Die "Sättigungsbeilagen" von Mark Scheppert beinhalten ziemlich alles, was man sich unter einem unterhaltsamen, mit einem Augenzwinkern geschriebenen Taschenbuch, vorstellen kann. 30 kernige Kurzgeschichten lassen ein verschwundenes Land wieder auferstehen, das es so dargestellt tatsächlich einmal gegeben hat. Mit spitzfindigem Humor unterlegt, erlebt der interessierte Leser, beinahe körperlich, Stationen einer zumeist unbeschwerten und behüteten Jugend. Mark Scheppert läßt die 70-ziger und 80-ziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wieder lebendig werden. Erinnerungen, die einen anderen Blick auf eine DDR freilegen, welche man in dieser Form hätte durchaus akzeptieren können! Auf keinen Fall aber als den (real existierenden) Sozialismus, den die Führungsriege um Honecker und Co. versuchte, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Druckmitteln, einer heranwachsenden Jugend aufzuzwingen. Der Autor zeichnet wahrhafte Bilder aus einem Alltag, der im Osten Deutschlands nicht immer ganz so einfach war, wie in seinen Geschichten, leicht nachvollziehbar, dargestellt ist.
Natürlich hatte es eine Vieleklassengesellschaft gegeben; privilegiert war aber nur die herrschende Klasse sowie einige Künstler und natürlich jede Menge Sportler -
und wer keinen Zugang zum überlebenswichtigen "Vitamin B" hatte, bekam auch keinen Fuß in irgendwelche Türen. Solche und andere Geschichten,finden sich in den "Sättigungsbeilagen" als witzige Episoden, mutig erzählt, gehäuft wieder. Sie treffen einmal mehr den Zeitgeist von damals!
Die in ihren Wurzeln oftmals (von der Obrigkeit des Landes und sog. Führungskadern) als renitent bezeichnete Ostjugend (die offiziell aber nicht in Erscheinung treten durfte!), vor allem im sozialistischen Berlin, frönte abseits der Blauhemd tragenden sowie der Partei - und Staatsführung zujubelnden Masse, ihren ausschweifenden "Hobbys".
In einigen der "Mauergeschichten" findet man sich darum zumeist auch selbst. Das macht Appetit auf mehr - ohne Ostalgie-Brille!
Dieses Büchlein ist ein unbedingt Lesens - und empfehlenswertes. Für jeden Ossi ein Muß. Für Wessis, die hinter dem eisernen Vorhang nicht nur arbeitsscheue Zombies vermutet haben, eine schwierige, aber lösbare Hausaufgabe! Vielleicht trägt das ja dazu bei, nach 20 Jahren Mauerfall endlich mal die unerträglich nutzlosen und phantasielosen Diskussionen über die "Hüben" und die "Drüben", zu beenden!?