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3.0 von 5 Sternen
Gut gemeint, schlecht verwirklicht, 28. Oktober 2009
1988 wird Gorbatschow in der UdSSR gestürzt, die neue Regierung fährt eine deutlich härtere Linie im Kalten Krieg. Aufgrund der wirtschaftlich fatalen Situation im gesamten Ostblock, entschließt man sich, dem Westen ein Ultimatum zu stellen. Entweder Westdeutschland oder Weltkrieg.
So kommt es 1990 zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Sowjetische Truppen marschieren zum Schutz in die theoretisch blockfreie "Demokratische Republik Deutschland" ein. In den folgenden Jahren kommt es zu einer zügigen Umgestaltung des öffentlichen Lebens nach dem Muster der DDR.
Der Protagonist, ehemaliger Sportreporter in Düsseldorf, der darüber stolperte, dass er den Sieg des BFC Dynamo im Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft anzweifelte, erinnert sich in seinem Züricher Exil an die Jahre in der "DRD" und seine Flucht in die freie Schweiz.
Christian v. Ditfurth, ehemaliger DKP'ler und Bruder der Grünen-Gründerin Jutta Ditfurth, hat mit diesem Buch einen Alternativweltroman vorgelegt. So interessant die Idee ist, so mäßig ist die Ausführung. Vor allem zwei Punkte missfallen mir:
1. Der Roman ist keiner. Die retrospektive Handlung ist sehr gering, es ist mehr eine fiktive Dokumentation, gespickt mit Personen der Zeitgeschichte (von denen man manche heute schon gar nicht mehr richtig kennt). Dadurch ist das Buch recht dröge und langatmig.
2. Die Alternativwelt ist wenig plausibel. Der "Point of Divergence" (also die Stelle, an der die Historie anders verläuft als in der realen Geschichte) ist der Sturz Gorbatschows. Doch das aufgebaute Szenario hakt an einigen Stellen.
So wäre ein Einmarsch der Sowjetunion in Westdeutschland niemals so friedlich verlaufen. Die DKP war eine isolierte Kleinstpartei (um die 1%), die antikommunistischen Affekte waren in der SPD (die im Buch munter mit der SED paktiert) sehr ausgeprägt, von den anderen natürlich ganz abgesehen. Die "DDRisierung" der Bevölkerung ist völlig überzogen dargestellt.
Außerdem hätte die Sowjetunion ein kommunistisches Gesamtdeutschland nicht akzeptiert, da damit in kürzester Zeit die Machtfrage im Ostblock gestellt worden wäre. Schon die kleine DDR war aufgrund ihrer Wirtschaftsleistung der zweiteinflussreichste Staat des Ostens. Ein Gesamtdeutschland wäre, als Land von Marx und Engels, sehr schnell in die Rolle der eigentlichen sozialistischen Führungsmacht geschlüpft - und das war den Sowjets durchaus klar.
Die Plausibilität der alternativen Welten ist das A und O des Genres. Insofern ist v. Ditfurths Roman nicht mehr als ein gutgemeinter Versuch. Dafür gibt's noch drei Punkte, mehr ist aufgrund der eklatanten Schwächen nicht drin...
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3.0 von 5 Sternen
Idee gut, doch mit Lääängen, 3. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Mauer steht am Rhein. Deutschland nach dem Sieg des Sozialismus (Gebundene Ausgabe)
Ein Roman? Ist es überhaupt nicht, dafür sind die Charaktere zu schwach gezeichnet.
Ein Politthriller? Spannung gibt es jetzt eigentlich auch nicht wirklich: Kontrafaktisch, also gegen die Realität soll die DDR die BRD geschluckt haben, und ganz flink passen sich Volk und Eliten im Westen an. Das Szenario ist realistisch: Wendehälse West hätte es wohl auch 1988 noch viele gegeben (wie sie heute mit Pofalla & Co. existieren dürften), und auch etwa Hongkong wurde von der Volksrepublik China weitgehend reibungsfrei geschluckt. Andererseits hätte es dieses Szenario auch fast unmöglich geben können, auch das ist klar.
Der Ex-DKP-ler und Historiker von Ditfurth - im Gegensatz zu Schwester Jutta Ditfurth führt er den Zusatz immer noch - zeigt, wie grauenhaft deutsch-bürokratisch es geworden wäre, wie Staatssozialismus der DDR-Variante auch den Westen rapide ruiniert hätte und wie gesagt, wie der Opportunismus auch westlich gesprossen wäre.
Eine nette Idee und eine Erinnerung gegen vorschnelle Verklärung des östlichen Modells, doch spätestens auf der Hälfte fängt man an, sich eher durchzukämpfen - das ist schade, und daher nur drei realsozialistische Sterne.
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3.0 von 5 Sternen
Eine interessante Idee, ..., 9. Januar 2001
Rezension bezieht sich auf: Die Mauer steht am Rhein. Deutschland nach dem Sieg des Sozialismus (Gebundene Ausgabe)
... aus der leider etwas wenig gemacht wird. Ich bin kein Experte in DDR-Fragen und ich finde den Ansatz "Wie wäre die BRD der DDR angegliedert worden?" spannend, jedoch das DDR-Regieme 1:1 auf "den Westen" zu übertragen ist für mich etwas zu einfach. Für mich wäre ein Szenario interssanter gewesen in dem sich auch der Sozialismus entwickeln muß, um den Westen "zu schlucken". Schade, aber wie es zu der veränderten politischen Situation kommt ist schon gut gemacht.
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