Matrixfeuer; ein ungewöhnliches Shadowrun Buch.
Nicht nur eine Anthologie (welche doch angeblich eh weniger Absatz finden), sondern auch ein Nebeneinander von Profi- und Nachwuchsautoren.
Teilweise aus einem Schreibwettbewerb hervorgegangen, muss sich der Nachwuchs jedoch definitiv nicht verstecken.
Die 16 Stories der Sammlung sind ausgewogen, sowohl qualitativ als auch thematisch.
Sie sind frisch, zeigen auch den einen oder anderen bekannteren Autoren in einem anderen Licht, und vor allem:
Sie zeigen, das die deutschsprachige Szene doch noch einiges für die Zukunft bereit halten kann.
Die Stories:
>>[Rika / Marko]<<-Maike Hallmann
Die erste und letze Story des Bandes. Frau Hallmann wieder einmal sprachlich Top, in der Kurzform noch besser als in ihren Romanen.
Und erst die Idee - ein wirklich außergewöhnliches Killer-Duo, das es verdient, seinen eigenen Roman zu bekommen. Bitte!
>>[Methan-Bolismus]<<-Markus Heitz
Sicher der meist etabliert Autor in dieser Sammlung - mit der, wohl als Ausgleich, schlechtesten Story!
Sprachlich routiniert, nur eben mit dem typischen Heitz-Esprit. Was in >Uldart< noch witzig war, kann einen Shadowrun wirklich komplett verleiden!
>>[Lieber Arm dran]<<-Andre Wiesler
Wieder ein bekannter Autor, wieder eine eher witzige gemeinte Story - nur das es hier eben funktioniert!
Angenehme, lockere Sprache.
>>[Timing ist alles]<<-Lara Möller
Der bekannte Drachen-Kampf am Himmel über Frankfurt, aus einer anderen Perspektive. Routinierte, unspektakuläre Story, über einen eher typischen Run.
>>[In Poseidons Armen]<<-Markholf Hoffmann
Gerade erst mit einem Fantasy Roman debütiert - und, auch wenn ich diesen noch nicht gelesen habe, paßt die Story dazu.
Aus der Sicht eines Magiers geschrieben, schmeckt man so einen gewissen, naja, Fantasy-Touch heraus.
Keineswegs schlecht.
>>[Kontakt]<<-Christian Jentzsch
Sehr schöne, stimmige Einblicke in die Alltagstechnik des Jahres 2062. Leider wird dann der Plot nicht so gut vorangetrieben, das Ende kommt entsprechend plötzlich.
Schade.
>>[Holometabolie]<<-Florian Schlüter
Melancholische Story über Freundschaft und Liebe (?), vielleicht ein etwas abgehackter Storyverlauf, dafür dichte Atmosphäre.
(Die Beschreibung der Örtlichkeiten hätte detaillierter sein können. Für mich als Düsseldorfer hat es genügt, aber jemand der unsere kleinere Nachbarstadt nicht so gut kennt, hat die Schauplätze vermutlich nicht so vor Augen.)
>>[Geisterstunde]<<-Marion Lohe
Hat mich nicht überzeugt, Stadt-Ork schließt Freundschaft mit einem Geist in der Wüste, ob er will oder nicht, und klärt nebenbei Morde an anderen Orks auf. Naja.
>>[Mjölnir]<<-Peter Merten
>Matrixfeuer< im wahrsten Sinne. Decker prügelt sich durch ein Konsystem, es ist ein Hauen und ein Stechen. Ganz nett.
Die Wettbewerbs-Gewinner:
>>[Hunger]<<-Brandel/Lengauer
Origineller Plot, für eine Shortstory ungewohnte Perspektive; abwechselnd aus der Sicht beider Protagonisten.
Wegen der hohen Frequenz der Wechsel holprig, und auch der Stil selbst könnte noch etwas geschliffener sein.
>>[Der Todesbote]<<-Stefan Sumser
Düster und blutig, die Horror Abteilung der Shadowrun Welt, mit einem typischen Schock-Effekt Ende.
Handwerklich nichts zu meckern, auch wenn ich selbst Horror nicht gerne lese.
>>[Nachtschicht]<<-Olka Hallwasz
Shadowrunner greifen Konzern an, aus der Sicht der Kon-Gardisten. Originelle Variation des Standardthemas.
>>[Verbrannte Finger]<<-C.M. Riesslegger
Top! Shadowrun goes Austria. Der Plot erinnert an Gibsons >Burning Chrome< mit Schlagoberst.
Österreichische Locations, Slang und, nicht zuletzt, Charme, ohne dadurch gekünstelt zu wirken.
>>[Kein grosser Verlust]<<-Simon Möller
Im wahrsten Sinn eine Kurzgeschichte, gerade mal 3,5 Seiten. Trotzdem, alles drin: Atmosphäre, Witz, sprachliche Qualität.
>>[Rose]<<-Thomas Palmen
Wirklich, ein fieses Ende. Die Story an sich erscheint zu langwierig, das entschuldigt sich aber durch den Schluss.
Fazit:
Ausgewogen und für jeden Geschmack etwas dabei. Kaufen!