Vor 50 Jahren, in der Nacht zum 13. August 1961 wurde die Sektorengrenze zwischen Ost- und Westberlin durch Volkspolizei, Einheiten der Nationalen Volksarmee und SED-"Kampfgruppen der Arbeiterklasse" mit Stacheldraht abgeriegelt. Der Mauerbau begann und vollzog damit auf schmerzhafte Weise die Teilung einer Nation.
Der Bau der Mauer markierte den Höhepunkt der Berlinkrise, die bereits im Herbst 1958 begonnen hatte und bis 1963 andauerte. Am 27. November 1958 verhängte der sowjetische Regierungschef Nikita S. Chruschtschow in einer Note ein Ultimatum, in dem er forderte, Berlin zu einer selbstständigen politischen Einheit und entmilitarisierten Zone zu machen. Vorangegangen war der Note die Aufkündigung des Viermächtestatus für Berlin und Gesamtdeutschland durch die Sowjetunion, die Chruschtschow bereits zwei Wochen vorher in einer Rede im Moskauer Sportpalast angekündigt hatte.
Dies war der Auftakt der Berlinkrise, die über fünf Jahre hinweg immer wieder durch Forderungen Chruschtschows und die Reaktionen der Bundesregierung und der Westmächte geprägt war.
Als "gefährlicher als die Kubakrise" schätzte der ehemalige US-Verteidigungsminister Paul Nitze die Berlin-Krise ein.
Rolf Steininger, Universitätsprofessor und Leiter des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck, analysiert in seinem umfangreichen Buch
"Berlinkrise und Mauerbau. 1958 bis 1963" die Geschehnisse, die diesen offenen Ost-West-Konflikt kennzeichneten. Dabei zieht er zahlreiche bisher nicht zugängliche deutsche, amerikanische und britische Akten zu Rate und berichtet auch darüber, wie problematisch der Zugang zu diesen Akten teilweise immer noch ist.
Steiningers kenntnisreiche Analyse liest sich sehr spannend und als Leser hält man oft den Atem an und ist erleichtert, dass die damalige Konfrontation nicht vollkommen eskaliert ist. Man erfährt auch einiges über den Charakter einiger Schlüsselfiguren, vor allem über Nikita Chruschtschow, der immer wieder neue Forderungen stellt und beunruhigend unberechenbar scheint.
Der Autor lässt das Buch nicht schon mit dem Ende der Berlinkrise 1963, sondern mit dem Fall der Mauer enden. Gut so!
Fazit: Eine spannende und fundierte Lektüre, die allen empfohlen sei, die sich für die jüngste deutsche Zeitgeschichte interessieren. Als Leser gewinnt man zahlreiche neue Erkenntnisse, die aus bundesdeutscher Sicht bisweilen ganz schön deprimierend sein können.