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Selbstverständlich wäre dies allein jedoch kein schlagendes Argument für diese Aufnahme: Machbarkeit rechtfertigt aufführungspraktische Extreme weder aus künstlerischer noch aus musikwissenschaftlicher Perspektive. Allerdings ist McCreeshs Version der Matthäuspassion seit langem die aufregendste, bewegendste und dramatischste, die dem Rezensenten auf den Tisch gekommen ist: Die Leidensgeschichte Christi wird vom Evangelisten James Gilchrist hoch spannend mit überzeugender eigener Anteilnahme und großartiger Unmittelbarkeit umgesetzt. Zum ausgeprägten Ausdruckswillen kommt hier eine Stimme, die das Gemeinte auch erstklassig umzusetzen vermag. Die anderen Sänger stehen Gilchrist in nichts nach: "Aus Liebe will mein Heiland sterben" kann man nicht vollkommener singen als Deborah York; gleiches gilt für die Bassarien, die sich der unvergleichliche Peter Harvey und der nicht minder begeisternde Stephan Loges teilen (endlich ein "historisierender" Ersatz für Fischer-Dieskaus schwer zu übertreffende Leistung in Richters erster Einspielung!). Madgalena Kozená gibt u. a. in "Erbarme dich" ihr Bestes.
Ein Grund für die unmittelbare Wirkung und Brillanz der Ensembles -- den dramatischen Turba-Chören geht durch die solistische Besetzung hier übrigens nichts an Kraft verloren -- ist meiner Ansicht nach die Tatsache, dass sie von denselben Sängern vorgetragen werden, die auch die Solopartien singen: Diese Praxis ist ja in jedem Fall historisch richtig, selbst wenn der Chor durch Ripieno-Sänger vergrößert würde; eigenartig und ärgerlich, dass sie bisher kaum auf Schallplatte verwirklicht wurde (Ein Negativ-Beispiel ist etwa Harnoncourts Matthäuspassion, in der die Darbietung der Solisten mit der des Arnold-Schönberg-Chors wirklich überhaupt nichts zu tun hat).
Hinzu kommt im Falle McCreeshs die hervorragende Ensemble-Fähigkeit der wirklich handverlesenen acht Sänger: Kein einziger Schwachpunkt beeinträchtigt diese Spitzentruppe. Als eines von vielen weiteren glücklichen Details sei die Verwendung einer richtigen Orgel an Stelle der sonst meist benutzen Truhenorgel genannt: Sie ermöglicht in den Rezitativen mehr Abwechslung und dramatische Steigerung. Alles weitere sei dem Hörer selbst zur Entdeckung überlassen. Der Appell des Rezensenten: Vorbehalte über Bord werfen und unbedingt anhören! --Michael Wersin
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45 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine Einspielung für die Ewigkeit?,
Von Martin Wahlers (Darmstadt, Hessen) - Alle meine Rezensionen ansehen (VINE®-PRODUKTTESTER) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Matthäus-Passion (Ga) (Audio CD)
Die von Paul McCreesh und seinem Ensemble vorgelegte, solistisch besetzte, Matthäuspassion ist weit mehr als ein interessantes Experiment: Egal, ob man jetzt einen satten Chorklang bevorzugt oder den schlanken Sound von Solistenensembles, musikalisch ist diese Einspielung ein Knaller, der die jüngsten Versionen von Harnoncourt, Herreweghe und auch die schon etwas ältere Gardiner-Aufnahme zum Fenster hinausfegt!Ich kenne keine Aufnahme, abgesehen von der Karl Richters und vielleicht der John Eliot Gardiners, wo die Leistungen aller Solisten in den Arien und Rezitativen so gleichmäßig großartig sind. Als Chor lassen die acht Sänger ebenfalls keine Wünsche übrig: Sie lassen selbst die Ensembles der vorgenannten Aufnahmen alt aussehen. Obwohl viele Tempi wegen der solistischen Besetzung durchaus zügig sind, artet die Auffassung McCreeshs nie in einen Geschwindmarsch à la Gardiner aus: Die Musik atmet. Die Choräle sind Bestandteile des Spannungsbogens und werden weder beiläufig abgehandelt bzw. als „Chorrezitative" missverstanden (Gardiner!), noch gleichförmig gesungen wie Gemeindegesänge (Harnoncourt!).Wer glaubt, dass ein Chorklang zwingend mindestens sechzehn Sänger voraussetzt, höre sich bitte „Sind Blitze, sind Donner" an und schweige für immer stille! Ich hoffe, dass es da draußen den einen oder anderen Kammerchor gibt, der diese phänomenale Einspielung als Kampfansage begreift und bald einen ebenbürtigen „Gegenentwurf" vorlegt. Bis dahin (und das kann LANGE dauern) kommt mir keine andere Einspielung in den CD-Player! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Klangwunder,
Von
Rezension bezieht sich auf: Matthäus-Passion (Ga) (Audio CD)
Unter den Einspielungen der Matthäus-Passion auf Orginal-Instrumenten tummeln sich viele klangvolle Namen. Nun ist der Markt um einen Meilenstein reicher! McCreesh legt eine solistisch besetzte Version vor - ohne große Chöre. Wo sind die himmlischen Chöre eines Herreweghe geblieben, an die man sich doch so sehr gewöhnt hat?Umgenken ist angesagt, wenn's auch schwer fällt! Wer sich aber auf dieses Experiment einläßt gerät ins Staunen und erlebt eine Passion, die intimer und dichter nicht sein könnte. Fast wie eine Kammer-Oper geht diese Musik direkt ins Herz. Durch die Spitzenleitung aller Sänger (insbesondere des Evangelisten) entsteht ein Kirchen-Drama, das seinesgleichen sucht. Alle Beteiligten sind optimal aufeinander abgestimmt. - McCreesh topt mit dieser Einspielung seine vorausgehenden Händel-Oratorien um Längen. Ob sich die solistische Besetzung auf Dauer bei großen Passions-Musiken durchsetzen wird, wage ich zu bezweifeln. Schade einerseits - aber andereseits hat man immerhin eine einzigartige Aufnahme. Lassen Sie sich auf dieses Klangwunder ein - es lohnt sich ! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine sehr emotionale Aufnahme,
Rezension bezieht sich auf: Matthäus-Passion (Ga) (Audio CD)
Die Matthäus-Passion nur mit Solisten aufgenommen? Das konnte ich mir nicht vorstellen, bis ich die Einspielung von Paul Mc Creesh gehört habe.Das Ergebnis ist mehr als nur hörenswert, es ist absolut mitreißend, denn es fällt durch eine berührende Unmittelbarkeit und hohe Emotionalität auf. Da ist schnell vergessen, dass da kein "richtiger" Chor singt...Alles ist stimmig und ausgewogen, aber auch wieder voller herausragender Momente. Das betrifft die Tempi, die Dynamik, die Artikulation, die Textverständlichkeit, usw....man kann ins Schwärmen geraten. Herausragend ist der Evangelist/Solist/Chorsänger Mark Padmore, der einen Anthony Rolfe-Johnson weit in den Schatten stellt. Das und die Leistungen der anderen Solisten muss man sich einfach anhören! Diese solistische Aufführungspraxis ist vielleicht kein Muss, und der Dirigent Paul Mc Creesh erhebt auch keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Der minimale Ansatz hat aber doch seine Berechtigung, denn er führt hier zu einem maximalen Treffer. Unbedingt empfehlenswert!!! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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