Schon vor einigen Jahren bin ich auf die Telemann-Passionen als Alternative zu den bekannten Werken von Bach gestoßen. Telemann hat jedes Jahr eine Passion geschrieben und im Gegensatz zu den Bach-Stücken sind viele davon erhalten. Deshalb heißt es auch aufpassen und auf die Jahreszahl achten, denn Matthäus-Passionen gibt es viele von Telemann.
Dabei ist wirkich jede der Passionen, die ich bisher gehört habe, anders und unterscheidet sich von den anderen. Es gibt bombastisch-laute, spannende und mitreißende Werke und es gibt solche, da geht es leise, traurig und meditativ zu. Die vorliegende Passion von 1746 (vier Jahre vor Bachs Tod) ist keines von beidem: der Schwerpunkt liegt auf der Arie und dem Rezitativ, Choräle gibt es kaum. Wer also getragen-majestätische Kirchenmusik erwartet, ist hier falsch. Da ich das leider für eine Passion unbedingt erforderlich halte, gibt es einen kleinen Punktabzug.
Allerdings ist die Musik selber herrlich, die Arien sind schnell, mitreißend und voller Koloraturen. Der Barock ist schon fast überwunden und es geht deutlich in die Richtung früher italienischer Oper.
dss Orchester ist fabelhaft, die Künstelr perfekt ausgewählt und das Werk ist harmonsich eingespielt. Lohnenswert für alle Liebhaber von Passionsmusik, aber nichts "Gefälliges".
Diese Einspielung hier bewegt sich auf gewohnt hohem Hänssler-Niveau, solide aber auch unaufgeregt. Die Künstler