Maulwurf Grabowski wohnt unter einer schönen, großen Wiese, geniest sein Leben und ärgert den Besitzer durch seine Haufen auf dem schönen, grünen Rasen. So ist die Welt in Ordnung. Aber eines Tages ändert sich alles. Es wird gebaut, Bagger und Kettenraupen zerstören das Idyll, und so muss sich Grabowski aufmachen in die weite Welt und dort nach einer neuen Wiese suchen.
Das ganze wird auf wenigen Seiten erzählt, die alle weniger Text haben als diese Rezension, dafür aber schöne, naiv-lustige Zeichnungen in kindergerechten Farben. Die einfachen Texte erleichtern auch ungeübten Eltern das Vorlesen sehr. Und so kann man auch schnell die Zielgruppe identifizieren: Wenn Ihr Kind schon selbst lesen kann, ist es für das Buch eigentlich schon zu alt. Aber davor ist es ein schönes Kinderbuch.
Mehr gäbe es dazu auch eigentlich nicht zu sagen, aber schließlich handelt es sich beim Maulwurf Grabowski offenbar um einen entfernten Verwandten von mir, und daher habe ich selbst das Buch immer wieder geschenkt bekommen, auch als ich schon viel älter war, auch gerade jetzt wieder zu Weihnachten. Und so stellt man im Rückblick schon fest, dass sich die Einstellung zu dem Buch etwas verändert hat.
Das Buch ist eindeutig ein Produkt der späten 70er und frühen 80er Jahre. Natur wird als etwas idyllisches, behagliches dargestellt - auf der Wiese von Maulwurf Grabowski kann eigentlich nie Winter sein. In dieses Paradies greift der Mensch von außen ein, mit Technologie, scheinbar auch ohne Sinn und Verstand. Man fühlt fast ein bißchen Verrat des Bauern an seiner Wiese, als er gestattet, dass dort eine Baustelle entsteht. Auch die Flucht über gefährliche Strassen ist deutlich gegen Autos und Technologie gerichtet - bis schließlich wieder die neue paradiesische Wiese erreicht ist. Eigentlich entspricht dies vollkommen dem damaligen Wahlprogramm der Grünen, und es ist ein Wunder, dass nicht auch Verkehrsberuhigung auftaucht.
So fängt das Buch einen bestimmten Zeitgeist hervorragend ein, zeigt auch die Naivität dieses Zeitgeistes, und wohl auch ein bißchen seine Grenzen. Aber es ist und bleibt natürlich ein schönes Kinderbuch. Persönlich hoffe ich natürlich, dass Grabowski noch ein langes, schönes Leben hat.