Harnoncourt hat- historisch korrekt- in den sechziger Jahren seine erste Matthäus-Passion mit Knaben besetzt. mulier tacet in ecclesia hiess dann, auch die Solopartien wurden mit Knaben besetzt. Schon damals war allerdings nicht korrekt, die Männerpartien mit älteren Männern zu besetzen. Wenn man historisch sein wollte, waren das sicher Thomaner, und das waren keine älteren Männern. Das Ergebnis war allerdings nicht überzeugend. Knaben haben heutezutage früher einen Stimmbruch und sind durch die Solopartien einer Matthäus-Passion schlicht überfordert,nicht nur stimmlich,auch intellektuell. Aus Liebe will mein Heiland sterben, aus dem Mund eines 11jährigen ?
Harnoncourt hat dies schon lange eingesehen, und macht seit langer Zeit diese Werke mit normal gemischten Chören und Frauen-Solisten. Seine zweite Aufnahme war eine live-Aufnahme mit dem concertgebouw orkest. Meine Erinnerung daran ist vage, präzise aber im Gesamturteil, oh, wie grauenhaft. Diese Ausgabe ist ein Remake seiner dritten Matthäus-Passion, von seinen Versionen die beste ( die anderen beiden waren allerdings auch nicht überzeugend).Harnoncourt hat viel Bach in seinem Leben dirigiert, aber weniges davon ist ganz überzeugend und angesichts der überwältigenden Fülle von Aufnahmen der Matthäus-Passion ist diese nicht als besonders zu bezeichnen. Anders als bei Händel oder Telemann gelingt es Harnoncourt bei Bach eher nicht, einen vom Hocker zu reissen und in seinen Bann zu ziehen.
Die detailliertere Beschreibung dieser Aufnahme hatte ich bei einer früheren Ausgabe dieser Version schon geliefert. Heute ist Karfreitag. Harnoncourt würde ich an diesem Tag nicht hören.