Nachdem uns die "Matrix"-Trilogie neben "Animatrix", die Videospiele "Enter the Matrix" und "Path of Neo", sowie das Onlinerollenspiel "Matrix Online" beschert hat, kam jetzt mit dem ersten "Matrix"-Comicband eine weitere Plattform für die "Matrix"-Schöpfer Larry und Andy Wachowski heraus ihr "Matrix"-Universum zu erweitern. Die Idee zu den Comics bestand schon vor dem Dreh der Filme und beinhaltet 12 kurze Geschichten rund um die "Matrix". Wie schon bei "Animatrix" wurden auch hier verschiedene Künstler gebeten einen Beitrag zu leisten und nicht nur einfach die Filme zu kopieren, sondern eigenständige Geschichten zu entwickeln, die die Handlungen der Filme ergänzen. Entstanden ist ein qualitativ hochwertiger, 158 Seiten umfassender und sehr gelungener Comic-Band (Maße: 17,2 x 26 cm (BxH)). Die 12 Geschichten bieten Abwechslung pur, denn sie könnten nicht unterschiedlicher in Bezug auf den Zeichenstil und auch auf die Erzählweise sein. Bis auf die erste Geschichte "Kleine Informationseinheiten", an dem die Wachowskis als Autoren direkt beteiligt waren und Geof Darrow (u.a. Konzeptzeichner der "Matrix"-Filme) als Zeichner, lassen die restlichen Storys ein bisschen den "Aha-Effekt" vermissen, d.h. etwas tiefgründiges über die Filme zu erfahren. Aus der ersten Geschichte wurden später die Folgen "The Second Renaissance Part I+II" für "Animatrix" entwickelt und man erfährt hier, warum der Roboter seinen Besitzer tötete, was schließlich der Auslöser der Entwicklung bis hin zur Schaffung der Matrix war.
Die zweite Geschichte "Bluten für die Normalität" (Autor und Zeichner: Bill Sienkiewicz) erzählt von Dez, der die Matrix erkennt und seiner Freundin. In der dritten Geschichte "Ein weniger freudloses Leben" (Autor und Zeichner: Ted McKeever) geht es um eine Frau, die es bereut nicht die "Rote Pille" genommen zu haben. Der vierte Beitrag "Goliath" (Autor: Neil Gaiman, Zeichner: Bill Sienkiewicz und Gregory Ruth) ist von seiner Art her sehr interessant und erinnert mehr an eine Kurzgeschichte als an ein Comic. Aber auch inhaltlich ist es einer der Besten in diesem Band. Die fünfte Geschichte "Brennende Hoffnung" (Autor und Zeichner: John van Fleet) ist etwas verwirrend und zeigt eine Crew, die versucht ein Mädchen aus der Matrix zu holen. Die sechste Story "Schmetterling" (Autor und Zeichner: Dave Gibbons) ist sehr poetisch und philosophisch angehaucht. Die siebente Geschichte "Ein ganz besonders Schwert" (Autor und Zeichner: Troy Nixey) dreht sich um Nac, der einen Angriff der Wächter überlebt und von einem scheinbar Verrückten gerettet wird. Die achte und mit Abstand die kürzeste Geschichte "Kapiert?" (Autor und Zeichner: Peter Bagge) passt auf drei Seiten und handelt von drei Freunden, die sich im Kino "Matrix" angeschaut haben und einer von ihnen den Film nicht versteht. Die neunte Geschichte "In der wirklichen Welt gibt es keine Blumen" (Autor und Zeichner: David Lapham) erinnert an einen Film-Noir und ist von der Stimmung her ziemlich düster. In "Die Geschichte des Müllers (Autor und Zeichner: Paul Chadwick) wird erzählt, wie Geoffrey es schaffte Weizen anzubauen und so Brot in Zion herzustellen. Der elfte Beitrag "Künstlerische Freiheit" (Autor: Ryder Windham, Zeichner: Kilian Plunkett) handelt von einer Künstlerin, die die Wächter als Skulpturen darstellt und so für Aufruhr sorgt. Der letzte Beitrag "Jäger und Sammler" kommt von Gregory Ruth und erzählt die Geschichte von Flint und Nova, die sich auf den Weg machen gegen einen Wächter zu kämpfen.
Mir fehlte zwar ein bisschen der direkte Bezug zu den Filmen, aber dennoch überzeugt dieser Comic-Band durch seine Vielfalt und die eine oder andere Geschichte wird auch den "Matrix"-Horizont erweitern können. Es macht einfach Spaß diesen Comic bzw. diese Comics zu lesen und ich kann es jedem empfehlen. Für "Matrix"-Fans ist es schon fast eine Pflicht, aber auch Comic-Interessierte sollten einen Blick in diesen Band werfen.