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„Matrix" bedeutete auch den Durchbruch für den 42-jährigen Komponisten Don Davis. Nachdem er schon zusammen mit den Wachowsky-Brüdern an dem Film „Bound - Gefesselt" gearbeitet hatte, wurde er auch für diesen außergewöhnlichen Blockbuster engagiert. Zurecht ein Wagnis, da Davis zuvor nur wenige eigenständige Scores geschrieben hatte. Vielmehr war er durch seine avantgardistischen Konzerte und Orchestrationen für James Horner oder Randy Newman bekannt geworden.
Davis' Aufgabe war es nun, einen Score zu kreieren, der neben dem Special-Effect-Gewitter und dem ausgeklügelten Sounddesign Beachtung finden konnte. Er musste eine neuartige Form finden.
So besitzt sein Score kein Thema. Einzig ein Motiv von zwei ineinanderübergehenden Akkorden dient ihm als Basis. Der Rest ist - so erscheint es - wildes Durcheinander, ein Mix aus Synthesizer-, Orchester- und hin und wieder textlosen Choreinlagen, die sich im Film nahtlos einfügen, auf CD aber beim unbedarften Zuhörer nur Kopfschütteln hervorrufen.
Schon oft fanden atonale und avantgardistische Elemente dieser Art in der Filmmusik Verwendung. In der Regel wurden sie bei Action-Passagen eingesetzt, um Tempo und Stimmung eines Filmes noch zu verstärken.
In diesem Fall nutze ich zur Einordnung oft die Bezeichnung „organischer Score".
Die Musik fügt sich den Bildern - sie hat keine feste, eigenständige Struktur. Abseits der Bilder fehlt ihr dieser Teil; nur für Freunde szenischer Musik ist sie so dennoch zugänglich.
Trotz vieler Vorläufer auf diesem Gebiet stellt „Matrix" in seiner konsequenten Ausführung sicherlich einen Meilenstein der postmodernen Filmmusik dar.
Der Soundtrack ist astreines Action-Scoring. Das Tempo reißt einen förmlich mit. Aufgrund der düsteren Stimmung erinnert es jedoch an vielen Stellen an Danny Elfmans Kompositionen zu Batman. Dies ist allgemein ein Schwachpunkt der CD; ein paar Stellen wirken irgendwie bekannt und man weiß nicht recht, ob Davis bei seinen Orchestrationen nicht doch zuviel von seinen Lehrmeistern ab-gelernt hat (z. B. James Horners „Ransom").
So ist auch „Anything is Possible" - Neo entdeckt seine außergewöhnliche Macht gegen die Maschinen - eine versteckte Huldigung an Wagners Klangteppiche. In diesem Falle ist es jedoch der Intention des Filmes dienlich. Es ist der ausgeglichenste Mix von wildem atonalen Scoring und fast religiösen Choralklängen.
Ebenso faszinierend ist „The Power Plant", in dem die Dramatik durch aggressive Choreinschübe noch gegenüber dem „Main title" gesteigert wird.
Die einzige ruhige Passage findet sich auf der CD in „Welcome to the Real World". Theo Lebows kindlicher Sopran legt sich wohltuend über melancholisch säuselnde Streicher. Zwar wäre es für sich alleine nichts besonderes, aber aufgrund des Kontrastes zum Rest des Albums erregt es Aufmerksamkeit.
Weiterhin finden sich in den übrigen Tracks ebenso gelungene Passagen; einzig „Unable to speak" ist in seiner Übertreibung völlig misslungen.
Leider ist, wie bei Varese üblich, wieder nur ein viel zu kurzer Ausschnitt des gesamten Scores ausgekoppelt worden, weshalb eine Betrachtung der gesamten Tonspur aus diesem Grunde nicht möglich ist. So etwas ist ärgerlich und könnte einen vom Kauf dieser CD abhalten. Ratsam ist es, sich außerdem das Album mit Songs von Manson und Co. zuzulegen, um Davis' Score in den gesamten musikalischen Kontext einordnen zu können.
Fazit: Don Davis setzt mit diesem Score einen avantgardistischen Meilenstein. Trotz einiger Schwächen mag er wohl mit diesem Score bewiesen haben, dass er zu außerordentlichen Meisterleistungen fähig ist. Wer sich auf ein ungewöhnliches Hörerlebnis einlässt, wird mit Sicherheit fasziniert sein. Allerdings nur rund 30 Minuten.
Zurück zum Matrix-Soundtrack: Warum vier Sterne?
Weil Don Davis' Arbeit genauso innovativ ist wie der Film. Zuerst mag einem die Musik unhörbar erscheinen aber beim genaueren hinhören fallen einem die vielen Details auf und wird durch massiven Orchester und gelegentlichen aber kraftvollen Choreinsatz und nicht zuletzt dem immer wieder zu hörenden Matrix-Theme (der lange auf und absteigene Hornton) in eine düstere Welt hereingezogen. Leider wird man, bedingt durch die 30 Minuten Laufzeit (!§(+$")*~$&=§/&) viel zu schnell wieder aus dieser Welt herausgeworfen (ist leider so).
Gut ist das keiner der zehn Werke anlass zur Kritik gibt. Die meisten wichtigen Stücke sind vorhanden: Das spannende 'Trinity Infinity', das aufwühlende 'The Power plant' das gelungen-actionreiche 'Ontological shock' und nicht zuletzt das geradezu grandiose 'Anything is possible' am Schluss, das auch rund dreissig Sekunden unverwendetes Material enthält (aus der Szene ganz am Ende als Neo in den Himmel schaut und wegfliegt; im Film war dort 'Wake up' von Rage agaist the Machine zu hören). Nicht zu hören ist die Partitur als Neo am Ende vor den Agenten fleht, die Musik die zu hören ist als er gegen Smith kämpft un viele mehr; bestimmt eine dreiviertelstunde.
Empfindliche Ohren werden eine halbe Stunde lang ziemlich auf die Probe gestellt, da fast nur die Matrix-typische atonale-actionreiche Musik zu hören ist (nur Track Nr.4 'Welcome to the Real world' gönnt dem Hörer eine kleine Pause). Aber genau diese Atonalität ist das was mir an der Musik zu Matrix gefällt.
Im Endeffekt bleiben 30 Minuten, aber verdammt gute dreissig Minuten. Ich hoffe weiterhin auf eine Deluxe Edition dieser CD und vieler weiterer Soundtracks dieses Labels.
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