Schon immer waren Erstbesteigungen einerseits von Erfolg gekrönt, aber brachten andererseits auch viele Tragödien hervorl.
Ich möchte euch heute Edward Whampers Buch über den langen Weg zum Gipfel ans Herz legen.
Der Autor:
========
Edwar Whymper lebte von 1840 bis 1911. Er ist untrennbar mit der Alpingeschichte verbungen. Im Mont Blanc Gebiet hat er auch zahlreiche Erstbegehungen geschafft. Auch Grönland und die Anden waren seine Ziele. Der Chimborasso und der Cotopaxi ist erfolgreich von ihm bezwungen worden. Er ist auch der Autor des Buches "Scrambles amongst the Alps", welcher schon zu den Klassikern der Bergbuchliteratur gehört.
Die Einführung ist von Sylvain Jouta, der 1949 geboren wurde. Von 1981 bis 1998 war er aus Chefredakteur der franz. Zeitschrift "Alpinisme & Randonnee" tätig. Er ist Schriftsteller und gibt die Bergbuchreihe "Retour a la montagne" heraus. Der im Jahr 2003 erschienene Matterhorn-Roman "Le roman du Cervin" stammt auch aus seiner Feder. Er beschäftigte sich jahreslang mit der Geschichte dieses Berges.
Gliederung und Inhalt:
==============
Das Buch beginnt mit einem ganzseitigen s/w-Bild von Edward Whymper aus dem Jahr 1865 - der Zeit kurz vor der Erstbesteigung.
12 Kapitel folgen und ein Anhang. Danach ist die spätere Geschichte des Matterhorns und deren Geologie aufgezeigt.
Die Kapitel geben Whympers Weg wider - in der Ich-Schreibweise - sozusagen als Erinnerung und Erzählung an die Leser. Whymper erinnert sich der positiven und negativen Erlebnisse, die mit dem Matterhorn und der Vorbereitung auf die Erstbesteigung, die Erstbesteigung an sich und die daraus resultierenden Folgen für sich und sein Leben entstanden sind.
Natürlich wird nicht nur der Besteitung ein Kapitel gewidmet, sondern auch dem Abstieg, den erst, wenn man einen Berg auch wieder verlassen hat, dann hat man ihn bezwungen, so ähnlich sagte einmal Hans Kammerlander. (Der Berg gehört dir erst, wenn du wieder unten bist !!!)
Nach 7 ersuchen, die erst einmal nicht mit Erfolg gekrönt waren, versuchte Whymper es mit seinen Bergkameraden am 14. Juli 1865 wieder und schaffte glücklich die Erstbesteigung des Schweizer Wahrzeichens.
Dieser Erstbesteigung hat aber nicht nur positive Seiten, der Abstieg artete in ein Drama aus und kostete leider mehreren seiner Kameraden das Leben. Whymper hatte es geschafft, vor dem Italiener Luigi Carrel das Matterhorn als Erster bestiegen zu haben, aber zu welchem Preis. Viel wurde darüber diskustiert und viel gibt Whymper in diesem Buch auch von seinen Gefühlen und Gedanken preis.
Bildmaterial:
=========
Wunderschöne Zeichnungen, die die Bergwelt porträtieren, Abbildungen der Menschen, die involviert waren, aber auch Zeichnungen und Kartenmaterial, Detailzeichnungen und Holzschnitte von Whymper persönlich sind das I-Tüpfelchen auf ein hochkarätiges und qualitativ hochwertiges Buch.
meine zusammenfassende Meinung:
========================
Ich finde, dass Whymper in diesem Buch eine perfekte Aufarbeitung und Zusammenfassung der gesamten Expedition erschaffen hat, beginnend mit den Vorbereitungen, den vielen vorhergehenden Versuchen, dem Erreichen, als erster es geschafft zu haben und dem Drama des Abstiegs.
Sehr faszinierend und bildhaft ausschweifend, ehrlich, offen und nachdenklich ergreift er das Wort und erzählt seinen Lesern von seinen Eindrücken, Gefühlen und Erlebnissen am Berg. Er geht offen mit der Frage um, wie alles so hat kommen können, was man evtl. falsch gemacht hat usw.
Sehr spannend und aufschlussreich ist es, wie Whymper es schafft, seine Leistung und die seiner Kameraden so zu werten, dass man sie in die Alpine Geschichte einordnen kann. Mit dieser Besteigung begann - so kann man sagen - das Zeitalter der touristischen Alpen.
Man kann sehr eindrucksvoll und intensiv während des gesamtes Buches erleben, wie sich Whymper immer wieder aufgerafft hat, endlich sein Ziel zu erreichen. Unbeirrt, trotz harter Rückschläger während der 7 vorhergehenden Versuche, hat er nicht aufgegeben und immer wieder danach getrachtet, der erste auf dem Gipfel zu sein. Seine Gefühle und Gedanken und seine Arbeit, die er leistete - physischer und psychischer Natur, werden im Buch perfekt herausgearbeitet. Die Geschichte liest sich wie ein Krimi. Ehrlich schreibt Whymper all seine Erfahrungen, die nicht immer nur positiv waren, aber halt dazu gehören.
Er geht offen mit sich ins Gericht und gibt vieles preis, was mir vorher noch nicht wirklich bewußt war.
So finde ich, dass das Buch eine ehrliche und komplexe Arbeit zum Thema Erstbesteigung des Matterhorns ist, welche unbedingt für den bergbegeisterten Leser empfehlenswert ist.
Bildhaft und unter Zuhilfenahme zahlreicher Adjektive und einer ausschweifende Sprache macht es Whymper dem Leser leicht, sich in die Handlungen hinein zu versetzen und sich in den Schweizer Bergen wider zu finden. Whymper charakterisiert sich selbst perfekt und mit dem Vorwort, welches ihn auch umfassend wider gibt, ist dieses Buch absolut lesenswert.
Die am Ende des Buches befindliche tabellarische Auflistung der Versuche, das Matterhorn zu bestiegen und die Erklärungen zur Geologie mit der ganzseitigen Abbildung des Geologischen Durchschnittes des Matterhorns hat man mit diesem Buch ein wirklich umfassendes Werk zu diesem Berg vorliegen.