Das Findelkind Mathias Bichler wächst um 1800 bei einer Pflegefamilie mit vielen Mitpflegekindern auf. Eine nicht ernst genommene Jugendliebe veranlaßt Mathias seine enge Heimat zu verlassen, hinein ins Leitzachtal. Auf mancherlei Wegen und Abenteuer kommt er nach München. Am Ende bekommt er doch noch seine Kathrein.
Der erste Teil des Romans klingt wie ein Märchen. Lena Christ trifft genau den richtigen Ton und Stimmung. Die Hochzeit der Kathrein wird ausführlich geschildert. Die Autorin legte großen Wert auf authentische Schilderung des Brauchtums. Mathias' Wanderschaft mutet dann wie das Leben eines Taugewohls an.
Die vorliegende neue, überarbeitete Auflage merzte offensichtlich auch veraltete Worte aus. Darüber kann man verschiedener Meinung sein. Für einen Nicht-Altbayern ist es sicher vorteilhaft.
Der Roman Mathias Bichler erschien 1914 und wurde wenig beachtet. Es ist eine wunderbare Lebensgeschichte mit ausführlicher Schilderung der Lebensumstände im bayrischen Oberland vor zweihundert Jahren. Die letzten Jahre des Mathias Bichler kommen gegenüber der fein ausgearbeiteten Jugend etwas zu kurz. Dadurch leidet die Gesamtkomposition etwas.