Man kombiniere eine Barbie mit einer Handy-Kamera und erhält: Voila! Ein neues Spielzeug! Mattel baut einer Barbie eine Kamera in den Leib, das Objektiv ist auf der Höhe des Schlüsselbeins, ein Display auf dem Rücken der Puppe. Was die innovative Barbie taugt und wie viel Spaß es bereitet, soll hier beschrieben werden.
Der hier beschriebene Puppentest fand zusammen mit meiner Tochter statt. Sie ist zwar mit knapp 5 Jahren noch nicht im empfohlenen Alter, hat allerdings die hohe Technikaffinität des Papas vererbt bekommen, und spielt schon seit geraumer Zeit mit eigenem Fotoapparat und MP3-Player, so daß ich keine Bedenken hatte, daß sie - mit Unterstützung - mit dem Produkt zurecht kommt. Die Beurteilungskriterien und -ergebnisse von Vater & Tochter drifteten bei dieser Puppe - nicht unerwartet - einige Male auseinander, so daß die letztendliche Punktebewertung nur ein arithmetisches Ergebnis ist. Ich will versuchen die Einzelpunkte jeweils aus Sicht von Papa & Tochter darzustellen, und die jeweils erfolgte Bewertung zu begründen.
1. Qualität/Verarbeitung
Da sind wir uns mal einig: Die Qualität der Puppe ist auf dem üblich hohen Barbie-Niveau, da gibt es nichts zu meckern. Alle Gelenke sind beweglich, die Kleidung austauschbar und natürlich kompatibel zur Barbie-Welt.
Tochter: 5/5 Punkte, Vater: 5/5 Punkte
2. Spielbarkeit und Spielspaß
Bevor es losgeht, müssen zunächst erst mal die Schenkel geladen werden: mit Batterien. Also: Hose runter, aufgeschraubt & geladen. Batterien und der notwendige Mini-Kreuzschlitzschrauber werden nicht mitgeliefert. Die Öffnung ist etwas fummelig, mit der Verschraubung wird vermutlich dem Sicherheitsbedenken Rechnung getragen, ein einfacherer Klippverschluss wäre hier aber komfortabler. Immerhin: die Batterien (Sanyo Eneloop-Akkus) halten bisher 3 Stunden.
Der Spielspaß den diese Puppe ermöglicht ist enorm: sei es, daß die gespielte Szenen sozusagen nebenbei gefilmt werden, sei es daß die Puppe wie eine Filmkamera genutzt wird (meine Tochter hält sie dazu an den Beinen, und läuft durch die Gegend).
Die Bedienung hat Mattel glücklicherweise sehr einfach gehalten: 3 Knöpfe für Aufnahme/Wiedergabe und Löschen. Auf Firlefanz wurde verzichtet: gut so!
Tochter: 5/5 Punkte, Vater: 4/5 Punkte
3. Qualität der Kamera und der Filme
Die technischen Daten der Kamera sucht man in der Produktbeschreibung vergebens. Ich würde sie subjektiv auf dem Niveau einer aktuellen Handykamera der unteren Mittelklasse ansiedeln. Der interne Speicher umfaßt magere 250 MB, das ist heute zwar nichts, aber immerhin lassen sich damit 49:30 Minuten aufnehmen. Die Bildauflösung ist 320 x 240 mit MJPG Codec, die Audio-Spur ist mono. Die Helligkeit ist oft schwankend. Nun gut, damit sollen ja auch keine epischen HD-Spielfilme gedreht werden. Was aber wirklich eine Schwäche ist, ist der Ton: Störgeräusche, die von der Bewegung der Puppe herrühren sind sehr laut, Sprache einen halben Meter entfernt relativ leise. Das stört dann auch die Tochter.
Tochter: 4/5 Punkte, Vater: 3/5 Punkte
4. Software
Die aktuelle Software ist noch nicht zertifiziert, unter Windows7 poppen entsprechende Warnhinweise hoch, die vielleicht den einen oder anderen erschrecken mögen. Vielleicht ändert Mattel das ja noch. Daß das Lizenzabkommen ("EULA") gegen deutsches Recht verstößt - geschenkt, das machen die meisten anderen Software-Anbieter auch. Ärgerlich ist allerdings, daß ungefragt ein Treiber in den Autostart installiert wird, damit die Software sofort hochpoppt, sobald die Puppe am USB-Port ist.
Das Programm an sich ist zunächst - BUNT. Töchterchen findet's super, Papa leicht psychedelisch. Unschön hierbei auch, daß das eigentliche Programm weniger als die Hälfte des Bildschirms ausnutzt, der Rest ist bunter Rahmen. Auch hier noch Nachbesserungspotential für Mattel. Die Bedienung wiederum ist relativ einfach, wenn es darum geht, schnell mal einen bunten Film mit tollen Effekten herzustellen. Sehr kindsgerecht.
Tochter: 4/5 Punkte, Vater: 2/5 Punkte
Gesamturteil:
Ein neues Spielzeug mit witziger Idee, ideal für ein Digital-Native-Kid.
Inwiefern man den hohen Preis (der für 4 reguläre Barbies reicht) investieren möchte, muß jeder selbst entscheiden.
Die Technik ist auf niedrigem Niveau, aber zweckmäßig. Ton ist ausbaubar.
Software hat ihre Macken, ist aber sehr kindsgerecht.
Tochter: 5/5 Punkte, Vater: 3/5 Punkte: Summe 4/5 Punkten
Randbemerkungen:
Die Verpackung ist groß wie ein dicker A4-Ordner und enthält größtenteils Luft. Dies ist wohl dem hohen Preis und der entsprechenden Plazierung im Einzelhandel geschuldet, aber Mattel sollte vielleicht darüber nachdenken, eine Soll-Öffnungsstelle in den Blisterpack zu integrieren oder teilweise auf umweltfreundlichere Pappe umzusteigen.
Interessant wird sicherlich auch sein, inwieweit diese Puppe für Überwachungstätigkeiten zweckentfremdet wird: wenn man schon immer mal wissen wollte, was der Babysitter so treibt, ist sie dafür nämlich hervorragend geeignet ;-)
(Habe ich den letzten Satz wirklich geschrieben? Nein, habe ich nicht! :-))