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Mattia Pascal: Roman
 
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Mattia Pascal: Roman [Gebundene Ausgabe]

Luigi Pirandello , Federico Hindermann , Sabine Schneider
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 440 Seiten
  • Verlag: Manesse-Verlag (1. März 1995)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3717518704
  • ISBN-13: 978-3717518709
  • Größe und/oder Gewicht: 15,5 x 9,9 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Maskenprobe

Pirandellos «Mattia Pascal»

Von Ute Stempel

Als Luigi Pirandello am 10. Dezember 1936 in seiner spartanischen Wohnung in Rom an einer Lungenentzündung starb, die er sich während der Dreharbeiten bei der Verfilmung seines Romans «Il fu Mattia Pascal» zugezogen hatte, schickte der Duce Benito Mussolini sofort einen Regierungsvertreter in das Trauerhaus. Und der war entsetzt, als er von der letzten Verfügung des Verstorbenen erfuhr, weil sie dem faschistischen Regime das Spektakel eines pompösen Staatsbegräbnisses verwehrte. Schliesslich hiess es da: «Man übergehe meinen Tod mit Stillschweigen. Keine Anzeigen, keine Mitteilungen. Man hülle mich nackt in ein Leinentuch. Keine Blumen, keine Kerzen. Wagen letzter Klasse wie für die Armen. Nackt . . . und sonst gar nichts.»

Mit kategorischer Konsequenz hat der grösste Dramatiker Italiens, dessen Stücke das Theater des 20. Jahrhunderts revolutionierten und alle Bühnen der Welt eroberten, in seinem Testament noch einmal bekräftigt, dass wir alle nur maschere nude, nackte Masken, sind. Unter diesem Titel liess er sein gesamtes dramatisches Werk (mit Ausnahme der unvollendeten «Riesen vom Berge») erscheinen. Und ohne diesen Schlüsselbegriff der Maske sind auch seine beiden wichtigsten Romane, «Mattia Pascal» und «Einer, keiner, hunderttausend», nicht wirklich zu verstehen.

Doch während Pirandellos Dramen – etwa «Sechs Personen suchen einen Autor», «Heinrich IV.» und «Heute abend wird aus dem Stegreif gespielt» – weiterhin zum internationalen Bühnenrepertoire gehören, war seinen Romanen im deutschsprachigen Bereich nie ein grosser Erfolg beschieden. In Frankreich beispielsweise war und ist das anders. Da ist der «Mattia Pascal» nicht nur als epochale Vorstufe der späteren Theaterstücke bekannt, da wird auch «Einer, keiner, hunderttausend» als Gipfelpunkt einer Lebensphilosophie verstanden, gemäss der jedes Ich, jedes scheinbare Individuum, ständig neue Rollen improvisiert und immer andere Masken tragend die Idee menschlicher Identität karikiert. Schein und Sein, Fiktion und Wirklichkeit, Illusion und Desillusion sind bei dem 1867 in Agrigent geborenen Sizilianer nicht mehr zu trennen.

«Il fu Mattia Pascal» – «Der gewesene Mattia Pascal», Pirandellos dritter Roman aus dem Jahre 1904, ist nun dank qualitäts- und traditionsbewussten Lektoren des Manesse-Verlags endlich wieder in einer angemessenen Neuübersetzung unter dem publikumsfreundlich verkürzten Titel «Mattia Pascal» erschienen. Der erzählende Protagonist, ein in einer Bibliothek ohne Leser gelangweilter, zu Hause von Frau und Schwiegermutter malträtierter Mann ohne Eigenschaften, der eigentlich nur von sich weiss, «dass ich Mattia Pascal hiess», flieht aus seinem provinziellen Ghetto nach Monte Carlo. Dort gewinnt er beim Spiel eine beachtliche Summe, die ihm ein besseres Leben ermöglichen kann.

