der "Alhambra" (arab.: al-Qal'a al-hambrâ= die rote Zitadelle)
Als promovierte Kunsthistorikerin und Sorbonne-Professorin beschreibt die Buchautorin Marianne Barrucand einerseits die Wandlungen der architektonischen Formen durch die Jahrhunderte hindurch, andererseits auch die trotz aller Wechsel konstant gebliebenen Merkmale dieser einzigartigen Bauweise heraus. Neben beeindruckenden, bis zu zweiseitigen Fotos von prächtigen Palästen, Moscheen und Burgruinen wartet der ebenso in textlicher Hinsicht erschöpfend ausgestaltete Paperback-Bildband mit Detailaufnahmen, Zeichnungen, Skizzen und Grundrisse auf, die dem Betrachter die maurische Kunst in mannigfaltigen Variationen vor Augen führen.
Nach einer Schlussbetrachtung der Autorin bieten Anmerkungen zu 202 Fußnoten, ein Glossar und ein Literaturverzeichnis Möglichkeiten zu einem tieferen Einstieg in die Thematik. Während in einem Bildnachweis die Quellen der Fotos genannt werden, die nicht von Co-Autor Achim Bednorz stammen, lädt eine Übersichtskarte Spaniens mit bildlicher Zuordnung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten, den Leser zu einer individuellen
Besichtigungsreise ein. Ein alphabetisches Register bildet den Abschluss des sehr empfehlenswerten Buches, das als beeindruckendes kulturhistorisches Dokument nichts an seiner Aktualität verlieren kann. 5 Amazonsterne.