"Mauersegler" ist der letzte Teil der Trilogie "Ein Haus in Berlin". Im Mittelpunkt der Handlung steht Karoline, genannt Karol, die im ehemaligen Vorderhaus, der Beletage, des Titel gebenden Hauses wohnt. Der Gebäudekomplex wurde durch den Bau der Mauer geteilt - das ehemalige Hinterhaus steht im heutigen Westberlin.
Der Beginn des Romans mutet seltsam an: Karol erwacht aus tiefem Schlaf und ist zunächst völlig überrascht, sich in ihrem Bett in ihrer Wohnung zu befinden. Der Kalender an der Wand zeigt den 9. November - mittlerweile ist sogar noch ein Tag vergangen - doch sie wähnt sich noch im Oktober und ist ganz irritiert, bis sich herausstellt, dass ihr die Erinnerung an die letzten zwei bis drei Wochen komplett fehlt. Sie erfährt von der Öffnung der Mauer und der Reisefreiheit und kann das alles selbst nach einem kurzen Ausflug in den Westteil der Stadt kaum glauben. An der Mauer trifft sie auf einen Mann, der sich freut sie zu sehen und sie zu kennen scheint. Er führt sie in eine Wohnung, in der sie auf ihr absolutes Ebenbild trifft - Kordula. Diese beiden und später auch ihre Freunde im Osten scheinen Dinge von ihr zu wissen, über die sie selbst keine Kenntnis hat, doch niemand ist bereit, ihr Erklärungen zu geben oder auch nur ihren Fragen zuzuhören.
Zum ersten Mal erlebe ich bei einem Buch von Waldtraut Lewin, dass ich die Handlung sehr weit hergeholt und konstruiert finde. Für sich allein, ohne Kenntnis der beiden vorangegangenen Titel der Trilogie, finde ich "Mauersegler" nicht ganz überzeugend.
Aber trotzdem hat das Buch eine Wirkung, der man sich nicht entziehen kann. Erzählt wird aus der Sicht Karols. Und ihre Gefühle und Reaktionen, Wut und Verzweiflung kann man gut nachempfinden. Sie befindet sich wie in einem Vakuum: durch die Amnesie fehlen ihr die Ereignisse von Tagen, und gleichzeitig soll sie Dinge erlebt und getan haben, an die sie sich nicht erinnern kann. Keiner glaubt ihr, und deshalb ist auch keiner motiviert, ihr zu helfen, den Dingen auf den Grund zu gehen. Im Gegenteil, ihre Freunde denken sogar, sie mache ihnen etwas vor.
Eine etwas lange Leitung hat sie in Bezug auf Kordula. Und auch deren Reaktion ist nicht verständlich. Müsste nicht auch sie ein Interesse an Informationen aus erster Hand haben?
Das Buch führt die Familiengeschichte zu einem Ende, man erfährt, was aus Katharina, "Paulas Katze", geworden ist, nachdem sie 1935 Deutschland verlassen musste. Aber insgesamt finde ich die Verknüpfung von Familiengeschichte und politischen Ereignissen nicht so gelungen wie in den ersten beiden Büchern.