Und Fortuna gibt ihm noch eine weitere Chance, nämlich die eines völlig neuen Lebens. Denn aus der Zeitung erfährt er zufällig, dass man bei ihm zu Hause einen Selbstmörder geborgen und als Mattia Pascal identifiziert hat. Er nutzt diesen doppelten Glücksfall, um unter dem Namen Adriano Meis ein ganz anderes, vermeintlich freies Leben zu beginnen. Nun ist er zwar scheinbar ein völlig anderer, aber dieser Adriano Meis ist letztlich niemand, ist nur ein «erfundener Mensch» ohne zivilen Status. Genötigt, vor jedermann sein Geheimnis zu wahren, wird er in Rom zu einem bindungslosen, einsamen Komödianten, für den es in der Gesellschaft keinen Platz gibt: ein Peter Schlemihl ohne Schatten. Um seiner Isolierung zu entkommen, verfängt sich der lebende Tote immer mehr im Netz konventioneller Lügen. Nur sein zweiter Tod, der fingierte Selbstmord des Adriano Meis, kann ihm anscheinend seine verlorene Identität wiedergeben.

In seine Heimat zurückgekehrt aber gilt er den Leuten als ein Fremder, der dem angeblich ertrunkenen Mattia Pascal verblüffend ähnlich sieht. Nicht mehr lebendig und doch nicht tot, so nennt er sich, als er auf dem Grab des vermeintlichen Mattia Pascal einen Kranz niederlegt: «il fu Mattia Pascal», den gewesenen, den «Mattia Pascal selig».

Vor neunzig Jahren geschrieben, ist dieses Buch doch noch immer von brisanter Aktualität als beispielhafte Geschichte menschlicher Desintegration. Mattia, der nicht mehr weiss, wer er selbst ist, weil ihm die soziale Verankerung abhanden gekommen ist, ist der moderne Mensch par excellence, ist die geschichts- und gesichtslose persona, die Maske, ist die Person auf der Suche nach einem Autor ihres Maskenspiels, den es als Instanz eines Schöpfergottes nicht mehr gibt.

Aber es lastet auf dieser Persönlichkeitsmaskerade noch nicht die grimmige Verzweiflung des späteren Werkes von Pirandello. Noch erzählt er quasi augenzwinkernd verschmitzt, lässt Raum für den «Humor», über den er vier Jahre später seinen grossen Essay «L'umorismo» geschrieben hat. In dem erklärte er zur humoristischen Kunst diejenige, welche die Relativität aller unserer Vorstellungen von einer in sich geschlossenen, festgeformten, einmaligen Identität des Menschen zeigt: «Was für ein Gesicht hat man uns denn mitgegeben, um die Rolle eines Lebenden darzustellen? Nichts als Masken, Masken . . . Und jeder richtet sich seine Maske her, so gut er kann. Und nichts ist wahr . . . Und das lässt einen vor Lachen platzen, wenn man nur daran denkt.»

