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5.0 von 5 Sternen
An die Grenze gegangen ... und darüber hinaus, 4. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Mauer-Passagen. Grenzgänge, Fluchten und Reisen 1961-1989 (Gebundene Ausgabe)
Diese Neuerscheinung des Zeitgut Verlags befasst sich, wie alle Bände der Reihe, mit Einzelschicksalen beziehungsweise individuellen Anekdoten zu einem bestimmten Thema, in diesem Fall Erlebnisse rund um die innerdeutsche Grenze 1961, mit ihrer Überwindung und dem Scheitern an ihr.
Spektakuläre Fluchtversuche kennt jeder, der einmal das Museum am Checkpoint Charlie besucht hat. In diesem Buch gibt es ebenfalls einige atemberaubend spannende Berichte von Menschen, denen die Flucht unter abenteuerlichen Umständen gelang. Der Schwerpunkt des Bandes liegt jedoch beim eher Alltäglichen, das gerade Menschen wie mir, dem jüngeren "Wessi" ohne Verwandte im "Osten", erstaunlich fremd ist. Teils mit viel Galgenhumor, teils sachlich verfasste Anekdoten zeigen die vielfältigen Schikanen bei der Ein- und Ausreise, während des Transits und des Aufenthalts hüben und drüben auf. Einen weiteren Themenkreis bilden die Berichte von zurückgebliebenen Familienangehörigen geflohener DDR-Bürger: Wie sie mit dem Verlust der Verwandten und Freunde, vor allem auch eigener Kinder, umgingen, in welch erniedrigender Weise sie von der Stasi verhört und schikaniert wurden, welche vor allem beruflich-sozialen Nachteile es mit sich brachte, einem Republikflüchtigen verbunden zu sein.
Angehörige erzählen zudem davon, wie erfolglose Fluchtversuche oder einfach eine geäußerte missliebige Meinung zu Haft unter unvorstellbaren Bedingungen führten, und wie sie darunter litten.
Erschütternd sind auch viele andere Momentaufnahmen, so das Schweigen zwischen DDR- und "BRD"-Diplomaten in ausländischen Botschaften und zaghafte Versuche, es zu brechen, die erfolglosen, verzweifelten Nachforschungen einer Westdeutschen bezüglich ihrer Magdeburger Freundin, die nur kurz vor der Maueröffnung spurlos verschwand, die Erkenntnis, dass die sympathischen Freunde aus der DDR informelle Stasi-Mitarbeiter waren, der Erfindungsgeist beim Schmuggeln dringend benötigter Waren und ganz schlicht und einfach der verwunderliche Umgang von Menschen ein und derselben Nation miteinander, zwischen denen jahrzehntelang eine Mauer mit Stacheldraht stand.
Hervorheben möchte ich auch die vorzügliche Chronologie zur innerdeutschen Grenze am Anfang des Buchs und die Kurzbiografien der Verfasser der Beiträge am Ende; so erhält man einerseits einen Überblick über die historisch-politischen Hintergründe und kann sich zum anderen ein Bild von den Autoren machen, wozu die persönlichen Fotos in fast jeder Erzählung beitragen. Die einzelnen Beiträge sind auch hier sinnigerweise chronologisch geordnet, sodass man eine kleine Zeitreise vom Bau der Mauer bis zu ihrem Fall antreten kann, und das auf der spannendsten aller Ebenen, nämlich der untersten - der alltäglichen.
Wiederum ein Buch dieser Reihe, das ich trotz chronischer Zeitnot kaum aus der Hand legen mochte.
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5.0 von 5 Sternen
Reise in die Vergangenheit, 5. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Mauer-Passagen. Grenzgänge, Fluchten und Reisen 1961-1989 (Gebundene Ausgabe)
Für den, der wie der Rezensent in West-Berlin den Mauerbau 1961 erlebt hat, dem Passierscheine und Grenzübergänge, Transitverkehr und Einreisen in die ehemalige DDR 28 Jahre lang vertraut gewesen sind, für den ist dieses Buch eine Rückkehr in die Vergangenheit. 46 Zeitzeugen berichten von ihren Erfahrungen bei Fluchten „in den Westen", bei Besuchen im jeweils anderen Teil Deutschlands, bei einer freiwilligen Rückkehr in die DDR oder bei der Ausweisung in die Bundesrepublik. Treffend werden Gefühle und Emotionen geschildert wie etwa das innere Aufatmen, wenn man die Grenzkontrollen wieder einmal hinter sich hatte und sich im „freien" Teil Deutschlands wiederfand. Wie gesagt: Für den einen ist dieses Buch eine Rückkehr in die Vergangenheit. Allen anderen, die all dies nicht (mehr) erlebt haben, möchte ich das Buch dennoch um so wärmer ans Herz legen: Nur wer diese Erfahrungen zumindest aus der Lektüre kennt, wird unterschiedliche Emotionen bei „Wessis" und „Ossis" heute verstehen und nachvollziehen können.
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5.0 von 5 Sternen
spannende geschichte, 6. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Mauer-Passagen. Grenzgänge, Fluchten und Reisen 1961-1989 (Gebundene Ausgabe)
der 9. november 1989, der tag, an dem die berliner mauer fiel, liegt erst 16 jahre zurück. und doch lesen sich die berichte in den "mauer-passagen" wie berichte aus einer anderen welt. und deshalb ist es gut, daß sie in diesem buch bewahrt werden. berichte aus dem absurden alltag der deutschen teilung. etwa über den schmuggel von geld in ausgehöhlten leberwurstbrötchen. oder über einen regelmäßigen besucher ostberlins, der als vermeintlicher kurier eines fluchthelferrings von der stasi observiert wird. oder darüber, daß allein der umstand, daß man keine lust hat, einen thälmann-film zum zweiten mal anzusehen, den weg an die uni versperren kann. oder über kleinbürger, die als grenzkontrollen an der innerdeutschen grenze ihre lächerliche macht ausspielen. natürlich sind nicht alle 46 berichte volltreffer und bei dem einen oder anderen hat wohl der dran nach selbstdarstellung den umstand überwogen, daß eigentlich nichts bedeutendes zu berichten ist. die große mehrzahl der berichte ist jedoch zur privaten lektüre und erinnerung genauso gut geeignet woe zur verwendung als quellen im geschichtsunterricht an schule und universität. fazit: ein gelungenes projekt!
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