Maurice, ein typischer Sohn der gehobenen englischen Mittelschicht, ist ein durchschnittlicher, sensibler Junge. Doch bereits mit 14 bemerkt er, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt. Davon abgesehen, wie seine Familie und Umwelt reagieren würden, lebt Maurice aber im viktorianischen England, wo Homosexualität strafbar war.
Nichtsdestotrotz geht er keine Beziehungen mit Frauen ein, läßt sich treiben und sucht seinen Weg. Die erste Station dieses Weges ist Cambridge, wo Maurice zum ersten Mal einen Gleichgesinnten, Clive Durham findet. Sie gehen eine (eher platonische) Beziehung ein, die sich hauptsächlich auf der philosophischen bzw. Händchenhalten-Ebene abspielt. Die Beziehung hält drei Jahre und findet ein abruptes Ende, als Clive eine Frau heiratet. Angewidert von seiner Feigheit und vollkommen verzweifelt stürzt Maurice in eine Krise. Schließlich versucht er es sogar mit Hypnose, weil er denkt, seine "Krankheit" sei heilbar. Als er vollkommen verwirrt und verloren ist, sich in der Einsamkeit zu verlieren droht und in seiner Verzweiflung sogar mit dem Gedanken spielt, vielleicht doch eine Frau zu heiraten, begegnet er auf Penge, dem Gut von Durham, einem jungen Mann. Alec, ein schöner und intelligenter Wildhüter, wird Mauricens Leben verändern...
Eine großartige Verfilmung des nicht minder herausragenden Romans von E.M. Forster. Der Film ist ein Fest der Bilder: Ob nun die Wildheit und Magie der englischen Landschaften mit ihren verborgenen Winkeln oder die karminrote Atmosphäre der Adelshäuser - es ist ein Genuß fürs Auge. Die Verfilmung wird der Vorlage mehr als Gerecht - was zum größten Teil der hervorragenden Besetzung zu verdanken ist. James Wilby ist ein sehr sensibler Maurice und versteht es, die Leiden aber auch Liebe des jungen Mannes auf seinem Lebensweg glaubwürdig darzustellen. Der junge Hugh Grant hat hier bereits seine versnobbte Aura. Besonders erwähnenswert ist Rupert Graves, der den jungen Alec, Mauricens große Liebe spielt. Mit seiner durchdringlichen Darstellung, seinen großen braunen Augen und seinem begnadeten Talent fesselt er die Zuschauer in jeder einzelnen Sekunde seiner Performance.
Insgesamt ist "Maurice" also auf jeden Fall sehenswert und bleibt jedem, der den Film gesehen hat, noch lange in Erinnerung...