Es zieht eine Truppe durch die Scheibenwelt, die zauberhafter gar nicht sein könnte. Sie selbst ist verzaubert, sie bietet eine Show, sie verzaubert den Leser...
Durch ein paar magisch verunreinigte Mahlzeiten sahen sich Maurice, der Kater und eine Gruppe Ratten plötzlich mit einem Bewusstsein und der Fähigkeit zu Sprechen und zu Lesen ausgestattet. Der gewiefte Maurice wusste aus diesen Fähigkeiten Kapital zu schlagen und formte eine "Rattenplage"-Show mit den Ratten als Artisten, einem flötenspielenden Jungen als Instrument und sich als Organisator im Verborgenen. Seitdem durchstreifen sie die Scheibenwelt, um soviel Gold zusammenzusammeln, sich den Traum eines Stücks Welt kaufen zu können, in der Ratten und Katzen frei und ohne Furcht leben können. In Bad Blintz, dem Ort, der der letzte auf ihrer Reise sein sollte, ist es jedoch nicht wie in den anderen Städten. Etwas stimmt hier nicht, etwas lauert hier... etwas gefährliches... etwas, was Menschen, Ratten und Katzen betrifft.
Das Buch ist ein "echter Terry Pratchett" und sollte daher in keiner Sammlung fehlen. Er schreibt voller Witz und Spannung, er gibt den Rollen Charakter und deckt so manche Schwäche auf, die gewonnene Stärke mit sich bringt. Er spielt mit der Weiterentwicklung vom Traum zur Vision. Er gibt einem in Märchenform zu verstehen, was passieren kann, wenn man etwas gefährliches kreiert, das man nicht kontrollieren kann. Er jongliert mit gesellschaftlichen Ansichten. So werden Ratten in der Geschichte von den Menschen als Ungeziefer betrachtet und bekämpft, während sie aber von ihm mit Charakter, Intelligenz und mehr sozialem Verständnis und Respekt ausgestattet werden, als der Mensch in der ganzen Geschichte zeigt.
Trotzdem dieses Buch auf der Scheibenwelt spielt, hat es nicht wirklich etwas damit zu tun. Als Einstiegsbuch in den Scheibenwelt-Zyklus ist es daher ungeeignet, man kann es höchstens als Appetithäppchen betrachten.
Einige Leser meinten, es sei kein Buch für Kinder. Dem kann ich mich nicht ganz anschliessen. Ich denke, es ist ein Buch sowohl für größere Kinder als auch für Erwachsenen. Die Kinder begreifen das Märchen, Erwachsene begreifen den tieferen Sinn. Es ist ein wenig wie die Muppet Show. Als Kind fand ich sie prima, habe mich amüsiert über die Puppen und Aktionen. Als Erwachsener finde ich sie prima und lache über die zweideutigen Sprüche. Nur, dass Märchen und tieferer Sinn in "Maurice, der Kater" um Längen ernster und spannender sind. Und ist das Buch brutal? Nun gut, es kommt zu einigen Szenen, die unschön sind, aber in Zeiten von "Harry Potter", den Kinder ja nun lieben, ist dieses Buch zwar spannend, manchmal tragisch und gefährlich, aber nicht brutal. Am besten, die Eltern lesen es zuvor und machen sich selbst ein Bild ;o)
Mein Urteil lautet: Absolut Empfehlenswert!
Eine Anmerkung zur Übersetzung: Der deutsche Titel hat mich (wie auch die Übersetzung anderer Scheibenwelttitel in "Die Nachtwächter" statt "Nachtwache" oder auch "Weiberregiment" statt "Ein ungeheures Regiment") aufgeregt. Warum hat man es nicht bei "Der unglaubliche Maurice und seine gebildeten Nager" belassen? Der Titel hätte m.E.n. viel besser gepasst. Der Verlag hat aber auf meine Kritik leider nie reagiert...