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Mattia Pascal
OT Il fu Mattia Pascal OA 1904 DE 1905 Form Roman Epoche Moderne
Die humoristisch-tragische Darstellung eines Identitätsverlusts zeigt das zentrale Motiv im Gesamtwerk von Luigi Pirandello: das unentwirrbare Geflecht von Schein und Sein, Wahn und Wirklichkeit. Durch die präzise Milieuschilderung ist der Roman noch dem Verismus verhaftet, gehört aber durch die Genauigkeit der psychologischen Beobachtung bereits zu den bedeutendsten Werken der Moderne.
Inhalt: Gerissene Geschäftemacher haben die Familie, in der Mattia Pascal aufwächst, finanziell ruiniert. Mattia muss später als Dorfbibliothekar sein Dasein fristen; seine Ehe ist unglücklich. Das Glück scheint ihm zu winken, als er im Spielcasino von Monte Carlo eine große Summe gewinnt. Zufällig liest er auf der Heimfahrt im Zug von seinem eigenen Tod. Er beschließt, seine alte Existenz abzustreifen und mit dem Geld neu anzufangen. Nach ausgedehnten Reisen lässt er sich in Rom in einer Pension nieder. Er verliebt sich in die Tochter des Hauses, doch ihr Schwager, der sein falsches Spiel ahnt, setzt ihm zu. Indem Mattia einen Selbstmord simuliert, flieht er wiederum und kehrt in sein Dorf zurück. Seine Frau ist inzwischen glücklich mit einem anderen verheiratet. Nun muss Mattia tatsächlich ein neues Leben beginnen.
Aufbau: Die Rahmenhandlung des Romans bildet das Gerüst für das eigentliche Motiv des Werks – die Schilderung der Gefühlswelt des Protagonisten. In langen reflexiven Passagen beschreibt der Autor das innere Geschehen des Helden, dessen Traum von Freiheit und einer neuen Identität scheitert.
Wirkung: Der Roman Mattia Pascal begründete den Weltruhm des Autors. Das Werk wurde bereits kurz nach seinem Erscheinen in zahlreiche Sprachen übersetzt. D. M.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Mitreißend skizziert Pirandello in diesem seinem Roman das Leben des Mattia Pascal, das so verheißungsvoll beginnt und sich doch von einer Katastrophe in die nächste steigert. Der Leser ist hineingeworfen in den eigenen Widerstreit zwischen Sympathie und Abneigung gegenüber dem Helden Mattia Pascal. Dieser findet plötzlich die eigene Todesanzeige in der Zeitung und ergreift die Chance zu einem neuen Leben. Doch auch jetzt wird seine Sehnsucht nach Freiheit vom Leben besiegt...
War diese Rezension für Sie hilfreich?
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Schwierig. 11. Juni 2004
Format:Gebundene Ausgabe
In seiner Vielschichtigkeit und Komplexität ist dieses Buch kein leichter Lesestoff. Italienische Schüler behelfen sich mit der genialen Verfilmung von Mario Monicelli mit Marcello Mastroianni um dann doch erbarmungslos dem Buch zu verfallen.

Das Buch dient vielen als Schlüssel zur literarischen Welt Pirandellos, allen glücklichen, die nicht "Sechs Personen suchen einen Autor" als Einstieg wählten oder zugewiesen bekamen.

Pirandello belohnt den aufmerksamen Leser mit einer Gesellschaftskritik voller Ethik und Nihilismus zugleich.

War diese Rezension für Sie hilfreich?
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Die Last der Freiheit 2. Mai 2011
Von Zuckerfee
Format:Broschiert
Mattia Pascal ist zwar erst Anfang Zwanzig, hat es aber bereits geschafft, sein Leben zu verpfuschen. Der Reichtum seiner Familie ist durch Schlendrian, Verschwendung und Betrug aufgezehrt worden, seine beiden Töchter sind im Kindesalter gestorben, und das Zusammenleben mit seiner schlunzigen Ehefrau und seiner bösartigen Schwiegermutter ist mehr als nur unangenehm. Eines Tages erhält er die Gelegenheit, noch einmal ganz von vorn anzufangen, mit einer falschen Identität und einem mittelgroßen finanziellen Vermögen. Leider hat seine neue Freiheit ihren Preis: Er darf keine engen Beziehungen zu anderen Menschen eingehen, nicht in Kontakt mit den Behörden kommen, er steht außerhalb der menschlichen Gesellschaft. Sein Leben als Niemand, der offiziell nicht existiert, beginnt ihn zunehmend zu belasten und untergräbt sein Identitätsgefühl - so sehr, dass er sich dafür entscheidet, seine letztendlich auf Ausgrenzung und Beziehungslosigkeit basierende Freiheit aufzugeben und zu seinem alten aber heimeligen Unglück zurückzukehren. Wundervolles Buch, das - wie auch "Einer, keiner, Hunderttausend" - auf unterhaltsame Weise zu einer Auseinandersetzung mit eigenen Vorstellungen von Freiheit und Identität anregt.
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